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Kolumne der Redaktion

14.04.2014

Was Hans Moos soeben in der Maihofkirche über Martin Merki, den Kollegen, das Vorbild und den Mahner sagte - dazu Stimmen weiterer Weggefährten

In der Maihofkirche hat soeben die Trauerfeier für Martin Merki sen. stattgefunden, der vor zehn Tagen im 82. Altersjahr gestorben ist. Als Freund und Kollege sprach Hans Moos (Ballwil), während vieler Jahre selber Redaktor an der Maihofstrasse 76, über den Verstorbenen. Er stellte lu-wahlen.ch sein Redemanuskript zur Verfügung.


Liebi Helen, liebi Familie Merki, liebi Truurgmeind

Mit em Martin Merki verbindid mich vili gemeinsami Zytigsjoohr und drüberuus e langjähregi fründschaftlechi Beziehig. Dass är, de Inbegriff vo Schryybfreud, Tatedrang und geistiger Vitalität, eus i syne letschte Läbesjoohr dur syni schwääri Chranket so unerwartet und lyslig wie abhande cho isch, hed wehtoo. Mer hends nid chönne begryyffe. 

No vöu schwerer isch es für Euch gsy, liebi Helen, liebi Familie, so wie au jetz de irdische Abschied vom Martin Euch am meischte trifft. Vo Härze wett ich Euch euses Mitgfüühl zum Uusdruck bringe – und eusi grossi Wärtschätzig gegenüber em Martin. Sy isch nid zletscht au i de Tatsach z’verdanke, dass Du, Helen, und die ganzi Familie für e Martin e grossi Stütze, es Diskussionsforum und e Freudequelle gsy sind und ihm viel Freiruum für sis journalistische Wirke ermöglichet hend. 

Über das Wirke wett ich jetz e chly brichte, ohni jede Aasprooch uf Vollständigkeit:

Churz noch syner Pensionierig im Dezämber 1996 hed mier de Martin im ene Brief gschribe:

„In den 35 Jahren haben sich der Berufsstand und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ganz gewaltig verändert. Vieles, was uns etwa im Kreis der Katholischen Publizisten grundlegend war, gilt nichts mehr. Wir haben oft miteinander darüber gesprochen. Nie würde ich die Wertungen und Haltungen von damals leugnen, auch wenn im Grundsätzlichen die Prioritäten zu Recht etwas verschoben worden sind, und der Stil (geistig, nicht bloss sprachlich) soweit angepasst werden musste, um überhaupt Gehör zu finden. Die wichtigste Lehre, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, ist die, die eigene Verantwortung wahrzunehmen, aber vor allem dort einzubringen, wo die Saat aufgehen kann. Es hat keinen Wert, tauben Ohren zu predigen oder in verstopfte Ohren zu schreien.“

Dä Brief mit ere persönliche Bilanz hed mich dozmoole berüehrt, und nid weniger tued är das 18 Joohr spööter. Är züügt vom ene starche bruefliche Engagement, von emene wache Geist, von ere intensive Usenandersetzig mit de Grundlage und Grundwärt vom politische und gesellschaftliche Lääbe. Und är weckt by mier schööni Erinnerige a gueti Gsprööch, a gmeinsami Projekt und a gmüetlechi Rundene. Ich dänke aber au a die wärtvolle Rootschlääg, as gägesiitige Gägelääse und a kriteschi Rückmäldige, wo‘n ich vom Martin überchoh ha. Är isch für mich und för vili i de Redaktion ganz klaar mee als nur e intressante Kolleeg gsy: e Begleiter nämlich und es Vorbild, mängisch au e unbequeme Mahner – nid vo allne glyych gliebt, aber allsyts respektiert.

