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Kolumne der Redaktion

28.07.2013

Die Lidowiese in Luzern soll neu Alfred Waldis-Wiese heissen

Alfred Waldis ist nicht mehr. Seine herausragenden Verdienste sind hier gebührend gewürdigt worden. Jetzt geht es darum, einen Platz nach ihm zu benennen. Und zwar einen ganz besonderen Ort.


Wer die Ehre hatte, am Freitag im Verkehrshaus der öffentlichen Gedenkfeier zu Ehren von Alfred Waldis beizuwohnen, weiss es seit dann noch besser als zuvor: die Bewunderung für diese unglaubliche Persönlichkeit geht quer durch alle Bevölkerungsschichten, durch alle Gebiete des öffentlichen Lebens (Kultur, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien), sie ist geradezu grenzenlos.

Wohl hat die Stadt Luzern Alfred Waldis, einem «genialen Kenner von Weltrang» (NZZ), das Ehrenbürgerrecht verliehen – immerhin die höchste Ehre öffentlicher Akzeptanz –, wohl ist Alfred Waldis Träger des Innerschweizer Kulturpreises, wohl hat ihn die Uni St. Gallen mit dem Titel eines Ehrendoktors dekoriert und – auch das ist nicht zu unterschätzen –  wohl trägt er den sehr seltenen Titel eines Ständigen Ehrengastes der Eidgenössischen Technischen Hochschule.

Das sind alles Auszeichnungen von allererstem Rang und Klang und niemand würde es wagen, sie in Frage zu stellen.

Jetzt aber geht es darum dafür zu sorgen, dass der Name Alfred Waldis und seine einzigartige Reputanz weiter währen und in die Zukunft hallen; auf dass auch künftige Generationen wissen, wer er war und warum das Verkehrshaus jenen Stellenwert erreicht hat, der diese Institution heute auszeichnet. Auf dass dieses Verkehrshaus – für Luzern als Wahrzeichen bedeutender als Löwendenkmal, Pilatus und Wasserturm zusammen – auch fortan diesen wohl klingenden Namen als sein Label einsetzen kann, nicht zuletzt, um jene Mittel zu generieren, die für seine Nachhaltigkeit unabdingbar sind.

Titel sind das eine. Zumal, wenn sie fraglos so verdient verliehen worden sind. Doch Verstorbenen droht die Ungnade der baldigen Vergesslichkeit des öffentlichen Gedächtnisses.

Was also ehrt Menschen, die sich um die Öffentlichkeit solchermassen verdient gemacht haben, mehr, als dass eine Strasse oder – besser noch – ein Platz nach ihnen benannt wird, um auch so kundzutun, wiesehr die Nachwelt wissen soll, wem so ausserordentliche Huld erwiesen wird. Auch das allerdings ist nicht immer ganz einfach, denn eine Strasse umzubenennen ist eine äusserst heikle Angelegenheit, zumal damit für ihre AnwohnerInnen enorme administrative Veränderungen mit entsprechender Kostenfolge verbunden wären, um nur einen Nachteil aufzuzeigen. 

Einen Platz umzubenennen ist wohl eher noch schwieriger, weil auch er mit Adressen verbunden ist, die geändert werden müssten, und weil er als Fixpunkt gilt. Hiesse der Kapellplatz – zum Beispiel – fortan Alfred Waldis-Platz so bräuchte es, abgesehen vom voraussehbaren Widerstand dagegen, wohl Jahre, bis er sich im Volksmund eingebürgert hätte. Also ist das keine Lösung.

Allerdings bietet sich mit der Lidoweise eine geradezu idealtypische Variante an. Die Lidowiese liegt an der Lidostrasse und ist keine Adresse. Die Lidowiese liegt zwischen Verkehrshaus und See, unmittelbar also vor dem Lebenswerk dieses bedeutenden Zeitgenossen. Alfred Waldis hat sie immer wieder für publikumswirksame Events instrumentalisiert. Sei es, dass er 1972 in einer spektakulären Aktion auf dem Seeweg eine ausgediente «Coronado» der Swissair mittels der Genietruppen von Alpnach heranschwimmen und ins Verkehrshaus bringen liess; sei es, dass er 1968 den Senkrechtstarker Hawk Harrier durch die Royal Air Force daselbt punktgenau anschweben und absitzen liess. Die Lidowiese ist öffentlich zugänglich, überaus populär und genau das war immer eines der Hauptanliegen des Verstorbenen: die Welt des Wissens, Geschichte und Geschichten rund um den Verkehr in all seinen Formen (Eisenbahn, Schifffahrt, Autos, Luft- und Raumfahrt und was auch immer sonst noch) einem möglichst breiten Publikum, vor allem auch der Jugend, zu vermitteln.

Zu den engsten Freunden des verstorbenen Alfred Waldis gehört der Luzerner Jurist Alois Lustenberger, der zur «Waldis-Gruppe» gehört, einem Club von Berggängern und Wandererern. Nach Signalen aus diesem Club hat sich im Gespräch mit ihm soeben im Kaffeehaus die Idee der Lidowiese herauskristallisiert. Man wusste gleich: Es ist nicht die Frage, ob eine Strasse oder ein Platz nach Alfred Waldis benannt werden soll; es ist bloss die Frage, welche Strasse und welcher Platz es sein soll.

Es liegt nun am Stadtrat von Luzern, Alfred Waldis diese ausserordentliche Ehre zu erweisen; diesem grossen Sohn des Volkes, Diener an der Allgemeinheit und «unstudierten» Mehrfach-Wissenschafter, der es zu höchsten Auszeichnungen gebracht hat; von dem Luzern womöglich noch gar nicht weiss, was er für seine Heimatstadt geleistet hat.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/