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Kolumne der Redaktion

27.03.2011

Das Ende der Salle modulable ist gut fürs Theater

Die Salle modulable ist politisch tot. Obschon auch der Kanton stark in die Idee involviert wäre, wird nicht einmal mehr im Vorfeld der Wahlen darüber diskutiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Zukunft des Theaters, das keinesfalls filetiert werden darf.


Theaterfest 2010: Das Haus ....

Theaterfest 2010: Das Haus ....

... präsentierte sich als ...

... präsentierte sich als ...

... Dreispartenbetrieb mit Oper, ...

... Dreispartenbetrieb mit Oper, ...

... Ballett und ...

... Ballett und ...

... Schauspiel und gewährte...

... Schauspiel und gewährte...

... dem begeisterten Publikum ebenfalls eine Bühne.<br><br>Bilder: Herbert Fischer

... dem begeisterten Publikum ebenfalls eine Bühne.

Bilder: Herbert Fischer

Es war spannend zu beobachten, wie dieser Prozess – eben: solange er noch erkennbar im Gange war – verlief. Was ein euphorisch verkündeter Segen von sage und schreibe 100 Millionen Franken alles auslöste. Etwa das Rätselraten über den lange unbekannten Mäzen und seine wahren Absichten. Oder den Traum, welch fantastische Möglichkeiten die Verwirklichung der Salle modulable dereinst eröffnen würde. 

Aber auch Befürchtungen, damit würde - «einmal mehr» - die Elite-Kultur einseitig gefördert, was auf der anderen Seite der kulturellen Bedürfnispalette harte Widerstände und Konflikte bewirken würde. Oder die Angst, das Luzerner Theater werde als Teil des Mammutprojekts seine Identität als Dreispartenbetrieb und damit seine Beliebtheit und Verankerung in seinem Publikum verlieren. 

Der geschenkte Gaul

Nicht unerwartet brachten es Annette Windlin, Gisela Widmer, Peter Isenenegger, Sigi Walter Arnold, Zeno Reichlin und viele Andere mit ihrer Aktion und den gelben Schuhen vor dem Stadthaus auf den Punkt: nämlich mit der naheliegenden Botschaft aus Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» vom geschenkten Gaul, dem man nicht ins Maul schaut. 

Der spannende Prozess versprühte Hoffnungen ebenso, wie er Zweifel nährte. Denn Theater ist mehr als blosse Schauspielerei, Theater ist tragende Säule des Kulturangebots; ist Resonanzboden gesellschaftlicher Entwicklungen; Ort der Visionen und Illusionen; heile Heimat schöner Erinnerungen an ferne, idyllische Zeiten; auch Podium für geschichtliche Irrungen und Wirrungen. 

Wo Theater ist, ist Leben 

Wenn auf der Bühne gelacht und geweint, gehasst und geliebt, vergöttert und verteufelt, hochgejubelt und niedergemacht wird, malt stets das Leben die besten Bilder. Kein Film, kein Sinfoniekonzert, keine Ausstellung, kein Buch schafft so viel Nähe zu den AkteurInnen. Ob sie nun Shakespeare geben, zum Nussknacker durch die Luft wirbeln oder Beethovens Botschaften der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens kundtun. Hier lebt die Vermenschlichung jedes noch so abgehobenen literarischen Stoffs vom Dabeisein des Publikums in der plastischen Wirkung des Bühnenbildes, von der Intimität des Zuschauerraums, überhaupt von mitreissenden Emotionalitäten und – ja, auch das gehört dazu – vom Exhibitionismus vor und während jeder Aufführung; und erst recht in der Pause. Genau: sehen und gesehen werden. Wie es Euch gefällt.

Wieder Finanzspritze fürs KKL

Ginge diese Institution, nein diese Instanz, gesichtslos auf in einem mondänen Palast, so verschwänden auch ihr Geist und ihr Glanz, ihr Zauber und ihr Herz. Klar gehören alle Optionen zur Zukunft des Hauses auf den Tisch, bleibe es als Neubau an der Reuss oder entstehe es an einer anderen attraktiven Lage. Weitere Versuche seiner Filetierung wären jedoch schlechte Zeichen und vor dem Souverän genauso chancenlos wie das Phantom der Oper, pardon: das Phantom Salle modulable. 

Überhaupt ist schleierhaft, wie abgehoben und am Volk vorbei dieses Projekt in den letzten Monaten weiter in den Wolken herumgeschoben wurde. Als stünde nicht bald schon wieder eine KKL-Finanzspritze an, die es in der Abstimmung schwer haben wird. Denn bereits da droht eine Götterdämmerung. 

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch


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Über Herbert Fischer:

Herbert Fischer (1951) arbeitet seit 1969 als Journalist und Pressefotograf. Er war unter anderem Redaktor der «LNN», der «Berner Zeitung» und Chefredaktor der «Zuger Presse». Seine Kernthemen sind Medien (Medienwirkung, Medienethik, Medienpolitik), direkte Demokratie, Sicherheitspolitik, soziale Fragen und gesellschaftliche Entwicklungen. Heute berät und unterstützt er Firmen, Organisationen und Persönlichkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Fischer war von 1971 bis 1981 Mitglied der SP der Stadt Luzern, seither ist er parteilos. Er ist in Sursee geboren und Bürger von Triengen und Luzern, wo er seit 1953 lebt. Herbert Fischer ist Gründer und Redaktor von lu-wahlen.ch

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Interview von Radio 3fach am 27. August 2012 mit Herbert Fischer:

www.3fach.ch/main-story/lu-wahlen/