Versetzid mr eus doch för ne Momänt zrugg a d’Maihofstrooss 76, i die Redaktionsrüüm mit em sprööde Charme vo de 50er-Joohre, wo de Martin wyyt über 20 Joohr lang gewirkt hed. Scho zu „Vaterlands-Zyyte“ isch s’Redaktionsteam es bunts Volk gsy: bedächtegi Routiniers, kultivierti Indivdualiste, originelli Zyytgenosse, politeschi Chöpf und kreative journalistische Noochwuchs, jungi Fraue und Manne. Es hed e wältaschaulechi Chlammere gää, mit ere meh oder weniger erkläärte Nööchi zu de CVP und zu de Chile. Das heisst aber überhaupt nid, dass demit alles gseid gsy wäär. Im Gägeteil: Täglich isch diskutiert worde über Standpünkt, Uusrichtige, Tendänze, aber au über Stil, Präsentation, Sprooch und knappi Finanze. Und täglich isch mr a de örtliche Konkorränz gmässe worde: a dr LNN und am Lozärner Tagblatt. 

De Martin Merki ha n ich i dem chliine, läbige Huuffe as so öppis wie ne Föus i de Brandig erläbt: mit klaare Vorstellige vo dem, wo för s Gmeinwäse und för ne Qualitätsjournalismus wichtig und nöötig isch; mit vöu Gspöör för das, wo s’Volk bewegt; mit ere journalistische Neugier, wo ihn vor z‘ änge Gränze im Dänke und Handle bewahrt hed; mit Engagement und Härzbluet, wo syni Glaubwürdigkeit undermuuret hend. Mr chas au knapper sääge: e Kämpfernatur mit Profil und Härz, wo Spuure hinderloh hed. 

Aber das Bild wär unvollständig ohne Erinnerig a sys Gmüet und syne Humoor: De Martin hed sich chönne härzlich freue, und är hed zwöschedure au chönne explodiere, vor allem deh, wenn är s’Gfüehl ghaa hed, syne Taatedrang und syne Yysatz för ne gueti Zytig stossi uf Lethargie oder Unverständnis. Doch de Ärnscht vom Lääbe hed är sälber immer wieder uufglockeret dür fiini Ironie, Wortwitz und Rücksichtnahm. Am Stammtisch im „Maihöfli“ näbedra isch är, im Gägesatz zu andere unvergässliche Kollege, en eher sältene Gast gsy. Aber ich erinnere mich a frölechi Redaktionsfäscht, a spontani Rundene am ene ländliche Wirtshuustisch oder a ne dänkwürdegi Nauefahrt - Glägeheite, wo de Martin gnosse und berycheret hed. Als ehmolige Sport-Redakter und als Matchbsuecher hed är übrigens au kompetänt chönne mitrede, wenn’s ums unerschöpfliche Thema FCL gange isch.  

I de letschte Tääg han ich das chlyni, schmucki Buech mit Martins gsammlete „Bemerkige“ us de Joohr 1973 – 89 meh as einisch zur Hand gnoh und drinne glääse, e chly chrüüz und queer. S’isch mr deby e so mängs wieder i Sinn cho, und ich ha so huutnooch d‘ Atmosphäre im Kanton Lozärn vo dozumol gspöört. Sicher, s’eint oder ander dunkt eim scho wyyt ewägg. D’Grabekämpf zwösche Root und Schwarz hend inzwösche definitiv a Brisanz verloore, und us de POCH, wo im Martin eso z’schaffe gmacht hed, sind pragmatischi Grüeni worde. Es isch äbe för e Taag gschrybe gsy und hed eso gstumme. Aber es gid i dene „Bemerkige“ au mängi Beobachtig, Überlegig und Pointe, wo nüd verloore hend a Uussaagechraft. Und wo eus au vöu sägid über e Autor und sys Ringe um politeschi und gsellschaftlechi Positione. Ich gryffe eis Bispyl use: I de „Bemerkige“ vom 16. Oktober 1976 hed är im Zämehang mit emene öffentliche Disput um Ehe, Familie und Konkubinat under anderem gschrybe: 

„Ich respektiere den Entscheid jedes Menschen über seine freie Lebensgestaltung, allein oder mit andern. Ich masse mir deswegen keine Urteile an und verabscheue Vorurteile. Aber ich protestiere gegen die schnoddrige Art und Weise, wie diejenigen als Hinterwäldler und Gesellschaftsidioten hingestellt werden, die ihr Leben so gestalten, wie es eine menschliche Gemeinschaft zum Bestehen weiter braucht. Gerade junge Eheleute leisten heute vielerlei Verzicht, sie erbringen damit urechte soziale Dienste. Sie ins gesellschaftliche Abseits zu drängen, ist gesellschaftliche Schizophrenie.“

