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Kolumne der Redaktion

12.03.2013

Wenn ein «Luchs» ein «Pit Bull» wird

Der Schriftsteller Peter Beutler hat sich mit «Hohle Gasse» zum überzeugenden Anwalt eines transparenten, juristisch und politisch unanfechtbaren Justiz- und Polizeiwesens im Dienste von Recht und Ordnung gemacht. Sein Mittel: erneut ein spannender, unterhaltsamer und lehrreicher Kriminalroman.


Schon am ersten Tag bei der Kriminalpolizei des Kantons Luzern werden Leutnant Beat Lauber und sein Assistent Ferdinand Minder auf einen brisanten Fall angesetzt. Leser von Beutlers Erstling «Weissenau» kennen die beiden bereits. Ihr neuer Chef Pius Häfiger, der Leiter der Luzerner Kriminalpolizei, tief verstrickt in trübe Machenschaften mancher seiner engsten Mitarbeitenden und deren Hintermänner und -frauen, gehört selber zum Kreis der Verdächtigen, was die beiden Kriminalisten schon bald herausfinden. Und dies trotz Häfligers unzähligen Versuchen, Laubers und Minders Arbeit schlau zu hintertreiben und ihre Ermittlungen trickreich zu durchkreuzen. 

Dabei geraten auch ein halbes Dutzend Menschen in tödliche Gefahr, sei es, weil sie Geheimwissen erpresserisch einsetzten, sei es, weil sie unliebsame Zeugen eines verantwortungslosen und kriminellen Treibens innerhalb der Justiz- und Polizeibehörden waren.

Wie schon in «Weissenau», wo es um einen Mord in der Neonazi-Szene des Berner Oberlandes mit realem Hintergrund ging, liegt auch diesem zweiten, nach einem der Tatorte «Hohle Gasse» betitelten Kriminalroman eine wahre Geschichte zu Grunde, die sich Mitte des letzten Jahrzehnts in der Innerschweiz ereignet hatte. 

Der Fall «Luchs», ein skandalöser Vorfall innerhalb einer geheimen polizeilichen  Spezialeinheit dieser Bezeichnung, um den es hier geht und die im Roman «Pit Bull» heisst , wurde nie ganz aufgeklärt. Die Opfer dieses Beispiels polizeilicher Willkür aus Dummheit, ideologischer Verblendung und Überheblichkeit haben sich bis heute nicht von den Folgen erholt. 

Beutler ist als langjähriger kantonaler Parlamentarier ein guter Kenner des Justiz- und Polizeiwesens von Luzern und im Fall «Luchs» parlamentarisch aktiv geworden. Der Kenntnisreichtum des Autors ist indes sowohl ein Vor- wie ein Nachteil. Der Leser erfährt einerseits viel über das Zusammenspiel von Politik und Justiz im Kanton Luzern, mit andern Kantonen und sogar mit Sicherheitskräften aus Nachbarländern. Andererseits nimmt dieser Kenntnisreichtum dem Krimi zuweilen das erwünschte Tempo und die Dichte der Handlung. Auch der Einbezug der ganzen Palette elektronischer Kommunikationsmittel unterbricht hie und da den Fortgang der so spannenden Handlung. Allerdings spielen Manipulationen von Videoaufnahmen eine Schlüsselrolle in Beutlers Geschichte wie schon im Fall «Luchs».

Etwas irritierend mutet an, dass Kriminalleutnant Lauber, der ohnehin im Mittelpunkt des Geschehens steht, noch ein privates Tagebuch führt, dessen wiedergegebene Stellen jedenfalls weder der Wahrheitsfindung noch der Dramaturgie des Geschehens einen erkennbaren Dienst erweisen. 

Der Autor hat jedoch auch in seinem zweiten Kriminalroman viel für das Verständnis der Arbeit der Polizei getan. Er verdeutlicht, dass Ordnungshüter und ihre hierarchischen, juristischen und politischen Vorgesetzten nicht davor gefeit sind, selber zu Kriminellen zu werden oder den Institutionen und damit der gesamten Gesellschaft Schaden zuzufügen. Politischer Fanatismus, rassistische und andere ideologische Vorurteile führen zu Fehleinschätzungen. Unkontrollierte Handhabung des Gewaltmonopols des Staates zerstört das Vertrauen der Bevölkerung in die Institutionen, wenn solchem Treiben nicht mutig Einhalt geboten wird, wie dies die beiden Hauptpersonen im Roman und ihre Verbündeten tun. 

Der Schriftsteller Peter Beutler hat sich mit einer spannenden Geschichte zum überzeugenden Anwalt eines transparenten, juristisch und politisch unanfechtbaren Justiz- und Polizeiwesens im Dienste von Recht und Ordnung gemacht.

Peter Graf, ehemaliger Journalist und Politikberater, Wabern/Bern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/