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Kolumne der Redaktion

28.10.2012

Kulturpreis 2012 (4): Laudatorin Anic Lautenschlager über Radio 3fach

Am Sonntag ist im Luzerner Theater Radio 3fach - wie auch Musiker Christoph Erb - mit dem Anerkennungspreis 2012 ausgezeichnet worden. Laudatorin war die heutige DRS3-Moderatorin Anic Lautenschlager, die vor zehn Jahren bei Radio 3fach debüttiert hatte. Hier ihr Manuskript.


Hier folgen Bildlegenden.

Bilder: Herbert Fischer

En Laudatio schriibe für das Radio, wo alles agfange het
Dasch chli wienen Liebeserklärig an erschte Fründ

Ganz egal was nacher chunnt, und wer mer schlussendlich hüratet
De erscht wird irgendwie immer speziell in Erinnerig bliibe

Mer hettem vellecht bim Knutsche d’Zunge mal chli zwiit in Hals gsteckt
mer macht ganz vieles verchehrt, welmers eifach nonig besser weiss...

aber mer lernt drus und nimmt vieles mit.

Und so esches bi mir und em 3fach.

Es git ei grossi goldigi Radioregle, woni i de letsche 10 Jahr vo verschiedenschte Lüüt immer wieder ghört han.

Die Regle luutet: 
Zersch d’Regle lerne. Und denn lerne d’Regle z’breche. 

Bim Radio 3FACH funktioniert das irgendwie andersch ume. 

Dete bricht mer zersch emal sämtlichi Regle.

Das esch als würd mer en Fahrschüeler no vorem Nothelfer und de Theorieprüefig direkt anen Ralley schicke. 

ABER: Ganz ehrlich: Ich glaub, es git kein schönere Istiig is Radiomache. 

Bi mir het alles scho recht chaotisch agfange. 

Nach de Matura. Dasch jetzt gueti 10 Jahr her:

S’Agebot: zweimal i de Woche 3wach mache. D’Morgesendig uf 3FACH. 

Ich  - damals diheime im wunderschöne Luzerner Seetal - han zuegseit, obwohl ich ganz genau gwüsst han, dass ich kei Ahnig han wien ich zweimal i de Woche uf di 5i am Morge sell uf Luzern cho.

Aber mer esch ja jung und flexibel. Mer het älteri Kollege wo scho i de Stadt wohned, findet Asyl i WGs und merkt denn, dass s’Sofa im Radiostudio zwar echli versifft usgseht, aber eigentich ganz bequem und funktional esch. 

Und so esch s’3FACH für mich au immer meh es Diheime worde. D’Mensche dete en Familie. Ich sozäge Inventar. 

Und nah dis nah wird us dem Meitli wo mal „irgendöppis mit Medie“ het welle mache, es Meitli mit ere wahnsinnige Begeisterig für eis ganz bestimmts Medium. S’Radio. 

Und bim 3FACH gaht das ja relativ rasant. Mer muess ja au ned viel wüsse... dasch s’Mikrofon, da sind d’Chnöpf... denn bruchemer no en Telefoncharte womer zumene Badge ummodlet, morn morge hesch di erschti Sendig, viel Spass!

Und denn luegt mer bi dene wo scho länger debi sind ab, lernt jede Tag echli meh, bechunnt immer wieder Tipps wie: Aso wennt während de Sendig wottsch go rauche, spielsch eifach en lange Song.

Aber: s’3fach wär ned s’3fach wemmer nur würd lerne Radio mache. Bim 3FACH – lernt mer im Notfall au wiemer  - die wo’s erlebt hend wüssed vo was ich rede - en Centaury rebootet, wiemer es Nachtfahrverbot füren riisige Bühnelastwage chan umgah,  wie lang dasses duret bis d’Schüür bäserein esch, wiemer bi Stiftige Geld itriibt, warum mer uf Teppichbode kei Hahnekämpf sett usträge, wie das mer Gabelstapler fahrt und wie mer im Notfall wieder is Radiostudio inechunnt wemmer sich mal ohni Bagde uspschlose het, am beste natürlich im T-shirt am morge am 5i, wenn’s schneit. 

Pädagoge würdet wahrschiinlich säge... mer lernt spielerisch und allumfassend schaffe. Mer lernt für Problem eigeständig lösige z’finde... 

Ich säg: mer chan au mit ere Kartonröhre sehr elegant Sound-effekt erzüüge, wenn’s ned andersch gaht... 

Das tönt jetzt vellecht abglutscht... aber s’3FACH esch echli en Lebensschuel. Und d’Lüüt wo im 3FACH engagiert gsi sind oders immer no sind, sind irgendwie chli anderi Schaffer. 

Wel: wägem Geld machts niemert... 15 Franke für jedi moderierte Stund – ohni Vorbereitig. Das macht ned emal de gröschti Sparfuchs riich. Vo de viele Stunde womer uf de Lidowiese chrampft zum es Open Air uf d’Bei stelle, oder s’Studio wieder mal neu striicht,, vo dene redemer jetzt gar ned. 

Bim 3FACH lernt mer was Herzbluet esch. Was unter anderem dezue gfüehrt het, dass ich bi mine erschte Lohnverhandlige bim Schwiizer Radio DRS total verseit han... aber das esch es anders Thema. 

3fächler sind Schaffer, Büezer, Apacker. Mitdenker. Begeistereti. Und ganz oft au die wo au im spötere Bruefslebe gern en Zagge meh leistet und es bitzeli querer denked als anderi. 

Es sind die Mensche wo wüssed, dass es immer au mit weniger gaht, wo en Idee ned grad abtüend mit: äh, choschte z’viel. Unrealistisch. 

Und die Mensche wo, wenn sie s’erschte mal s’Papeterie-Rüümli vom Schwiizer Radio DRS gsend fascht hinde usegheiet... han ich freud gha, dassmer dete jederziit chan gratis go Chugelschriiber und Lüüchtstift hole...

A dere Stell es grosses äxgüse a d’Andrea Fehr – ehemaligi Programmleiterin vom 3FACH, ich han dir amigs Mäppli klaut.

Also: Ohni s’3FACH wär ich hüt wahrschiinlich Schuehverchäuferin. Ohni s’3FACH würdet ganz vieli wichtigi Mensche i mim Läbe fähle. Und ohni s’3FACH hätti d’Schwiizer Radiolandschaft ziemli sicher es Nachwuchsproblem. 

Und zum nomal uf de Verglich zruggcho... mit em erschte Fründ. Es git moment, da sitz ich im DRS 3 Studio... gang uf 3fach.ch gseh die viele, mir mittlerwiile fascht all unbekannte junge Gsichter... - merke wie alt dassi scho bi – stelle mir vor wie die jetzt d’Zunge z’wiit in Hals stecked... und bin füren churze Moment ganz schön iifersüchtig... 

Anic Lautenschlager, Zürich






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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/