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Kolumne der Redaktion

25.02.2012

Die «Neue LZ» zur Buchpreisbindung - eine Replik

Der Schriftsteller Beat Portmann antwortet auf einen Beitrag von Arno Renggli in der «Neuen LZ» vom 24. Februar 2012 zur Buchpreisbindung.


Arno Renggli, dessen Arbeit als Ressortleiter Gesellschaft und Kultur der «Neuen Luzerner Zeitung» das kulturelle Schaffen einer ganzen Region abbilden sollte, würde eine einigermassen ausgewogene und vor allem fundierte Berichterstattung gut anstehen. Wenn er jedoch in seinem Artikel über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung («NLZ» vom Freitag, 24. Februar 2012) in reine Meinungsmache verfällt, wird nebst einer gehörigen Portion Arroganz auch eine bedenkliche Auffassung vom Handwerk des Journalisten offenbar.

Da werden mit der Vagheit von Ratgeberliteratur prophezeit, dass sich «die guten Bücher» schon irgendwie durchsetzen würden, die Bemühungen einer ganzen Branche, über den Erhalt eines bewährten unternehmerischen Systems den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, als Theater bezeichnet, die Beispiele der deregulierten Buchmärkte Englands oder der französischen Schweiz als Suggestion abgetan. Dass die Befürworter der Vorlage davon sprechen, das Buch würde aussterben, ist ebenso eine infame Behauptung wie die Unterstellung, es ginge ihnen um die Abwehrung der Digitalisierung oder um das Ausspielen von Bestsellern gegen «Überraschendes» – namhafte BestsellerautorInnen machen sich nebst Lyrikern an vorderster Front für das Gesetz stark, genauso wie sich auch Mitarbeiter grosser Verlage dafür engagieren. 

Dass zu viele schlechte Bücher geschrieben werden, mag ein Gemeinplatz sein, dasselbe aber kann man auch von so manchen Texten sagen, die in Zeitungen erscheinen – Zeitungen, die notabene über eine feste Preisbindung verfügen. Der Gedankengang schliesslich, die selektive Arbeit vieler kleiner Verlage könne durch neue «Kanäle» wie etwa die User-Rezensionen auf Verkaufsplattformen übernommen werden, treibt die journalistische Ignoranz in fast schon peinlich berührender Weise auf die Spitze.

Rengglis Hoffnung, seine Arbeit als Ressortleiter Gesellschaft und Kultur – die ihn nebst anderen Pflichten zwingt, aus unzähligen Rezensionsexemplaren eine Auswahl zu treffen – würde durch die allmähliche Zerschlagung einer funktionierenden Buchbranche einfacher werden, scheint mir jedoch etwas blauäugig zu sein. Zumal hinlänglich bekannt ist, dass sich Rengglis literarische Neugierde im Anpreisen von zuvor bereits in allen anderen Medien besprochenen Bestsellern und im Singen des Lobliedes auf sakrosankte Klassiker erschöpft. Das Entdecken von «Aussergewöhnlichem» überlässt er indes lieber den Anderen, seien es die Buchhändler (die zwar auch nicht alles lesen können), seien es die Jurys, seien es die User mit ihren Rezensionen, die, wie Renggli richtig zur Kenntnis nimmt, «oft erstaunlich gut und kompetent sind.»

Beat Portmann, Emmenbrücke


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/