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Kolumne der Redaktion

02.10.2012

Zwischenruf (23): Wird das Volkshaus verkauft, entwurzelt sich Luzerns Linke

Noch wissen wir nicht, was mit dem «Anker» genau geplant ist. Klar ist erst, dass er an die Gastrokette Remimag AG verkauft werden soll. Wohl eher: werden muss. Denn offensichtlich fehlen die Mittel für dringende Investitionen. Allerdings ist es bereits jetzt Zeit für eine grundsätzliche Betrachtung zum Thema politische Wurzeln, Identität und Heimat. Genau das nämlich war und ist das Luzerner Volkshaus für ganze Generationen von SozialdemokratInnen, Gewerkschaftsmitgliedern und für die einst solze Arbeiterkultur- und -sportbewegung.


Wenn Erlebnisse Erfüllung bieten, haften sie im Hirn, nisten sie sich im Herzen ein. Mitunter ein Leben lang. Vor allem, wenn sie einst gemeinsame Erkenntnisse, vereinten Mut und tatkräftige Zuversicht vermittelt, womöglich gar persönliche Beziehungen begründet haben. Sind sie mit einem bestimmten Ort verbunden, schafft dies Identifikation. Das ist gut so.

Die Aktivdienstgeneration beispielsweise hängt am Rütli. Noch immer. Obschon die Geschichtsforschung den Mythos General Guisan mitsamt Rütlirapport längst entzaubert hat. Oder: Als sich die Baggerzähne ins alte FCL-Stadion frassen, kullerte manche Träne. Und wie trauern erst ganze Gemeinden, wenn ihre Dorfbeiz, über Jahrhunderte weg Drehscheibe des sozialen Lebens, in Schutt und Asche endet? Erinnern wir uns nur an den Abbruch der «Schmiede» am Luzerner Pilatusplatz, einen Steinwurf bloss vom «Volkshaus» oder eben dem «Anker» entfernt.

Wenn sich Emotionen auf eine Einrichtung wie das Luzerner «Volkshaus» - den heutigen «Anker» - beziehen, ist das zunächst ein Kompliment. Allerdings auch ein Grund für Ängste, dass für immer verschwindet, was weiland vereint und verbunden hat. Nur verständlich ist es deshalb, dass nun aus SP- und Gewerkschaftskreisen der Ruf erschallen wird, «nie und nimmer» dürfe der «Anker» veräussert werden. Diesen Leuten erscheint es als moralische Verpflichtung, auch künftig hochzuhalten, was Werte und Werke geschaffen und gestärkt hat. Und was so lang währte.

Das allein aber bietet noch keine Grundlage für eine nachhaltige Zukunft. Warten wir deshalb ab, welches die genauen Pläne sind. Es ist schlichtweg undenkbar, dass der «Anker» einfach verkauft wird, ohne dass damit irgendwelche Gegenleistungen seitens des Käufers über den Kaufpreis hinaus ausgedealt worden sind; beispielsweise spezielle Nutzungsrechte für die SP und die Gewerkschaften bezüglich der Säle. Spätestens am 22. Oktober, dem Termin der ausserordentlichen GV der Genossenschaft Volkshaus, wissen wir es. 

Wenn Sachzwänge mit Emotionen konkurrenzieren, sind neben strategischen und somit kommerziellen Überlegungen auch Augenmass und Fingerspitzengefühl erforderlich. Von allen, denen die Geschichte dieses Hauses ebenso am Herzen liegt wie seine Zukunft. 

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch


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Edwin Beeler aus Luzern

Dienstag, 02.10.2012, 19:13 · Mail  Website

Eine Gastrokette soll den Anker kaufen. Verkaufen will ihn eine Genossenschaft. Ich weiss nicht, welche Ziele und welchen Zweck diese Gastrokette hat.

Aber Kette klingt nach Anonymität, nach anonymer Gesellschaft, mit Hauptsitz im Globalen, nach unerreichbar anonym, fern und bezugslos zum Nahen; klingt nach «agierenden Managern», die ihre Einzelfilialen nicht aus eigener Anschauung kennen, geschweige denn, dass sie mit ihnen irgendwie historisch-kulturell verbunden sind.

Kette klingt nach Konzern, nach MacDonalds-Kette, nach Starbucks-Kette, nach Profit- und Gewinnmaximierung zugunsten anonymer Investoren.

Kette klingt nach Markt. Freiem Markt. Marktkraft. Marktmacht. Da haben einige kleine Würstchen, deren Arbeiter-Kultur-Geschichte noch so rührend und identitätsstiftend sein mag, nichts auszurichten.

Ein weiteres Glied in der Kette: Anker, Schmitte, Barbatti, Stiefel, Widder.... es gibt nur noch Marktteilnehmer.

Vielleicht kommt es anders? Vielleicht handelt es sich um eine andere «Kette» als üblich? Hoffen wir es.

Edwin Beeler, Luzern

 
 
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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/