Das isch, unabhängig vom Zytgeist, e klaari Sprooch, das isch Bekenntnis, das isch Zivilcourage. De Martin Merki hed sich demit nid nume Fründe gschaffet, grad au i Journaliste-Chreise. Das hed är mit Fassig treid. Är hed sich aber au intensiv mit journalistischer Ethik usenandgesetzt und mit Kolleege drüber diskutiert. Nid d‘ Neutralität vom ussestehende Unbeteiligte, sondern es ständigs Bemüehe um kritische Objektivität isch für ihn Leitschnuer gsy. Är hed ohni Angst heikli Theme uufgriffe und Missständ uufdeckt, sich aber deby au immer als mitbetroffne Bürger oder Christ oder Mitglied vo eusere Gsellschaft verstande. Und Fählleistige i de Chefetage vo Politik, Chile, Wirtschaft und Redaktione hed är nid elei underem Gsichtspunkt News-Wärt aagluegt – und vilfach sälber drunder glitte.. 

De Kanton Lozärn mit sym eigete politische Mikroklima isch för e Martin veli Jaahr lang daas bevorzugte Terrain gsy und syni journalistischi Heimat worde. Zur Erinnerig: Das isch die Zyt gsy,

wo s’Lozärnervolch, zum Leidwäse vom Martin, e grossi Uni-Vorlage a dr Urne hed lo schyytere;

wo Nachbäbe vo de Zürcher Jugendunruhe au uf d‘Innerschwiiz überegschwappt sind;

wo CVP bi de Waahle no solidi Mehrheite gschafft hed;

wo de Kanton Lozärn mit em Alphons Egli und mit em Kaspar Villiger i churzem Abstand zwee Bundesrööt gstellt hed;

wo mit beträchtlichem Uufwand 600 Jahr Stadt und Land Lozärn gfiiret worde isch – es Ereignis, wo de Martin kritisch begleitet und spööter im ene Erinnerigsbuech festghalte hed;

e Zyt, wo mit de Brigitte Mürner die ersti Frau i d Lozärner Regierig gwählt worde isch – e Vorgang, wo de Martin us voller Übezüügig understützt hed.

Är hed d’Lüüt und d‘Landschaft vo dem Kanton gärn überchoo. Nid nur schryybend, sondern au wandernd. Was är hingäge nid hed möge, sind grosstuerischi Allüre vo Möchtegern-Pioniere oder neuryche Landbarone gsy, und är isch skeptiisch gsy gägenüber Projekt, wo i sine Auge überrisse und am Volch verby uusgheckt worde sind oder d’Landschaft kaputt gmacht hättid. I settige Fäll hed er nid lugg gloh, vöufach mit Erfolg.

So isch mr am politische Beobachter Martin Merki nid verby cho. Syni Kommentär und Kolumne sind Pflichtlektüre vo de lozärnische „classe politique“ gsy, ond mr seid, dr einti oder anderi Würdeträäger heig jewiils eher mit Bange i de wöchentliche „Bemerkige“ entgägegluegt. Mr würdi aber im Martin nid grächt, wemmer ihn uf s Regionale würd yygränze. Mit Liechtigkeit, Elan und vöu Hindergrundwüsse hed är sich spööter au im Ressort Inland bewegt. Ich stuune hüt no über syni Beläseheit und syni wiitgspannte Inträsse, syni Gschichtskenntnis und syni Vertroutheit mit politischer und historischer Literatur, won-är sich dur Sälbststudium aageignet hed. D‘ Invasion vo de Alliierte 1944 i de Normandie hed är bis is letschte Detail studiert, au vor Ort. Ähnlich minutiös hed är unheimlichi Lozärner Mordfäll erforscht und beschrybe. Und ich stuune im Rückblick über syni Tatchraft. Är hed’s nid bim Wort lo bewände, är, de Wärtkonservativi, hed immer wieder innovative Idee und Projekt entwicklet und umgsetzt, för Zyytig und för d‘ Öffentlichkeit: Läserreise, Ferienlagerdroht, Wiehnachtsaktion oder die legendäri Rettigsaktion för Dampfschiff-Flotte uf em Vierwaldstättersee. Au wenn ihm s “Vaterland“ sehr lieb gsy isch, so hed är doch zwee Zytigsfusione heil überstande, und nid nur das: Är hed die schwierige Übergäng mittreid und mitgstalted und hed massgäblich dezue bytreid, dass underschiedlichi Teams und Kulture sich gfunde hend.   

