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Leserbrief von Michael Töngi

23.03.2011

Sonne für die Jodler, Hagel bei den Schwulen

Homophobe Ausfälle wie jene von Emil Grabherr aus Weggis sind in der SVP nicht neu. Ein Grossrat dieser Partei konstatierte einst, dass in Frauenfeld am Eidgenössischen Joderfest die Sonne strahlte, gleichzeitig jedoch ein Schwulenfest in Fribourg verhagelt wurde - was doch wohl alles aussage.


Emil Grabherr von der SVP teilt im SVP-Heftli «Kurier» mal wieder aus und schreibt von Homosexuellen als männlichen Huren und Bubenschändern. Dass bei der SVP immer mal wieder eine schwulen- und lesbenfeindliche Haltung irrlichtert, ist nichts Neues, auch nicht, dass das Parteiorgan «Kurier» dafür breiten Platz gibt.

Dabei kommt Grabherr noch nett daher, eine Nummer zuvor hat Kurt Fischer, SVP-Mitglied aus Udligenswil, auf zwei Seiten gegen den «Gender Mainstreaming» angeschrieben. Was unter dem deutschen Begriff der Gleichstellungspolitik läuft, ist aus der Sicht des Schreibenden ein Produkt der «kommunistischen, atheistischen, radikal-feministischen, sexualistischen, den Drogen-Konsum fördernden antichristliche 68er Bewegung». Bei Gender Mainstreaming handle es sich um eine kulturelle Revolution der internationalen Homo- und Lesbenorganisationen, die von der UNO und EU (logo, das musste ja kommen) unterstützt und mit aller Macht durchgesetzt werde. Heterosexualität solle als bisherige Norm zugunsten aller anderen bisher als abnorm geltenden Sexualitäten aufgehoben werden, Abnormales werde zur Norm erklärt, dies unter völliger Missachtung der christlichen Werte. Dann wird noch Judith Butler als «lesbische Urmutter» betitelt. 

Grüsse vom anderen Ufer

Dazu kann man nur sagen: Es ist ja ein wahres Glück, dass Personen wie Kurt Fischer sich dem Zwang, jetzt auch noch schwul zu werden,  offensichtlich bis heute entzogen haben. Es wäre mir keine Freude, solche Herren an unserem Ufer begrüssen zu müssen.

1999 hatte der damalige SVP-Grossrat Josef Huber aus Kriens Obernau auch noch die Naturkräfte als Zeugen für die Verdorbenheit der Schwulen herbeigezogen. Während an einem Jodelfest in Frauenfeld die Sonne geschienen hatte, wurde eine Gay-Parade in Fribourg verregnet. Die messerscharfe Schlussfolgerung daraus war für Josef Huber Obernau klar. Die Antwort auf meine damalige Frage, weshalb in Kriens die Unwetter regelmässig im Obernau ihren Anfang nehmen, blieb aus.

Die SVP ist ein Sammelsurium von Personen, die in einer aufsteigenden Partei mitmachen wollen. Viele von ihnen vertreten konservative, teilweise auch engstirnige Positionen, wie man sie aber auch in der CVP und etwas weniger in der FDP vorgefunden hat oder noch vorfindet. Nichts dagegen zu sagen, auch wenn das nicht meiner politischen Linie entspricht. Sie hat aber auch ein Potenzial an Leuten, denen sie etwas mehr auf die Finger schauen müsste. Die rassistische Äusserungen machen, kruden Weltverschwörungstheorien anhängen oder eben schwulen- und lesbenfeindlich sind. 

Kantonsrat Michael Töngi (Grüne/Kriens)


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