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Kolumne der Redaktion

04.10.2012

Volkshaus-Verkauf: Jetzt redet Präsident Pardini

Giorgio Pardini, SP-Kantonsrat und Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbundes (LGB), erklärt auf lu-wahlen.ch, wie schlimm es um das Luzerner Volkshaus wirklich steht und warum es verkauft werden muss. Er ist seit 2008 im Vorstand und seit 2009 Präsident der Volkshausgenossenschaft (VHG), Besitzerin des Hotels Anker am Luzerner Pilatusplatz.


Giorgio Pardini: Vor zwei Jahren protestierte der Präsident des Gewerkschaftsbundes vor der GV der UD Print, die wegen Misswirt-schaft durch SP- und Gewerkschaftsleute an den Rand des Ruins gekarrt worden ist. Jetzt muss er als Präsident der Volkshaus-genossenschaft (VHG) ausbaden, was seine VorgängerInnen in Präsidium und Vorstand der VHG (ebenfalls SP- und Gewerkschafts-leute) «zustande gebracht» haben: Nämlich das Ende des Volkshauses. Das Bitterste an diesen beiden Dramen: Sowohl die UD Print wie auch das Volkshaus sind aus der Arbei-terbewegung hervorgegangen.

Bild: Herbert Fischer

Warum sind Sie überhaupt in der Volkshausgenossenschaft eingestiegen? 

Ich habe mich vor drei Jahren aus folgenden Gründen zur Verfügung gestellt, das Präsidium der Volkshausgenossenschaft (VHG) zu übernehmen:  
. Als ich 2008 (also ein Jahr zuvor) in den Vorstand der VHG gewählt worden war musste ich bald feststellen, dass die Genossenschaft ein gravierendes Liquiditätsproblem hat. Es zeigte sich, dass ein grosser Investitionsbedarf vorhanden ist: nämlich mindestens sieben Millionen Franken, wie eine Bausubstanz-Analyse bestätigte. 
. Feststellen musste ich weiter, dass das Genossenschaftskapital von rund einer halben Million Franken nicht abgesichert ist. Offenbar vertraute man im VHG-Vorstand lange Zeit darauf, dass der fiktive Buchwert der Liegenschaft genügend Sicherheiten bot, was jedoch keineswegs zutrifft. 
. In den letzten Jahrzehnten wurde es schlichtweg versäumt, Rückstellungen zu bilden und damit den Investitions- und Erneuerungsfonds mit mindestens vier Prozent pro Jahr der Einnahmen (Pachtzins) zu äufnen.

 

Und doch haben Sie nachher das Präsidium der VHG übernommen?
Angesichts dieser bitteren Erkenntnisse, habe ich mit Blick auf die ordentliche VHG-GV 2009 meine Wahl zum VHG-Präsidenten an drei Bedingungen geknüpft: 
1.: Das Genossenschaftskapital muss abgesichert werden. 
2.: Suche nach einem Investor, der mindestens eine Million Franken aufwendet, damit wir von der Bank eine erste Tranche von 500 000 Franken erhalten hätten, um allerwichtigste Investitionen zu tätigen.  
3.: Möglicherweise müssten auch unpopuläre und sehr schmerzliche Entscheidungen gefällt werden, schlimmstenfalls bis hin zu einem Verkauf des Hauses; eben: um das Genossenschaftskapital zu sichern. 
Seither konnte das Liquiditätsproblem entschärft werden, indem wir von der ABL (Allgemeine Baugenossenschaft Luzern) ein Darlehen erhielten und indem wir mit der Bank eine neue Hypothekarvereinbarung abschliessen konnten, welche den Hyposatz von 4,5 auf 2,25 Prozent senkte. Zuvor hatte ich eingeleitet, dass sämtliche Wertpapiere aus dem Besitz der VHG verkauft werden. Es durfte ja nicht sein, dass wir nicht liquid sind, zugleich aber Wertpapiere horten. 

 

Wird das Haus per Beschluss der ausserordentlichen GV vom 22. Oktober tatsächlich verkauft, verlässt die Luzerner Arbeiterbewegung ihr 99-jähriges «Mutterhaus», entwurzelt sich gewissermassen. Warum also ein Verkauf, der doch ein schmerzlicher Schritt ist? 
Wir haben insgesamt zehn Projekte rechnen und prüfen lassen.  
Auf der Suche nach einem potenziellen Investor, beziehungsweise einem potenziellen Pächter konnte keine nachhaltige Finanzierung mit entsprechender Bankgarantie nachgewiesen werden – ausser durch die Remimag.  
Darum habe ich bereits an der ordentlichen GV 2012 der VHG klar gemacht, dass auch ein Verkauf des Hauses nicht mehr auszuschliessen sei, um das Genossenschaftskapital abzusichern. Es ist mir persönlich ein sehr grosses Anliegen genau dies zu erreichen, damit nicht Genossenschafterinnen ihr hart erspartes Geld verlieren, das sie der VHG nach Treu und Glauben anvertraut haben.

 

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch

 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/