das gesamte meinungsspektrum lu-wahlen.ch - Die Internet-Plattform für Wahlen und Abstimmungen im Kanton Luzern

Spenden für Verein lu-wahlen.ch

Diese Website gefällt mir! Um weitere Beiträge darauf zu ermöglichen, unterstütze ich lu-wahlen.ch gerne mit einem Betrag ab CHF 10.-

Kolumne der Redaktion

06.04.2012

«Buvette»-Betreiber Konrad Weber zieht Bilanz und blickt voraus

Der Mit-Gründer und Betreiber der Buvette auf dem Inselipark beim Luzerner Bahnhof, Konrad Weber aus Rothenburg, über Erfahrungen, Ein- und Aussichten rund um den beliebten Treffpunkt, seine Chancen und Risiken als Versuch, den öffentlichen Raum zu beleben und aufzuwerten.


Direkt am See gelegen bietet das Inseli das stimmungsvolle Ambiente für die Buvette und ihre Events.

Bild: Herbert Fischer

Der öffentliche Raum Luzerns hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren sehr stark verändert. Dies trifft ganz besonders auf das Gebiet rund um den Bahnhof zu, wo die verschiedensten Nutzungen aufeinandertreffen: der wachsende Individualverkehr, der deutlich verdichtete öffentliche Verkehr, das Kultur- und Kongresszentrum, Gewerbeschule, Hochschulen, die Universität; und auch die neu entstandenen Überbauungen Tribschenstadt und Citybay haben die Situation beeinflusst. Diese ausserordentlich grosse und vielfältige Nutzungsdichte ist in den letzten Jahren nicht nur gestiegen, sondern sie hat sich wegen dem veränderten Ausgehverhalten von Jugendlichen und auch wegen dem Einsatz von Nachtbussen an den Wochenenden fast rund um die Uhr ausgedehnt. Die Folgen davon sind unübersehbar.

Gegensätzliche Interessen schaffen auch Gefühl der Unsicherheit

Der Bahnhofplatz, der Europaplatz sowie der Inselipark nehmen dabei eine ganz besondere Stellung ein, denn neben den bereits beschriebenen Nutzungen kommen an diesen drei Orten noch weitere dazu. Auf dem Bahnhofplatz sind dies Pendlerströme sowie seine Funktion als Aufenthaltsort von Randständigen; auf dem Europaplatz finden zahlreiche Veranstaltungen verschiedenster Art statt; und der Inselipark als eine der wenigen Grünzonen im Stadtzentrum ist eine beliebte Erholungszone direkt am See. Dieses breit gefächerte Panoptikum führt zu einem wahrhaft bunten Treiben, doch wird dieses von negativen Erscheinungen begleitet, die für solche Orte schon fast üblich sind. Namentlich sind dies Littering und, besonders in den Abend- und Nachtstunden, ein Gefühl von Unsicherheit.

Die Sommerbars im Allgemeinen

Angelehnt an die positiven Erfahrungen aus anderen Städten hat die Direktion Umwelt, Verkehr und Sicherheit der Stadt Luzern vor vier Jahren zusammen mit privaten Partnern an den wichtigsten Brennpunkten Sommerbars eingerichtet, zwei davon im Bereich Bahnhof, namentlich die «Stadtlounge» auf dem Bahnhofplatz und die «Buvette» im Inselipark. Der Betrieb dieser Projekte ist im vergangenen Juli bis ins Jahr 2017 verlängert worden.

Die Buvette im Speziellen

Besonders der Buvette im Inselipark ist es gelungen, die Situation positiv zu beeinflussen. Hatte vor Jahren Ursula Stämmer-Hort, immerhin die Sicherheitsdirektorin der Stadt Luzern, in einem Interview gemeint, dass sie in den Nachtstunden nicht unbedingt allein durch den Inselipark gehen würde, so titelte die «Neue Luzerner Zeitung» unlängst einen Artikel mit «Das Inseli wird zum Volkspark». Dieser bemerkenswerte Wandel in der Wahrnehmung, den die Buvette erwirkt hat, ist das Ergebnis einer Betriebsführung, die sich den Erfordernissen des öffentlichen Raumes anpasst.

