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Kolumne der Redaktion

29.07.2012

Hans Fahrländers «1. August-Rede auf 69 Zeilen» im «Sonntag»

HEIMAT-DEBATTE (12) - Im heutigen «Sonntag» (29. Juli 2012) ist ein bemerkenswerter Kommentar von Hans Fahrländer zu lesen.


© Der Sonntag / MLZ; 29.07.2012; Seite 15

Eine Rede zum 1. August auf 69 Zeilen

Hans Fahrländer

Liebe Schweizerinnen und Schweizer! Heute hat es nichts Anrüchiges mehr, Eidgenosse zu sein. Rechte sind es sowieso gern, Linke aber auch. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten (Nachkriegswehen, 68er-Aufbruch), da schämten sich vor allem linke Intellektuelle ihrer Herkunft. Der alte Fritz Dürrenmatt prophezeite sogar, die Schweiz werde sich auflösen wie ein Zuckerwürfel im Teewasser. Heute wünschen sich nur noch wenige diese Auflösung. Trotz nicht makelloser Vergangenheit ist die Schweiz eine ziemliche Erfolgsgeschichte. Dank Glück und Können.

Weil es uns so gut geht, möchten auch andere hier leben. Die Migration verlief schon immer entlang des Wohlstandsgefälles. Natürlich steht es uns, wie jedem anderen Land, zu, die Regeln zu bestimmen, unter denen Ausländerinnen und Ausländer hier leben können. Aber die Migration ist eine Tatsache, es wird gereist, gezügelt, geflüchtet, emigriert und immigriert, die Welt ist zusammengerückt, viele Unternehmen agieren international – wir können nicht mehr einfach die Fensterläden schliessen, die Regeln des Zusammenlebens auf dem Planeten haben sich unwiderruflich verändert. Peter von Matt weist in seinem jüngsten Buch «Das Kalb vor der Gotthardpost» nach, wie falsch es ist, Neutralität mit Isolation zu verwechseln. Neutralität bedeutet nicht abseitsstehen, schliesst Teilnahme am europäischen und globalen Gestaltungsprozess nicht aus.

Das heisst aber nicht, dass es egal sei, ob wir Schweizer sind oder nicht – im Gegenteil. Wir sollen Schweizer sein, Schweizer Art leben, Schweizer Tugenden fördern. Selbstbewusst, aber nicht ausgrenzend gegenüber anderen. Das Nationale (nicht das Nationalistische) ist eine gute Kraft, es lebt auch im übrigen Europa weiter. Auch in der Union bleiben Franzosen Franzosen und Holländer Holländer.

Es ist nicht wichtig, ob der Rütlischwur am 1. August stattgefunden hat, ob er überhaupt stattgefunden hat. Wichtig ist, dass wir uns wenigstens einmal im Jahr an jene erinnern, die über Jahrhunderte an diesem Land gearbeitet und es ermöglicht haben, dass es uns hier und heute gut geht. Ich wünsche allen eine schöne Bundesfeier.

hans.fahrlaender@azmedien.ch


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/