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Kolumne der Redaktion

11.10.2012

Der Abschied von PAM (3): Fridolin Schwitter über den kritischen Beobachter, brillanten Schreiber und begnadeten Fotografen Peter A. Meyer (mit Bildern)

Am Donnerstag (11. Oktober 2012) haben in der Luzerner Hofkirche etwa 200 Personen von Peter A. Meyer («PAM») Abschied genommen. Neben Spenglermeister Ernst Lutz (Emmen) sprach auch Fridolin Schwitter (Brig) über PAM, der sowohl bezüglich der Themen, die er bearbeitete, wie auch bezüglich der berufshandwerklichen Disziplinen ein ausgesprochener Generalist war; vorab ein unwahrscheinliches Lexikon, ein präziser Beobachter der Gesellschaft, ein exzellenter Formulierer und ein ausgewiesener Meister der Fotografie. Hier folgt der Text der Rede von Bruder Fridolin.


Fridolin Schwitter amtete früher als Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern. Heute lebt und arbeitet er im Kapuzinerorden in Brig. Er kannte Peter A. Meyer seit vielen Jahren und hielt über sein Leben und Wirken eine gehaltvolle Rede.

Bilder: Herbert Fischer

Wie PAM ein präziser Beobachter der Gesellschaft, ihrer Irrungen und Wirrungen: Publizist Werner Fritschi.

Katharina Studer leitet zusammen mit ...

... mit Urs Häner den «Sentitreff», dessen multikulturelle Qualitäten und Leistungen PAM stets mit grosser Sympathie begleitete und unterstützte.

Der Fasnachtsexperte Silvio Panizza.

Hans Pfister, Präsident der «Güggaali-Zunft» und eine der bekanntesten und populärsten Persönlichkeiten in der Stadt Luzern, eilt nach der Trauerfeier in der Hofkirche bereits zum nächsten Termin.

Liebe Trauergemeinde

Wir sind heute gemeinsam versammelt um Abschied zu nehmen von Peter. Ein passendes Bibelzitat für einen engagierten Journalisten finde ich im Alten Testament aus dem Buch Hiob: «Merkt euch meine Worte, schreibt sie auf, ritzt sie in Blei oder meisselt sie in Fels: Ich weiss, dass mein Erlöser lebt, und wo nur Staub bleibt, erhebt er sich und ich mit ihm.»

Uns allen ist Peter in irgendeiner Form nahe gestanden. Wollen wir in diesem für uns alle schwierigen Moment des Abschieds der Frage nachgehen, was hat Peter in seinem Leben für uns bedeutet? Was war an ihm einzigartig? Und was nehmen wir für uns selber, in unserem «heute und jetzt» daraus mit?

Peter war engagiert, er war vernetzt, er dachte pragmatisch und handelte auch so. Er war unabhängig, stand am Puls des Lebens und hat sich mit diesem Lebenspuls immer identifiziert. Das sind Eigenschaften, welche mir für Peter als Journalist und kritischer Beobachter der Öffentlichkeit spontan einfallen.  Dadurch war er nicht nur ein interessanter, sondern auch wertvoller Gesprächspartner. Beruflich und menschlich. Mir geht es so. Vielleicht ist das bei Ihnen ähnlich?

Peter kannte keine Berührungsängste. In seinem Beruf stand er mit öffentlich bekannten Persönlichkeiten, aber auch mit Menschen «wie du und ich» in Kontakt. Er stand für den Dialog mit Menschen, welche nicht auf der «Sonnenseite» des Lebens stehen. Er recherchierte über diese Menschen, er schrieb Geschichten und Berichte und legte ihre Nöte und Befindlichkeiten dar. Diesen Menschen hat er eine Stimme und ein Sprachrohr gegeben. 

Das hat ihn oft, insbesondere bei den «Herrschenden», nicht immer nur beliebt gemacht. Aber er interpretierte seinen Beruf als gesellschaftliche Aufgabe und Bestandteil seines Lebens: «Sachverhalte auf den Punkt zu bringen und klar und verständlich darzulegen!»

