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Kolumne der Redaktion

18.06.2013

Luzerner CVP-Regierungspräsident Guido Graf lässt sich vom Tageszeitungsmonopol sponsern

Man glaubt, nicht richtig zu sehen: Die «Neue Luzerner Zeitung» tritt mit ihrem Logo auf einem Flyer auf, der eine zweiwöchige Charmeoffensive von Regierungspräsident Guido Graf quer durch den Kanton Luzern bewirbt.


CVP-Regierungsrat Guido Graf begibt sich auf Wanderschaft. Während zweier Wochen. Na und? 

Freilich tut er dies medial höchst wirkungsvoll orchestriert. So findet sich auf der Website des Kantons Luzern (siehe unter «Links» unten auf dieser Seite) ein Flyer mit detailliertem Programm.

Man lese daselbst: «Regierungspräsident Guido Graf ist im Sommer unterwegs im Kanton Luzern. Unter dem Motto "beim Volk - zuhören" geht er zu Fuss, per Velo, E-Bike, Pferdekutsche, Ruderboot, Kanu etc. durch alle Luzerner Gemeinden. In einigen Orten trifft er sich mit der Bevölkerung, besucht Organisationen, Institutionen und Vereine. Die Sommertour findet in 12 Tagesetappen vom 29. Juli bis zum 10. August 2013 statt.» 

Und weiter heisst es: «Möchten Sie Regierungspräsident Guido Graf auf einer dieser Tagesetappen begleiten? Bewerben Sie sich! Mit etwas Glück werden Sie ausgelost. Sie und eine Begleitperson können sich einen Tag lang Guido Graf anschliessen. Die Etappen sind so geplant, dass sie für möglichst viele Luzernerinnen und Luzerner machbar sind. Regierungspräsident Guido Graf freut sich auf Ihre Anmeldung!»

Muss also Regierungspräsident Guido Graf zuerst zu Fuss, auf dem E-Bike, mit Pferdekutsche, Ruderboot und Kanu den Kanton queren, um zu hören und zu spüren, was die Menschen bewegt? Allein diese Frage wäre eine nähere Betrachtung wert, sollte doch davon ausgegangen werden dürfen, dass RegierungsrätInnen sehr wohl wissen, wie «das Volk tickt». Eigentlich...

Und Grafs Bewegungsdrang wäre auch nicht weiter ein Thema, täte er dies mit weniger medialer Begleitmusik, beispielsweise während seiner Ferien. Ohnehin fragen sich nun Hinz und Kunz, ob er zu wenig zu tun habe, dass er sich zwei Wochen Wanderschaft zeitlich leisten kann. Dass diese PR-Aktion – pardon: diese «Arbeitsreise» – den Kanton rund 15 000 Franken kostet, wie die «Neue LZ» gestern Montag (17. Juni) berichtete (siehe unter«Dateien» weiter unten auf dieser Seite), sei nur nebenbei bemerkt. Interessanter ist der Fakt, dass dies nicht zu reichen scheint, denn auf dem Flyer, den wir mittels www.lu.ch – der Website des Kantons Luzern also – erreichen, erblicken wir das Logo des Sportbekleidungsherstellers Stöckli und der «Neuen LZ». 

Damit allerdings begibt sich Graf auf ein höchst problematisches mediales Parkett. Denn die «NLZ» investiert hier mit Sicherheit nicht, ohne in irgendwelcher Form ihrerseits einen Nutzen abzuschöpfen.

Was bis hier zu lesen ist, gründet auf der Lektüre besagter Links auf der Kantons-Website. Und zu lesen war hier aus selbiger Quelle: «Bewerben Sie sich. Mit etwas Glück werden Sie ausgelost».

Im Kaffeehaus soeben freilich, bei der frühmorgendlichen Zwangslektüre der «Neuen LZ», offenbart sich noch mehr Fragwürdigkeit. «Exklusiv für Leserinnen und Leser der Neuen Luzerner Zeitung» schnaufe, schwitze, schreite, strample und rudere der Magistrat durchs Land der Mitte (siehe unter «Dateien»). 

Man fragt sich, welch eigenartiges politische Gespür, welcher unterentwickelte Sinn für heikle Verquickungen und öffentliche Wahrnehmungen Guido Graf dazu verleitet haben, eine solche Aktion zu starten; quasi öffentlich kundzutun, dass er «beim Volk – zuhören» will und wird, was aber selbstverständlicher Teil seines Alltags sein und damit zum Standardprogramm gehören sollte.

Man fragt sich, wie er auf die Idee kommt, sich als Regierungspräsident mit einer Monopoltageszeitung gemein zu machen die vieles ist, aber sicher kein aussagekräftiges, differenziertes und lebendiges Abbild der politischen Vielfalt und damit Unterschiedlichkeit von Land und Leuten.

Man fragt sich, in welche Abhängigkeit er sich damit begibt.

Man fragt sich, welche persönliche BeraterInnen er hat?

Man fragt sich, welche Funktion die Kommunikationsstelle des Kantons genau hat.

Man fragt sich, was angesichts dieses Vorgang punkto Selbstdarstellung und deren medialer Orchestrierung von der Regierungsrätin und ihren drei anderen Kollegen nun zu erwarten ist.

Man fragt sich, ob seitens der «Neuen LZ» ebenso wenig Sinn für die Problematik solcher Verquickungen vorhanden ist. Ob deren JournalistInnen nicht vielleicht ihrerseits intern dazu ein paar Fragen stellen sollten; vielleicht.

Fragen zuhauf also.

Herbert Fischer, Redakor lu-wahlen.ch - das ganze meinungsspektrum

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PS.: Auf dem Flyer, der auf der Kantons-Website aufgeschaltet ist, ist das Logo der «NLZ» seit anfangs Nachmittag des heutigen Dienstags nicht mehr sichtbar; offenbar hat Guido Graf eingesehen, dass das keine gute Idee war. Jetzt darf man gespant sein, wie das Inserat in der «NLZ» aussehen wird, wenn es das nächste Mal erscheint. Dieser Eintrag erfolgte am 18. Juni 2013 / 15:12h 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/