Ich be e chly überrascht gsy, dass ich die letscht Woche i mine Relikt us de Zytigszyyt rasch fündig wurde by. Näb dem erwähnte Brief bin ich uf die 3 Bemerkige gstosse by, won ich im Martin zu syner Verabschiedig i de Personalzytschrift vo de Neue LZ gwidmet ha. Är hed mit emene Wort vom Theolog Hans Küng druuf reagiert: „Herr, verzeihe ihm, dass er derart übertreibt. Aber verzeihe auch mir, dass es mir derart gefällt.“ Ich meine au hütt no, dass ich dozmol nid übertribe heig, und ich ha au hütt no Freud, dass die knappe Ziile im Martin gfalle hend. Am Schluss heds gheisse: „Noch stärker wird er (Martin) jedoch als enorm engagierter, zuweilen kompromissloser, vor allem aber hilfsbereiter und liebenswürdiger Kollege in Erinnerung bleiben.“

Ich füege by: Härzliche Dank, Martin, för das, was Du eus ghää hesch. Und bhüeti Gott!

Hans Moos, Ballwil

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Weitere Stimmen von Berufskollegen über Martin Merki

Alois Hartmann, Vaterland-Chefredaktor 1978-1982, Rothenburg:
«Martin Merki war als Journalist und Redaktor die Leidenschaft in Person. Das war gelegentlich anstrengend, aber immer fruchtbar. Denn M.M. verstand sein „Handwerk“ wie wenige und paarte sie mit neuen Ideen, die die Zeitung bereicherten und ihr neue Leserinnen und Leser zuführten. Ich denke an den „Lagerdraht“, die sechsjährige Serie mit Paul Rosenkranz zum Zweiten Weltkrieg, die Weihnachtsaktion und Anderes. Berühmt wurden seine wöchentlichen „Bemerkungen“, die nicht selten mit spitzer Feder geschrieben waren. Dass er trotz seiner beruflichen Inanspruchnahme noch Zeit für nebenberufliche Interessen (Dampferfreunde!) fand, war nicht zuletzt seiner disziplinierten Arbeitsweise zuzuschreiben.»

René Regenass, Redaktor der LNN von 1964 bis 1994, Luzern:
«Fünf Jahre – von 1968 bis 1973 – wirkten wir zusammen an den “Luzerner Neusten Nachrichten“, Martin Merki im Ressort Stadt Luzern, ich im Ressort Kanton Luzern. Und nachher trafen wir uns noch viele Jahre auf der Pressetribüne im Grossratssaal im Regierungsgebäude. Nur schrieb Martin nicht mehr für die „LNN“, sondern fürs „Vaterland“, für die CVP-Zeitung, die ihm von seiner gesellschaftspolitischen und journalistischen Herkunft her einfach näher stand.

Ich habe Martin Merki geschätzt. Was ihn vor allem auszeichnete, war sein ruhiges Abwägen, bevor er bewertete, beurteilte. Das war im politischen Umfeld so, aber auch bei seiner journalistischen Arbeit. Unsere politischen Meinungen waren  ab und zu kontrovers. Doch sein Einwand, sein Urteil war nie abwertend, schon gar nicht verletzend. Dafür oft von einem leisen Lächeln begleitet, mit dem unausgesprochenen Wunsch, das Ganze noch einmal zu überdenken.

Es gibt für mich – logischerweise - keine treffendere Erinnerung an die gedankliche Grösse und an die menschlichen Qualitäten von Martin Merki, als seine „Bemerkungen“ vom 2. April 1994 in der damaligen "Luzerner Zeitung“. Die „Bemerkungen“ waren über Jahre seine regelmässige Kolumne, in welcher er breit ausholte und kommentierte, weit über das regionale Geschehen hinaus.

