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Kolumne der Redaktion

19.04.2013

Sechs Religionen unter einem Dach: die Reden, die Bilder (1)

In der Kornschütte im Luzerner Rathaus hat gestern der gemeinsame Aktionstag Sechs Religionen unter einem Dach stattgefunden. In seiner Funktion als Kultur- und Kultusdirektor hielt Regierungsrat Reto Wyss (CVP) eine Rede, die starken Applaus erntete. Er stellt deren Manuskript lu-wahlen.ch zur Verfügung.


Rabbi Chaïm Druckmann von der Jüdischen Gemeinde Chabad.

Bilder: Herbert Fischer

In mehreren Religion ist es üblich, dass Frauen ein Kopftuch tragen und ihr Gesicht nicht fotografieren lassen.

Die Nonne Venerable Miaoshiang vom budd-histischen Zentrums Gelfingen.

Auffällig war, dass das Publikum des Anlas-ses in der Kornschütte so unterschiedlich und vielfältig war wie die Gesellschaft ins-gesamt.

Auch mit einfachen...

... aber verführerischen Leckerbissen und ...

... mit ihren Kultgegenständen stellten sich die sechs Religionen vor.

Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter von verschiedenen Religionen und Konfessionen, meine Damen und Herren

Ich habe in meiner Aufgabe verschiedene Funktionen. Als Regierungsrat bin ich für das Gesamtwohl des Kantons mitverantwortlich. Als Bildungsdirektor für den wichtigsten Rohstoff. Als Kulturdirektor für Kultur als Kitt und Bereicherung unsere Gesellschaft.

Dann ist da noch meine Funktion als Kultusdirektor. Hier darf ich politisch die Ansprechperson für Religion und Kultus sein. Es liegt natürlich auf der Hand, dass ich als Kultusdirektor nicht im gleichen Mass gefordert bin wie als Bildungs- und Kulturdirektor oder als Regierungsrat. Das ist keine Geringschätzung, sondern hat - auch - den Grund in der Trennungsmodalität von Staat und Religionen.

Nun stelle ich fest: Ich bin erst seit Mitte 2011 Regierungsrat. Aber schon zweimal durfte ich an eindrücklichen Veranstaltungen teilnehmen, die von verschiedenen Religionen getragen wurden oder werden. Vor rund einem halben Jahr war dies die interreligiöse Bettagsfeier. Und heute jetzt eben diese Begegnung mit der sympathischen Botschaft «Unter einem Dach».

Wenn es in diesem Takt weitergeht, wird Luzern Modellregion - Modell-Dach - für die Begegnung der Religionen. Das würde eigentlich zu Luzern passen. Ich denke an das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern; seit über 40 Jahren eine Plattform zwischen Christentum und Judentum. Ich denke an den grossen Luzerner Theologen Hans Küng; einen Wegbereiter der Koexistenz der Religionen. Sein Anliegen ist, dass sich Religionen nicht nationalistisch missbrauchen lassen. Sondern: Religionen sollen Brücken bauen – eben, Weltethos! 

Ich denke an den einzigen Schweizer Kardinal Kurt Koch aus Emmen. Er ist Präsident des Päpstlichen Rates der Einheit der Christen, aber darüber hinaus seit seiner Zeit als Professor in Luzern ein Förderer des Dialogs der Weltreligionen. Dann ist Luzern einer der ersten Orte mit einem Islamischen Friedhoffeld oder die Hindus haben die Möglichkeit, nach ihrem Ritus die Asche der Toten über die Reuss zu streuen.

Es gibt vieles, ja sehr vieles in unserem Leben, bei dem weder Gesetze noch Formulare oder Papiere weiter helfen. Sondern es kommt auf die gelebte Realität an. Und das gilt ganz bestimmt im Fall des Verständnisses der Religionen untereinander. Das muss man leben, vorleben mit Respekt und Dialog. In diesem Sinn verstehe ich den heutigen Anlass und kann den Initianten zum gemeinsamen Dach gratulieren. Oder anders gesagt: Grosse Konferenzen sind gut, Begegnungen vor Ort sind besser – und gemeinsame Dächer schützen auch bei Wind und Regen.

Religionen und Staat haben viele gemeinsame Anliegen. Ich sehe vor allem vier Bereiche. 

Etwas Erstes sind Werte. Natürlich weiss ich, dass Religionen und Staat nicht die Exklusivverfügbarkeit auf den Werten haben. Aber wer sonst - wenn nicht Religionen und Staat -  setzt sich für eine Gesellschaft mit Werten ein?

Etwas Zweites, was Religionen und Staat verbindet – ist Gerechtigkeit. Das ist ein Wert. Ein ganz besonderer Wert. Gerechtigkeit ist eine Grundnorm des Zusammenlebens. Diese Grundnorm verstehe ich als eine Maxime des ethischen Handelns, sie kann ganz verschiedene Ausprägungen haben. Der Einsatz für ein gerechtes Gesellschaftssystem betrifft die Gewährung der Menschenrechte weltweit genauso wie die Gestaltung eines fairen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Systems hier in unserem Lebensraum. Ein Einsatz für Gerechtigkeit kann für die Religionen bedeuten, dass sie auf wunde Punkte in unserer Gesellschaft hinweisen, selbst wenn sie dafür nicht immer von allen Applaus erhalten. Der Einsatz für Gerechtigkeit kann die Menschenrechte in China oder Südafrika betreffen. Oder hier in unserem Kontext die soziale Verantwortung für Menschen auf den Schattenseiten des Lebens. Gerechtigkeit ist eine Basis des Sozialstaates. 

Etwas Drittes ist das friedliche Zusammenleben. Es ist nun mal so, dass es verschiedene Menschen, Schichten, und Glaubenshaltungen gibt. Das ist doch gut so – das ist eine Bereicherung. Staat und Religionen ergänzen sich dabei vielfach. Etwa in der aktiven Integrationsarbeit, bei der beide Seiten involviert sind.

Ein Viertes und letztes gemeinsames Interesse ist die Förderung des Zusammenhalts der Gesellschaft. Ich muss Ihnen sagen: Mich als Regierungsrat beschäftigt es tagtäglich – diese Gefahr des Auseinanderdriftens von verschiedenen Interessen und Intentionen. Konkret hat die Regierung ein hohes Interesse, dass der Zusammenhalt zwischen Stadt und Land in diesem Kanton gestärkt wird. Aber eben nicht nur. Es geht hier ganz konkret auch um Tendenzen der Entsolidarisierung unserer Gesellschaft. Es entspricht auch einem Anliegen von Religionen, Brücken und Gegensätze zu überwinden und den Zusammenhalt in einem Lebensraum zu fördern, zu stärken. 

Meine Damen und Herren aus verschiedenen Religionen: Ich habe es erwähnt – die Begegnung unter den Religionen kann man nicht verordnen. Man muss sie leben, spüren, er-leben. Nur dann fühlt man sich unter dem gleichen Dach. Ich bin überzeugt, dass diese Veranstaltung einen Beitrag leistet und wünsche mir in diesem Sinne noch gerne mehrere Einsätze als Kultusdirektor… – möglichst unter einem Dach.

Regierungsrat Reto Wyss (CVP), Rothenburg

Siehe dazu auch weiter unten «In Verbindung stehende Artikel», Eintrag vom 19. April 2013: Sechs Religionen unter einem Dach: die Reden, die Bilder (2)


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/