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Kolumne der Redaktion

28.10.2012

Kulturpreis 2012 (3): In kritischer Sorge um die Stadt - die Rede von Preisträger Otti Gmür

Otti Gmür hat sich soeben für den Kunst- und Kulturpreis 2012 bedankt. lu-wahlen.ch stellt seine Dankesrede online.


Sabine Stiefel herzt ihren Schwager Otti Gmür.

Bilder: Herbert Fischer

Aufgestellt und wie eh und je überall begehrte Gesprächspartner: Altstadtpräsident Franz Kurzmeyer mit Gattin Annemarie (Mitte).

Fotograf und Filmer Hans Eggermann (links) mit Seppi Ritler, der ein Leben lang aus der Zentralschweiz für den «Blick» berichtete.

Als Ältester der Geehrten möchte ich auch im Namen meiner Mit-Preisträger danken, danken für die Würdigungen von Frau Anic Lautenschlager, Frau Regula Lüscher und Herrn Pirmin Bossart. Ihre Worte bleiben in Erinnerung.

Unser Dank gilt auch Frau Bitterli und Frau Omlin für Ihre Umsicht, sie macht diese Feier unbeschwert. Er gilt auch den Mitgliedern des Stadtrates, den ehemaligen und den heutigen, und allen Steuerzahlern, den redlichen etwas mehr, ebenso jenen, die hier arbeiten und Steuern zahlen, aber noch nicht mitreden dürfen.

Persönlicher Dank geht an Viele. Von dem was gelingt, machen wir nur wenig ganz allein, zumeist brauchen wir Unterstützung, Anregung und Zustimmung. Übrigens, vor dem Steueramt gelten die Preise als Stipendien. Für die Zuversicht einem Achtzigjährigen ein erstes Stipendium zuzusprechen, gehört der Kunstpreis-Kommission ein besonderer Dank. 

Nach freudigem Schreck über die Nachricht kam die Reaktion: da bin ich ja in einer stimmigen Runde. In der kulturellen Vielfalt unserer Zeit kann sich wohl jeder seinen Teil aussuchen. Aber damit ergeben sich noch keine Gemeinsamkeiten. Um solche zu bilden, brauchen wir zunehmend Vermittlung, die im Alltäglichen auf das Besondere hinweist, Unterschiede aufzeigt, uns sensibilisiert und unser Wahrnehmen schärft. Solches Tun verbindet die jungen Radiomacherinnen, den Musiker und mich in meiner kritischen Sorge um die Stadt. 

Ein Stipendium weist über das Jetzt hinaus, aber lebenslanges Lernen ist mir vertraut und wird uns allen zugemutet. In diesem Sinne noch ein Wort zu Kunst und Kultur, genauer zur fehlenden Präsenz von Baukunst und Baukultur im Alltag. Die Stadtverwaltung ist durch Dienstleistungen im Sozialen, der Sicherheit, der Bildung und verschiedenen Kunstbereichen unmittelbar mit je Interessierten oder Betroffenen Bewohnern verbunden. Nicht so die Stadtplanung, die doch dem Geschick der Stadt vorausschauend Gestalt geben soll. Einerseits fehlt, obwohl immer wieder gefordert, ein Stadtmodell, gemeint ist eines über die Museggmauer hinaus! Es würde den Wandel der Stadt im Entstehen räumlich sichtbar machen und liesse dessen Bedeutung besser beurteilen. Andererseits fehlen Mitteilungen, wie in anderen Verwaltungsbereichen üblich, an Interessierte und Teilnehmende, um Stadtplanung zu einem öffentlichen Thema zu machen. 

Nicht Mittelmass wäre damit zu fördern, sondern mehr Verständnis für Vielfalt, Kontraste und Schönheit. Es ist ein kostspieliger Luxus, der Bedeutung des Vorausschauens den angemessenen personellen und finanziellen Aufwand zu verweigern. Die heute auf Einzelobjekte gerichtete Öffentlich-Private Partnerschaft war von je Basis für die Stadt als Ganzes. Der Burgherr brauchte die Bürger und umgekehrt sie ihn. 

Der Erfolg einer Stadt beruht ebenso auf ihrem Gesamtbild wie auf einzelnen Ereignissen. Stadtplanung ist ein umfassender und doch nie ganz fassbarer Prozess. Sie soll dem Wandel in Natur und Kultur, Altem und Neuem, Kommen und Gehen eine Ordnung vorzeigen, dem turbulenten Leben einen räumlichen und zeitlichen Rahmen geben, um uns das Zusammenleben in der Dichte zu erleichtern. Gelungenes Zusammenfügen schafft einen Mehrwert an Glück, an bonheur, an guten Stunden, die nicht untergehen dürfen in der rushhour. Stadtplanung geht über alles Kalkulieren hinaus, sie führt eine aus langer Zeit herkommende Erzählung weiter in die Zukunft, um diese uns und unserer Stadt geneigt zumachen.

Nun aber zurück zum Dank und zur Freude über die Anerkennungen und Ihr dabei Sein, das diesen Anlass zur Feier macht. 

Otti Gmür, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/