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Kolumne der Redaktion

19.04.2012

Zwischenruf (15): Hände weg von den wenigen Parks, Hände weg vom See

Auf Teufel komm raus mediale Präsenz erreichen: So funktionieren heutzutage PolitikerInnen. Nicht alle, aber genug viele. Ist dieses Ziel erst mal fixiert, schwächelt mitunter der Verstand. Ob von selbst, möglicherweise geblendet von der freudigen Erwartung einer tollen Schlagzeile, oder weil aus anderen Gründen gar nicht hinterfragt wird, was da dem Rest der Welt subito kundgetan werden muss, bleibe hier mal dahingestellt.


Max Bühler ist einer der beiden Spitzenkandidaten der JUSO für den Grossen Stadtrat; den Vorschlag, den Inselipark zu überbauen, hätte er wohl besser nicht gemacht. Dennoch könnten die JungsozialistInnen am 6. Mai den Jungen Grünen einen Sitz im Stadtparlament wegnehmen (im Bild unten rechts: die um ihren Sitz zitternde Grossstadträtin Stefanie Wyss). Die weiteren Bilder zeigen, wie vielfältig der stimmungsvolle Inselipark direkt am See genutzt wird.<br><br>Bilder: Herbert Fischer

Max Bühler ist einer der beiden Spitzen-kandidaten der JUSO für den Grossen Stadtrat; den Vorschlag, den Inselipark zu überbauen, hätte er wohl besser nicht gemacht. Dennoch könnten die JungsozialistInnen am 6. Mai den Jungen Grünen einen Sitz im Stadtparlament wegnehmen. Die weiteren Bilder zeigen, wie vielfältig der stimmungsvolle Inselipark direkt am See genutzt wird.

Bilder: Herbert Fischer

Geschehen ist Folgendes: Die Stadt Luzern hat unlängst die «Kulturagenda 2020» präsentiert, zu der sich nun äussern kann, wer will. So auch die hyperaktiven JungsozialistInnen, für die im Grossen Stadtrat Nina Laky einen der 48 Sitze belegt. Die Grossstadträtin kandidiert allerdings nicht mehr, weshalb sich die JUSO entschlossen haben, zwei Ihrer Aktivisten als «Spitzenkandidaten» zu positionieren: erstens den Studenten Max Bühler, übrigens ein Enkel des früheren FDP-Regierungsrates und -Ständerats Robert Bühler; und zweitens Adelino De Sa, Montage-Elektriker und Elektroinstallateur EFZ, der zurzeit im Blindenheim Horw engagiert und hell begeistert Zivildienst leistet. Letzterer kandidiert zudem als Stadtrat, wofür seine Wahlchancen gleich null sind. Allerdings baut er dadurch einen Bekanntheitsgrad auf, der handkehrum seine Wahlchancen als Grossstadtrat markant erhöht. 

Die JUSO befeuern ihre Themen (vor allem die Wohnungsnot und die nach ihrer Meinung «fehlenden Freiräume für die nicht etablierte Kultur») geschickt und nachhaltig und sie verstehen es ebenso, ihre Zielgruppen wohldosiert mit Charme zu umgarnen. Zudem distanzieren sie sich in jenen Fragen, wo ihnen die Nähe zur SP schadet, dezent, aber unmissverständlich von ihr, was ihnen in ihren potenziellen Elektoraten Akzeptanz bringt. Vulgärmarxistische Klassenkampfrhetorik vermeiden sie zwar, verstehen es aber, auch die ganz linke Szene anzusprechen, die im Raum Luzern keine eigene politische Heimat, sprich Gruppierung mit eigenem Label mehr hat, den Juso aber immerhin Stimmen bringt. Auch wenn dies vielleicht «nur» 100 Listen sind: Zur Verteidigung des bisherigen Mandats sind sie hochwillkommen, wenn sie nicht gar zu einem Sitzgewinn beitragen. Ein zusätzliches JUSO-Mandat liegt nämlich absolut drin, zumal Grossstadträtin Stefanie Wyss um ihren Sitz zittert und wohl auch zittern muss, weil ihre Partei, die Jungen Grünen, auch schon besser aufgestellt und vor allem unterwegs waren.

Zurück zur «Kulturagenda 2020». Die JUSO also haben sich dazu vernehmen lassen. Max Bühler als einer ihrer beiden Spitzenkandidaten lanciert heute in der «Neuen LZ» die Idee, das in der «Kulturagenda 2020» andiskutierte «Kulturhaus» auf dem Inseli zu errichten. Ein unglaublicher Vorschlag.

Zu den unbestrittenen Qualitäten Luzerns gehört, dass der Vierwaldstättersee auf Stadtgebiet zu 80, wenn nicht sogar mehr Prozent öffentlich zugänglich ist, das Werk weitsichtiger Persönlichkeiten, verpflichtet dem Wohl aller Bevölkerungsgruppen. Weniger Glück hatten diese sozialen Kräfte, als es um die Erhaltung freier Flächen mit Parkcharakter im Stadtzentrum ging: Das Vögeligärtli, das Helvetiagärtli, das Lindengärtli und der Inselipark sind die einzigen im Kern Luzerns. Sie gilt es unter allen Umständen zu erhalten und der Öffentlichkeit so attraktiv wie möglich zur Verfügung zu stellen. Gerade in der erstaunlicherweise ausgerechnet im Wahlkampf abgeebbten Debatte über die Zukunft der ZHB war immer wieder die Unantastbarkeit des familienfreundlichen Vögeligärtli reklamiert worden; neckischerweise vorab von linker Seite.

Ebenso unantastbar ist und bleibt - wie Vögeligärtli, Helvetiagärtli, Lindengärtli und der freie Seezugang für alle im Luzerner Seebecken - der Inselipark!

Wer ihn, womit auch immer zupflastern, in seiner öffentlichen Zugänglichkeit einschränken oder irgendwie «umnutzen» will, spielt mit dem Feuer. Und wer, wie JUSO-Spitzenkandidat Max Bühler, darauf hinweist, der Inselipark sei auch als Standort der Salle modulable thematisiert gewesen, verkennt, dass genau dies das todsichere Nein des Volkes zu diesem Projekt bedeutet hätte. 

Zudem ist die Idee des «Kulturhauses» zu interessant und diskussionswürdig, als dass sie durch vorschnelle Standortvorschläge zum Verstummen gebracht werden darf, ehe sie richtig entflammt ist. 

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch 


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/