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Leserbrief von Hugo Fessler

25.08.2014

Das ÖV-Sparprogramm des Kantons eröffnet Chance für ein besseres Konzept

Die im Sparprogramm 2015-17 («Leistungen und Strukren II») des Kantons vorgesehenen Ausdünnungen der Fahrplan-Takte von ÖV-Linien widersprechen einer nachhaltigen Verkehrspolitik und sind deshalb klar abzulehnen. Im Gegenteil: Es besteht Bedarf nach Ausbau des Angebots, zum Beispiel ist die Seetalbahn ab 21 Uhr nur noch ein Bummler im Stundentakt oder auch bei der Zentralbahn müssten mehr Züge fahren. Dies und weiteres wurde aus finanziellen Gründen abgelehnt.


Die geplanten Einsparungen von 10 Mio. Franken betreffen aber zur Hauptsache das Hinausschieben der Infrastruktur für den Bushub Ebikon mit Verlängerung der Linie 1 sowie die neue Linie 3 Kriens – Emmenbrücke. Aufkommen dafür müssen die Fahrgäste und die Steuernden im Kanton und in den Gemeinden.

Weil Bushubs nicht unbestritten sind, hat der Kantonsrat am 31. März 2014 mit folgender verbindlichen Bemerkung einen Riegel geschoben: «Bei der Realisierung von neuen Umsteigeknoten von Bus und Bahn wird darauf geachtet, dass die Reisezeiten [inklusive Umsteigezeit] nicht verlängert werden und der Takt nicht ausgedünnt wird.» 

Ein Umsteigen von den Linien 22 und 23 in Ebikon auf die Linie 1, die zudem mehr Haltestellen bedient, verlängert die Reisezeit auf jeden Fall. Auch das Umsteigen auf die Bahn, mit lediglich pro halbe Stunde einem überfüllten Zug («Stehplatzkultur»), ist keine taugliche Alternative, weil durch die notwendige Umsteigezeit die Reisezeit nicht verkürzt wird, dies besonders zu den rechtsufrigen Zielen in Luzern. Vom Obernau wird der Takt ausgedünnt. Demnach darf der Bus-Hub Ebikon aufgrund des Kantonsratsbeschlusses in näherer Zukunft gar nicht (mehr) realisiert werden. 

Von Kriens nach Luzern ist jeder zweite Kurs ein kleinerer Bus nach Emmenbrücke, bedient also die frequenzstärksten Haltestellen Kantonalbank, Bahnhof und Schwanenplatz nicht. Falls zudem aufgrund der steigenden Nachfrage das Angebot der Linien 22 und 23 mit Gelenk-Bussen nicht mehr ausreicht, können auf der Linie 23 Doppelgelenk-Busse eingesetzt werden.

Die 1er-Busse bleiben überdies ebenso im Stau stecken wie die anderen Busse. In jedem Fall sind die strassenseitigen Busbeschleunigungsprojekte des Kantonsstrassen-Bauprogramms in Ebikon und anderswo zügig umzusetzen.

Zur Linie 3: An der Tagung «Tram oder Bus» im letzten Mai gab der Projektleiter der Hochschule Luzern eine ausweichende Antwort auf die Frage, ob bekannt sei, woher und wohin die Leute fahren (wollen). Der Direktor der VBL antwortete lapidar, sie fahren, was der Verkehrsverbund bestelle. Die Resultate der letzten umfassenden Pendler-Erhebung vor 14 Jahren zeigen, dass der Anteil Wegpendler aus den Agglomerationsgemeinden Kriens, Emmen, Ebikon, Littau nach der nächst kleineren Zielgemeinde als zum Ziel Stadt Luzern insgesamt lediglich 10%, beim öV gar nur 5% ausmachen. Selbst bei einer Verdoppelung dieser Anteile hat das weitaus grösste Volumen des Agglomerationverkehrs Start und/oder Ziel in der Stadt.

Mit dem Verzicht auf obige Massnahmen wird der Weg frei, in drei Jahren ein besseres Konzept zu haben, beruhend auf soliden und aktualisierten Grundlagen wie Anzahl, Start- und Zielorte der (potenziellen) Fahrgäste sowie Busspur Pilatusstrasse, zweiter Busperron am Bahnhof für mehr Durchmesserlinien, einheitliches Prinzip für Schnellkurse. Dann ist auch absehbar, was FABI STEP 2030 auf der Bahn bringt oder eben nicht. 

Hugo Fessler, dipl. Verkehrsingenieur ETH/SVI, Luzern


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