Eine Sommerbar in einem öffentlichen Park ist nicht mit einem herkömmlichen gastronomischen Betrieb vergleichbar. Am einfachsten ist sie als Mischung aus Take-away und Gartenrestaurant zu beschreiben. Wie ein Take-away hat eine Sommerbar keinen abgeschlossenen und einschränkbaren Raum und ist offen für Alle, die halt so kommen und gehen. Wie ein Gartenrestaurant bietet eine Sommerbar einige Tische und Stühle zum Verweilen und Geniessen. Zudem, und das ist das Spezielle an der Bewirtschaftung des öffentlichen Raumes, muss es das Ziel einer Sommerbar sein, ein möglichst breites und vielfältiges Spektrum an Gästen anzusprechen, denn nur dann wird sie dem Anspruch des öffentlichen Raumes gerecht. In diesem Sinn muss ganz bewusst auf jede Form von Szenen-Bildung und Ähnlichem verzichtet werden, um die erwünschte Breitenwirkung zu erzielen.

«Gast-Bar» ist inzwischen eine feste Institution

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, hat die Buvette offene Konzepte entwickelt, wovon eines den Gedanken der erwähnten Breitenwirkung am treffendsten versinnbildlicht. Gemeint ist damit die «Gast-Bar», die immer donnerstags stattfindet. Hervorgegangen ist sie aus einem Vorschlag von Ursula Stämmer-Horst und Maurice Illi (Stelle für Sicherheitsmanagement der Stadt Luzern), dass sie gerne mal für einen Abend hinter der Buvette-Bar stehen und die Gäste bedienen würden. Daraus wurde eine regelmässig stattfindende Veranstaltung entwickelt.

Die Idee dabei ist einfach: jeweils donnerstags wird eine mehr oder weniger prominente Person oder Institution eingeladen, für einen Abend am Tresen zu stehen und Getränke zu verkaufen. Dabei soll darauf geachtet werden, dass eine möglichst grosse Vielfalt geboten werden kann, sei’s betreffend Inhalt, sei’s betreffend politischem Hintergrund. Und in diesem Sinn ist die Auswahl wie eine Metapher für das Publikum, das die Buvette ansprechen will, vielfältig und offen. Ein Ort also, an welchem es Platz für die verschiedensten Aktivitäten und Weltanschauungen gibt, und wo Anstand und Respekt als Leitplanke für das Zusammensein dienen. Insofern wird die Buvette von der humanistischen Grundidee der gegenseitigen Toleranz geprägt, und sie wird dadurch der gesamt-gesellschaftlichen Nutzung des öffentlichen Raumes gerecht.

Die Idee: Öffentliches Leben im öffentlichen Raum

Was damit konkret gemeint ist, zeigt eine Auswahl aus den bisher stattgefundenen «Gast-Bars»: das geht von Institutionen wie der SIP (Sicherheit Intervention Prävention) über die Interessengemeinschaft Kultur der Zentralschweiz bis hin zu «pingthing», die quer durch die Schweiz auf öffentlichen Plätzen das Pingpong-Spielen propagieren; das geht von kulturellen Institutionen/Veranstaltern wie dem Luzerner Theater über die «Kulturköpfe 2010» bis hin zum Lucerne Festival; das geht von politischen Exponenten wie Ursula Stämmer-Horst über den Stadtpräsidenten Urs W. Studer bis hin zur SVP-Nationalrätin Dr. med. Yvette Estermann; das geht von Medienschaffenden wie dem Radio 3fach über die Architekturzeitschrift Karton bis hin zu einer «Reporterbar des Blick am Abend»; und das geht, last but not least, von Rico de Bona (Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern) über Chantal Heggli (Miss Zentralschweiz 2010) bis hin zu Stammgästen der Buvette, die ihrerseits auch schon mal die Seite gewechselt haben, also hinter, statt vor dem Tresen standen und wirkten.

Dabei hat es immer wieder intensive Gespräche und Diskussionen gegeben und die Gäste der Buvette waren fast durchwegs positiv überrascht, all diesen verschiedenen Exponenten auf einer völlig anderen, unkomplizierten Ebene begegnen zu können. Und in diesem Sinn hat die Buvette die «Idee» des öffentlichen Lebens gewiss adäquat umgesetzt und damit einen Begegnungsort geschaffen, der mehr als eine zauberhafte Aussicht zu bieten hat.

Die Buvette ist jeweils bei trockenem Wetter vom 1. April bis am 23. September täglich von 11:30 bis um 24:00 geöffnet und wird auch in diesem Jahr donnerstags die «Gast-Bar»-Reihe weiterführen.

Konrad Weber, Betreiber der Buvette auf dem Inseli, Rothenburg 


Teilen & empfehlen:
Share    
Kommentare:

Keine Einträge

Kommentar verfassen:

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

treten Sie mit lu-wahlen.ch in Kontakt

Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/