Martin Merki schrieb damals, dass „diese Woche der journalistische Kollege einer gewissen Zeitung mit einem knappen Dutzend dürrer Zeilen“ verabschiedet worden sei. Merki meinte mich, der ich damals die „LNN+ nach dreissig Jahren verliess. Und weiter schrieb M.M. „Er hat mich oft zu Widerspruch herausgefordert… Aber er hatte politischen Charakter und publizistisches Profil.“ Und dann weitete Merki den Blickwinkel. „Es steht mir nicht an, seine Zeitung (die „LNN“) für die ausgebliebene Würdigung zu tadeln. Aber weil das ein markantes Zeichen für die schleichende Verwandlung der Medienlandschaft hierzulande darstellt, das weniger Aufsehen erregt als Auflagezahlen oder Fusionen, aber mehr aussagt über die innere Pressefreiheit muss es hier vermerkt werden. „re“ sah keinen Raum mehr für seinen engagierten Journalismus. Diese Zeilen sind ein Fingerzeig auf gesellschaftliche Entwicklungen, die unbemerkt ablaufen, wenn nicht darauf hingewiesen wird.“ 

Man verzeihe mir diese persönliche Rückblende in vergangene Zeiten. Doch sie entspricht dem Wesen von Martin Merki.»

Pirmin Bossart, freischaffender Journalist, Luzern:
«Als ich 1985 beim Vaterland als Journalist zu arbeiten begann, war Martin Merki voll im Saft. Er war auf der Redaktion so etwas wie die politische Eminenz. Das kam besonders gut an den täglichen Sitzungen zum Ausdruck, an der die brisanten Themen nicht wirklich abgesegnet waren, solange sie nicht auch von Martin Merki kommentiert waren.

So heftig er sich für seine wertkonservativen Anliegen und Haltungen ins Zeug legen konnte, so offen und tolerant war er im persönlichen Umgang. Er forderte die Diskussion heraus und er hat sie auch zugelassen. Eine Zeitlang habe ich unter seiner Aegide im Ressort Kanton Luzern gearbeitet. Er hat mich als jungen Journalisten, der das (gesellschafts-)politische Heu nicht immer auf der gleichen Bühne hatte, von Anfang an respektiert und gefördert. Er ging auch schon mal eine Meinung einholen oder gab mir einen Text zum Gegenlesen.

Einige seiner „Bemerkungen“ (Kolumne) konnten einem tüchtig ärgern, aber sie waren immerhin pointiert und zeigten eine Haltung. Er hat klare Worte gesprochen, er hatte eine Überzeugung, und er hat sie vertreten. Heute scheinen sich viele Journalisten nur noch ins Zeug zu legen (für Schlagzeilen?), ohne dass sie immer sehr viel denken, geschweige denn, eine wirkliche Haltung durchgeben.

Martin Merki hat mit Sorgfalt gearbeitet, das Reisserische war ihm suspekt. Er hat die Sachen studiert, in Aktenbergen nachgeschlagen, viel gelesen, nachgefragt. In dieser Akribie war er auch ein Vorbild. Heute gibt es auf den Redaktionen kaum mehr Zeit dafür. Martin Merki war journalistisch alte Schule. Es gibt Zeiten, nach den Zeitungslektüren von heute, da wünschte man sie sich zurück.»

Hans Peter Brugger, heute Texter und Konzepter, in Basel - Vaterland-Redaktor 1978 – 1981:
«Lieber Martin Merki, du bist wie ich auf einem Kleinbauernhof aufgewachsen. Du in der Nähe von Baden, ich im Luzerner Wiggertal, im Einzugsgebiet von Zofingen. Seelenverwandschaft hätte es Goethe wohl genannt, was uns verband. Unsere Arbeit als Kinder hat uns geprägt: grasen, heuen, misten, Getreide ernten, Bohnen ab- und Kartoffeln auflesen, wenn andere in die Badi oder gar ans Meer fuhren.

Ich habe bewundert, wie du deine Felder in der Redaktion und in Gesellschaft, Politik und Kultur des Kantons Luzern bestellt hast. Wie du gehackt, geackert, umgepflügt, Unkraut gejätet, gedüngt, gegossen, Neues angepflanzt, Wertvolles gehegt, gepflegt und mit Wissen, Wortkraft und Akribie zur Blüte gebracht hast und dich nicht entmutigen liessest, wenn es dir mal die Ernte verhagelte.

