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Kolumne der Redaktion

02.09.2011

Was die höchste Luzernerin nach ihrer Wahl sagte

Korintha Bärtsch (27) von den Grünen ist gestern Donnerstag (1. September 2011) zur Präsidentin des Grossen Stadtrates und damit zur protokollarisch höchsten Repräsentantin der Stadt Luzern gewählt worden. lu-wahlen.ch druckt ihre Rede im Wortlaut ab.


Korintha Bärtsch (zweite von links) am Frauenstreiktag 2011 (14. Juni).<br><br>Bild: Herbert Fischer

Korintha Bärtsch (zweite von links) am Frauenstreiktag 2011 (14. Juni).

Bild: Herbert Fischer

Geschätzter Stadtrat
Geschätzter Grosser Stadtrat
Liebe Gäste

Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken für das Vertrauen, dass Sie mir entgegen bringen und mich als junge Präsidentin gewählt haben. Ich möchte auch meiner Fraktion und der Grünen Partei danken, dass sie mich unterstützt und für das Amt nominiert haben. Ich freue mich auf das Jahr als höchste Stadtluzernerin.

Was meinen Sie, wie erlebt eine 27-jährige Frau die Stadt Luzern? Ist ihre, beziehungsweise meine Wahrnehmung von dieser Stadt eine andere, als diejenige einem 40-jährigen Mann oder einer 60-jährigen Frau?

Um das herauszufinden, möchte ich Sie alle auf eine kleine Stadtführung einladen. An Orte, welche für mich auf irgendwelche Weise eine spezielle Bedeutung haben. Wir werden in der Zürichstrasse starten, gehen dann an den See zur Buvette, weiter Richtung Nordwesten auf den Littauerberg und landen zum Schluss hier im Ratsaal.

Es beginnt gefährlich und hat auch mit mir und dem Parlament gefährlich angefangen. Am Wahltag, als ich vor sieben Jahren zum ersten Mal in dieses Parlament gewählt wurde, hatte ich auf dem Weg zur Wahlfeier auf der Zürichstrasse einen Velounfall. Nach einer mehr oder weniger eleganten Landung hatte ich dann beide Arme im Gips. Aber glücklicherweise bin ich nicht auf den Kopf gefallen, sonst hätten Sie mich ja heute auch nicht gewählt!

Erlauben Sie mir aber einen diskreten Hinweis, auch sieben Jahre danach, ist das Velofahren in der Stadt noch immer gefährlich. Für die Sicherheit und allgemein in der Veloförderung gibt es noch viel zu tun.

Sie haben es in der Zeitung lesen können, die Buvette am Inseli ist ein Ort, an welchem ich mich gerne aufhalte. Einerseits ist es die Lage am Wasser und der Blick auf die Sihloutte Luzerns, welche mich immer wieder dort hin zieht, andererseits ist es aber auch die spannende Mischung von Menschen. Man trifft Einheimische und Touristen, Alte und Junge, Familien, die einen kommen fürs Feierabendbier, die anderen trinken den Apero vor dem Konzert am Lucerne Festival. Man kann wunderbar plaudern und diskutieren. Für mich verkörpert dieser Ort die Weltoffenheit Luzerns.

Solche öffentlichen Orte machen einen grossen Teil der Lebensqualität der Stadt Luzerns aus, und müssen unbedingt erhalten bleiben.  

Einen ganz anderen Ort in Luzern finde ich auf dem Littauerberg. Voller Ruhe und fast majestätisch. Ich war erst gerade vor kurzem das erste Mal da oben, ich gebe das zu, aber ich bin begeistert. Man kann den Katzen beim Mausen zuschauen, beobachten, wie Raubvögel ihre Kreise am Himmel drehen oder einfach die Ruhe und Landschaft geniessen. Und das alles in einer urbanen Stadt!

Ein wunderschönes Naherholungsgebiet, nur leider gibt es da kein Bänklein, welches nicht an der befahrenen Strasse liegt. Ich habe jedenfalls keines gefunden. Weil das Verkehrsaufkommen auf dem Berg ist wirklich nicht ganz ohne und zum Glück ist ein Vorstoss hängig, welcher vom Stadtrat Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr fordert. Wie auch bei den grünen Kuppen am See, gilt es zu dem Naherholungs- und Landwirtschaftsgebiet Sorge zu tragen, und vor allem auch dem Siedlungsdruck von Emmen her zu standzuhalten.

Wir kommen zurück, in dieses uralte Gebäude, in welchem wir jetzt sind. Hier im Rathaus, machen wir Jungen und Alten Politik. Sie kennen mich ja gut genug, um zu wissen, dass ich gerade die Durchmischung zwischen den Generationen wichtig und spannend finde und es mir Spass macht mit Personen verschiedenster Alterskategorien zu diskutieren. Ist Ihnen jedoch schon mal aufgefallen, mit wie viel Herzblut, die Jüngsten in diesem Parlament mitdiskutieren? In Luzern sind einige Junge im Parlament vertreten. Sie engagieren sich unverfroren, unbeschwert und motiviert für die Stadt Luzern.

Manchmal können sie es nicht verstehen, dass alles immer im gleichen Schema abläuft und sie wünschen sich nicht selten, die Stadt Luzern wäre ein bisschen dynamischer und offener für Veränderungen.

Sie haben heute ein Zeichen gesetzt, Sie haben mich als 27-jährige Frau zur Präsidentin gewählt. Das zeigt für mich, dass sie die junge Generation in der Stadt Luzern Ernst nehmen. Das finde ich super!

Es gäbe noch viele andere Orte, zu denen ich etwas erzählen könnte. Und ich bin sicher, es gäbe auch für Sie alle noch einige bedeutungsvolle Orte in der Stadt Luzern. Genau das zeigt doch die Vielseitigkeit der Stadt Luzern – für mich das, was Luzern als Stadt ausmacht. Luzern ist zwar - noch – klein, aber die Stadt bietet für alle etwas. Und dass das so bleibt, für das müssen wir als Parlamentarierinnen und Parlamentarier immer wieder schauen.

Wie erleben Sie die Stadt? Ob Ihre Wahrnehmung der Stadt anders ist als meine, dass können wir heute Abend gerne bei einem Glas Wein diskutieren.

Korintha Bärtsch, Luzern


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/