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Kolumne der Redaktion

30.11.2011

Zwischenruf (10): Zwischen Milieu-Anwälten und ambulanten Messerschleifern

In Rankings schneiden Medienschaffende regelmässig himmeltraurig, bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit meist ganz am Schwanz ab. Irgendwo zwischen Milieuanwälten, Sektenpredigern und ambulanten Messerschleifern. Verwunderlich ist das nicht.


«Vorsicht Medien!» Nicht alles, was gedruckt, gesendet oder online geschaltet wird, ist wahr. Medienschaffende schluddern oft und tüchtig. Mit himmeltraurigen Folgen für ihr Ansehen.<br><br>Bild: Herbert Fischer

«Vorsicht Medien!» Nicht alles, was gedruckt, gesendet oder online geschaltet wird, ist wahr. Medienschaffende schluddern oft und tüchtig. Mit himmeltraurigen Folgen für ihr Ansehen.

Bild: Herbert Fischer

Ja, es ist mitunter schwer erträglich, zur Spezies «Zeitungsfritzen» gezählt zu werden. Oder zu den «Radio- und TV-Heinis», denen zusätzlich zum gesunden Selbstbewusstsein der schreibenden Zunft auch noch ausgeprägte narzisstische Züge attestiert werden; gewiss nicht unberechtigterweise, denn wer sich nicht gerne selber hört und sieht, wird kaum für ein elektronisches Medium werken wollen; wiewohl handkehrum gelungene Formulierungskünste, welche der Nachwelt erst noch gedruckt überliefert werden, ebenfalls ganz gut tun können.

Jene Gilde, die sich dem Rest der Welt mittels des Internets kundtut, ist offenbar noch zuwenig lang marktpräsent, um sich bereits über klar klischierte Qualifizierungen ärgern zu können. Aber da würden wir fraglos ebenfalls fündig, wenn wir bloss wollen würden...

Schwierig aber wirds als «Journi», wenn «die Medien» sogar «schuld» sein sollen, «schuld», woran auch immer. Oft ist es - zum Beispiel - eine schlechte Nachricht, für die ihr Überbringer verantwortlich gemacht wird; wie in der Antike, als die Boten ohne Federlesens zu Tode kamen, wenn sie Ungemach verbreitet hatten. Als schuldig gelten Medien aber auch immer wieder, wenn sie nachweislich schludern und berufsethische Grundregeln malträtieren. Das allerdings ist auch gut so.

Heute ist in Luzern diesbezüglich ein exemplarischer Sündenfall zu verzeichnen. So meldet die «Neue Luzerner Zeitung» über die gestrige Gemeindeversammlung in Adligenswil, ein Votant habe - sinngemäss - von sich gegeben, Luzern wolle mittels der «Starken Stadtregion» erreichen, dass Adligenswil «die schlechte Finanzlage der Stadt» mittrage. So was muss man drei-, viermal lesen, um zu glauben, dass solcher Schwachsinn auch noch gedruckt wird (siehe unten auf dieser Seite unter «Dateien»).

«Die schlechte Finanzlage der Stadt»! Vergleichen wir doch dazu zwei Zahlen, wie sie uns www.lustat.ch, also das unverdächtige kantonale Amt für Statistik, präsentiert. Luzern hat nämlich einen Gemeindesteuerfuss (2010) von 1,75 Einheiten, Adligenswil jedoch von 1,95 Einheiten. Luzern hat eine Nettoschuld pro Einwohner (Gemeinderechnung 2009) von 1534 Franken, in Adligenswil beträgt sie hingegen 2048 Franken. Wo, bitte sehr, wo bleibt hier «die schlechte Finanzlage der Stadt»? Und: Welche Zentrumsleistungen Luzerns werden durch Adligenswil genau wie abgegolten?, müsste hierzu unvermeidlicherweise und gnadenlos-hartnäckig nachgefragt werden? 

Dass in der Politik übertrieben und zugespitzt, dramatisiert und personifiziert, gefakt und gelogen wird, ist bekanntlich nicht neu. Dass aber ein Medium, vor allem eines mit der Marktposition der «NLZ» - die notabene der hochwohllöblichen «NZZ» gehört - solche Unwahrheiten völlig unreflektiert kolportiert, ist ein starkes Stück.

Dreist ist die Verbreitung solcher Lügen erst recht wenn berücksichtigt wird, dass die Adligenswiler im Falle einer Fusion, um die es im übrigen an der Gemeindeversammlung in Adligenswil vom gestrigen Dienstagabend genausowenig ging wie am Sonntag in Kriens und Ebikon, weniger Steuern bezahlt hätten, nämlich in den Genuss des tieferen städtischen Tarifs gekommen wären. 

Vielleicht sind viele BürgerInnen ob der Kadenz, in der ihnen solche Unwahrheiten zugemutet werden, längst abgestumpft. Vielleicht aber ist angesichts dieses exemplarischen Beispiels wieder mal der Hinweis am Platz, dass sich kritisches Konsumbewusstsein nicht auf Abfüllgewichte, Ablaufdaten und Preisvergleiche, also aufs regelmässige «Kassensturz»-Reinziehen beschränken sollte. Und dass vor allem jungen Leuten nicht genug bewusst gemacht werden kann, dass sie auch in Zeitungen nicht alles glauben sollen, was ihnen serviert wird.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/