Nachzulesen in den Beiträgen auf dieser Site. Ich hatte das Glück, fünf Jahre unter, neben und mit dir engagierten und kreativen Journalismus - erst als Absolvent der Ringier Journalistenschule - zu erlernen und dann als Redaktor zu leben. Eine Demokratie, ein Staat lebt von der Auseinandersetzung, von Rede und Widerrede, von der Kontrolle der Mächtigen, von der Förderung des und der Guten und Gemeinnützigen und von der Entlarvung von Lügnern, Schwätzern und Falschspielern.

Dass das Ideal des „Guten“ immer wieder an der Realität und den Menschen scheitert, musste schon Platon schmerzlich erkennen. Der Tyrann Dionysios hatte ihn in Syrakus zuerst gehätschelt und dann wegen seiner kritischen „Bemerkungen“ zum Tode verurteilt. Nur dank der Fürsprache eines Onkels des Dionysios konnte Platon wieder zurück nach Athen segeln, wo er sein Hauptwerk „Politeia“ (deutsch: „Der Staat“) nicht zuletzt unter den Eindrücken der real existierenden Staatsform im Westen Griechenlands verfasste.

Auf Platons Spuren in Sizilien war ich unterwegs, als mich die Nachricht von deinem Tod erreichte, lieber Martin. Zufall oder nicht, ich habe Parallelen zwischen ihm und dir entdeckt. Wäre schön, wenn du und er nun zusammen in einem jenseitigen Dialog das Ideal des Staates weiter spinnen und uns an der Fortsetzung eurer Bemerkungen und Gedanken teilhaben könntet. Melde dich doch mal, ich wäre sicher nicht der Einzige, der sich riesig freuen würde

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Der Lebenslauf von Martin Merki sen. an der Trauerfeier in der Maihofkirche vorgetragen von seinem Sohn Martin Merki jun., FDP-Stadtrat:

De Martin Merki esch am 7. Dezember 1931 als 4. vo 10. Kind uf eme Buurehof in Oberrohrdorf of d Wält cho. Er het e schöni ond behüteti Chendheit erläbt. Eini i sehr eifache Verhältnis: Im Sommer send Chend barfuess id Schuel. Nor zom Gebortstag hets es Ei gä.

Oberrohrdorf esch damals e Gmeind gsi met öberwiegend Chlibuure ond Fabrikarbeiter ond vellne, wo beides gsi send. Höt esches Teil vo de Agglomeration Zöri. Es seig wenig gloffe, het üse Vater öppe verzellt, d Schuel seig eher langwiilig, d Schuelferie send of d Fäldarbet usgrechtet gsi, ond Chend hend vo chli uf müesse mitschaffe i de Kochi, ufem Fäld ond im Stall. Verlockend send anderi Gägende gsi, d Stadt, d Bärge ond de See. Veli schöni Stonde het är döfe i de Jongwacht verbrenge.

1939 be Kriegsaafang esch de Martin Merki 8 gsi. Es het ehn sehr beidrockt, wo Militär is Dorf cho esch ond sech monatelang im Hof iiquartiert het. D Soldate hend im Tenn gschlofe. Das het s Dorfläbe ond s Läbe vo de Chend spannend gmacht. Nie het är ond sini Gschwöschteti verpasst, wie d Ross vo de Soldate gfüetteret ond gstreglet worde send. 

Es Ereignis esch de Bsuech vom General Guisan 1940 gsi. S Auto metem General esch d Bärgstross doruf gfahre, de Martin Merki esch ofem Heiwäg vo de Schuel gsi met andere Chend. Well allgemein so wenig Auto onderwägs gsi send damals, hend Chend d Ärm usgstreckt ond hend s Auto metem General aaghalte. Wo dä en Offizier de Drohfinger zeigt het, hends de Weg frei gä. Erscht nochhär hends erfahre, wer im Auto gsi esch. Wenn üse Vater jetzt zuelost im Hemmel obe, muess er secher au schmonzle.