 Das war seine Passion. Nie hatte ich den Eindruck, dass er dies aus einer Motivation «von Sensation, persönlicher Verletzung oder Steigerung der Auflagezahlen seines Mediums» machte. Für ihn stand die gesellschaftliche Sache und die Verbundenheit und Identifikation zu ihr im Vordergrund. In einer zunehmend strukturierten, normierten und uniformierten Gesellschaft ist das wertvoll und wichtig. 

In seiner Art war Peter auch unkonventionell. Sein agieren, sein «Sein» und seine Art haben nicht immer alle verstanden. Peter war ein Querdenker. Dieses Querdenken nutzte er auch in zahlreichen gesellschaftlichen Engagements. Er war Gründer und Präsident des Quartiervereins «Wächter am Gütsch», er war lange Jahre Vorstandsmitglied im «Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee» und engagierte sich auch aus seiner liberalen Lebenseinstellung begründet, bei der FDP der Stadt Luzern. Allein diese nicht vollständige Aufzählung seiner Ämter und Funktionen zeigen: «Er dachte gesellschaftübergreifend und handelte vielseitig.» Diese Vielseitigkeit, verbunden mit seiner Brillanz als Schreiber und seiner Gnade als hervorragender Bildfotograf machten ihn einmalig und erfolgreich.  

Peter hatte auch eine private Seite. Gestehen muss ich, dass ich lange über diese private Seite nicht viel Konkretes wusste. Erst mit meinem eigenen Weggang aus Luzern vor vier Jahren haben wir uns oft gemeinsam über die franziskanische Spiritualität unterhalten. Peter war ein religiöser und spiritueller Mensch- Obwohl man ihm dies, von aussen gesehen, gar nicht zugetraut hätte. Das machte ihn zumindest bei mir glaubhaft. Er verfügte über ein enormes Fachwissen des «Heiligen Franziskus von Assisi» und unseren Orden.

Mehrmals hat er mir versichert, dass er eigentlich selber auch gerne Kapuziner geworden wäre. Aber das ging nicht, denn Peter hatte sich für uns alle überraschend mit einer «ehemaligen Liebe» vor wenigen Jahren spontan verheiratet und lebte mit Gian, dem Sohn seiner Gattin, seither an der Zürichstrasse. Dort zelebrierte Peter seine genussvolle Seite. Er liebte die lombardische Küche, den Wein aus dem Veneto und die Städte Venedig und Bologna. Dort, in Italien, suchte er regelmässig mit seiner Gattin Erholung und Inspiration. Er schwärmte von dieser Zeit und bewunderte die italienische Lebensweise. Auch an der Basler Fasnacht fehlte Peter nie. Er hatte dort – wie in Luzern - einen Bezug zu vielen Menschen.

Zum privaten zähle ich auch seine vielbeachteten Publikationen und Fotografien über die Landschaft des Vierwaldstättersees. Seine vielen Pflanzen am Arbeitsort an der Baselstrasse und eine starke Liebe und Beziehung zu Tieren, vor allem Katzen. Diese Identifikation und Interesse an der Schöpfung, am Menschen, an den Tieren und Pflanzen passten zu seiner religiösen Ausrichtung und der bereits erwähnten Identifikation mit der franziskanischen Spiritualität.

Was nehmen wir davon mit, wenn wir uns an Peter erinnern?

Die Erinnerungen sind bei jedem unterschiedlich. Für mich selber: Die Gabe des brillanten Berichterstatters, verbunden mit seinem vernetztes Denken, dem pragmatischen Handeln und seiner liebevollen Art.

Der heutige Schmerz des Abschieds wird durch diese Erinnerung an einen uns liebgewordenen Menschen mit der Zeit in den Hintergrund gehen. Allen wünsche ich – mit einer Passage aus dem Johannesevangelium – eine gute Erinnerung an Peter. 

«Ihr seid jetzt traurig, aber ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz sich freuen, und eure Freude wird euch niemand nehmen» (Johannes 16/22).

Amen.

Bruder Fridolin Schwitter, Kapuzinerkloster Brig


Luzern / Brig, 7. Oktober 2012


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/