De Martin Merki hets Kollegi in Friiborg bsuecht, aber met 18 vor de Matura müesse wägere Krankhet abbräche ond es halbs Johr of Davos go kure. Statt es Theologi-Studium, wie das planet gsi wär als älteste Sohn vonere Buurefamilie, het är aaschliessend en kaufmännischi Lehr gmacht  be de Buechdruckerei Bade, wo när au die erschte Johr gschaffet hat.

Vo 1956 bis 1959 esch er in Lozärn am St. Karliquai bem Bondessekretariat vo de Jongwacht gsi, als Bundessekretär vo de Jongwacht. I dere Ziit het er d Helen Deicher könneglert. Os dere Bekanntschaft esch e läbeslangi Verbendig worde. Üsi Eltere hend 1959 ghürote. Sie send vom Paolo Brenni trout worde, wo höt au onder üs esch. Noch de Hürot send sie of Wettige zoge. Det send die drü Söhn gebore:

Christof 1960, Martin 1962 und Lukas 1964. Katharina esch 1968 in Lozärn of d Wält cho.

Vo 1959 bis im März 1968 esch de Martin Merki Redaktor bem Aargauer Volksblatt gsi. Är het aagfange als Sportredaktor, denn aber vor allem als Reporter ond als Lokalredaktor gschaffet. Sis politische Interässi het ehn vo 1966 bis 1968 i damals neu gröndete Iiwohnerrot Wettige för d CVP gfüehrt. Er esch spöter be de CVP vom Kanton Lozärn Mitglied vo de Kommission für staatspolitische ond Grondsatzfroge gsi. Grondsatzfroge hend ehn i jedem Bereich starch interessiert, au im kirchleche. Er esch im Maihof i de Ziit vom Pfarrer Adolf Stadelmann auch Pfarreirot ond Pfarreirotspräsident gsi.

Nochem Omzog im März 1968 noch Lozärn is Elterehuus vo de Helen Merki-Deicher het de Martin Merki be de LNN aagfange. Er het 5 Johr als Stadtredaktor s politische Gschehe im Grossstadtrot ond Stadtrot verfolgt. 1973 het är zom Vaterland gwächslet. Demet het die langi Ziit als Kantonsredaktor – met Onterbröch im Inland- ond Oslandressort – aagfange. Vellne vo ehne esch är als liideschaftleche Journalischt in Erinnerig, wo s politische Gschehe im Kanton Lozärn während Johre verfolgt ond kommentiert het, au Wahlkampffüehrig, publizistischi Wahlkampfhilf für d CVP gmacht het. Sini Polit-Kolumne Bemerkungen am Samschtig im Vaterland, spritzig, fräch, klar, hend niemer chalt glo. Das zeigt sech i sinere Korrespondänz os de 70er- ond 80er-Johr, wo näbe velle zuestemmende au negative Reaktione z ghöre gsi send. Do het ehm e Läseri zom Biispel imene Brief vorgworfe, „dass sie meistens mit Scharfsinn ond Sperberaugen nach Haaren in der Suppe der liberalen Oppositionspartei suchen“. De Kaspar Villiger het ehm 1986 gratuliert, dass er weder osem Grossrot brechtet ond sech of das –Zitat- „nuancierte Gefecht mit der feinen Klinge“ gfreut.

Es wiiters Markezeiche vom Martin Merki send  sini Projekt ond Aktione gsi, wo när publizistisch begleitet het ond wos teilwiis hüt no get. S Rüschtzüüg dezue het er sech als Bondessekretär vo de Jongwacht gholt. Läserbendig esch ehm wechtig gsi. Die regelmässigi Brechterstattig os Sommerlager onderem Name Lagerdroht het är iigfüehrt beim Vaterland ond d Wiehnachtsaktione. Eini vo de erschte esch metem Sepp Riedener zugunschte vo Drogeabhängige gsi.

En Aktion, wo sech öber e Demonstration zor Volksbewegig entwecklet het,esch d Bewegig zor Rettig vo de füüf Vierwaldstättersee-Dampfschiff gsi. De Martin Merki esch Gröndigsmetgled, Gröndigssekretär ond nochem Hermann Heller zwöite Präsident vo 1987 bis 1995 vo de Dampferfrönd gsi. Salonraddampfer als wechtigs Kulturguet net nor z erhalte, sondern deför z sorge, dass sie im tägleche Liniedienscht iigsetzt wärdid, esch ehm es Härzensalegge gsi. Er het die schöne Stonde ofem See met de Dampferfrüünd gnosse. Er esch hüüfig am Sonntig Zobig chorz verschwonde, go Dampfer abhole, wie ner dem Ritual gseit het. Denn esch er of d Allewinde-Wiise ufe henderem Huus ond het glost ond glueget, wenn d Dampfschiff of Lozärn cho send, woner am Ton vo de Dampfpfiife a alli könnt het, zom Bispel de Schiller, wo am halbi Achti vo Flüele oben abe cho esch.  

Üse Vater esch i dene sehr aktive Johr vel am Oobig fort gsi, a Versammlige oder wenn er Abschlussdienst gha het, aber er esch emmer am Mettag hei cho ässe. Är esch e Familiemönsch gsi ond - e Perfektionist. Das hemmer zom Biispel i de Zältferie in Frankriich jede Sommer z gspöre öber cho, wenns drom gange esch de rechtig Hering sofort am rechtige Ort inezschlo ond e perfekte Wasser-Grabe am Zeltrand zmache. D Zelt send i chörzester Ziit uufgstellt ond iigrechtet gsi, üsi Muetter het onderdesse ofem Gas s Znacht gmacht.

Üsi Eltere send es guets Team gsi. Sie hend zom Biispel einigi Läserreise begleitet,  7 x met Läser i de Normandie gsi. Üse Vater het de jewiils de militärhistorischi Füehrer gmacht ond üsi Muetter di kulturhistorischi Füehrige. 

Gärn esch är am Samschtig Nomittag im Garte gsi, het metem Stompe im Muul s steile Bord met de Segesse ond d Strüücher met de Schär gschnette ond am Schloss es Füür gmocht. För üs Chend esch das Füür s Grösste gsi. Mer send am Nomittag im Sädelwald i de Pfadi gsi ond hend det scho es Füür gha ond Schlangebrot gmacht. Ond de nochem Heicho nomol Servelat ofem offne Füür.

Noch de Pensionierig 1996 het de Martin Merki Fröid öbercho a de wachsende Schar Änkelchend. Er het aber au wiitere Aktivitäte entwecklet ond esch wiit öber 70 aktiv gsi, als Journalist, Kommentator, Analytiker und Parteienkenner. Er esch Herusgäber worde vo de Buech-Reihe Luzern anno dazumal im Comenius-Verlag Hitzkirch, e Buech-Reihe met Büecher öber Gschecht vom Kanton inere populäre Fassig. Er het als grosse FCL-Fan es Zytli lang im FCL-Sekretariat metgschaffet ond esch au söscht vel met Chend ond Enkelchend ad Mätsch. Er het es paar Johr de Kompass, Zytig vom Detaillischte-Verband betreut. Er het vo 1997 bis 2002 fast jede Monet e Wanderberecht veröffentlecht onderem Titel Unterwegs mit Martin Merki. Es send liebevolli Miniature öber Landschafte vo üsem schöne Kanton Luzern entstande. Ond er het met de Helen ond met Frönde Reise i Bayerischi Wald ondernoh, e Gägend, wos üse Eltere so aato het, dass sie Dozendi Mol dete gsi send.

Vor es paar Johr het e heimtückeschi Kranket vo ehm Bsetz ergreffe, zerscht langsam ond denn emmer dütlecher. Das esch schmerzlech gsi för alli Beteiligte, grad be ehm, wo emmer so voll im Läbe gsi esch ond teilgno het a dem, was ohm ehn ome vorgange esch. Die letztsche drü Johr het är i de Demenzabteilig vom Betagtezentrum Wäsmeli verbrocht.

Ich danke herzlech üsere Muetter Helen, wo ehn fascht täglech bsuecht het. 

Am Friitigobig, 4. April, esch är fredlech iigschlofe. Si Läbeskreis het sech nocheme riich erfüllte Läbe gschlosse


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/