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Leserbrief von Hugo Fessler

09.12.2011

BZO Stadt Luzern: So nicht

Der Bau- und Zonen-Ordnung für die Stadt Luzern (BZO), wie sie heute vorliegt, kann nicht zugestimmt werden. Hauptsächlichste Problempunkte sind die Verkehrszunah-me wegen den zusätzlichen Nutzungen, die Standorte der Hochhäuser, der Wohnanteilplan im Hirschmattquartier und die Tourismuszone.


Der vom Volk beschlossene Gegenvorschlag zur Städte-Initiative verlangt, dass die künftige Verkehrszunahme durch ÖV, Velo- und Fussverkehr zu bewältigen ist. Prognostiziert wird allerdings eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs (MIV) bis 10%. Darüber wie dies zu bewältigen ist, wird konkret nichts ausgesagt. Die Auswirkungen des Verkehrs werden in der BZO zusammenfassend wie folgt dargestellt: Es wird irgendwie schon funktionieren, die Zunahme wird «nicht zu einem Zusammenbruch des heutigen, weitgehend strassenbasierten Verkehrssystems führen.» Gänzlich fehlen Zonen für autofreies Wohnen, die es in anderen Städten bereits gibt.

Wohnanteilplan Hirschmatt 

Der bestehende Wohnanteilplan schützte bisher den Wohnraum in den historisch gewachsenen Quartieren Hirschmatt/Neustadt, Bruch, Wey und Tribschen vor der Verdrängung durch Büro- und Gewerberaum. Gemäss BZO würde bei Sanierungen oder Neubau automatisch Wohnraum vernichtet, weil einerseits wegen der Erhöhung der zulässigen Fassaden- und Firsthöhen mehr Geschosse möglich sind und anderseits bis zu fünf Geschosse für andere als Wohnnutzung verwendet werden dürfen. Aus wirtschaftlichen Gründen – neuer günstiger, zentral gelegener Büro- und Gewerberaum – ist die Konsequenz die Verdrängung des Wohnens aus der Innenstadt. Dies führt zu einem Identitätsverlust der Quartiere und zu einer leblosen Büro-Wüste, vor allem abends. Zudem wird mehr (Pendler-) Verkehr erzeugt. Der neue Wohnanteilplan Hirschmatt der BZO ist abzulehnen Gewerbe- und Dienstleistungen sind in Gebäude in eigens dafür vorgesehene Zonen unterzubringen, z.B. in den neu zu realisierenden Verdichtungsgebieten Industriestrasse, Tribschen, Bahnhof-Umgebung.

Hochhäuser 

Hochhäuser sind erhebliche Verkehrserzeuger. Auf Krienser Boden an der Stadtgrenze beim Eichhof sollen solche realisiert werden. Auch im Gebiet Luzern Nord wären Hochhäuser möglich. Deshalb ist eine regionale Abgleichung absolut notwendig. Die Hochhauszone Steghof ist zudem durch den ÖV schlecht erschlossen. Es gibt nur eine Buslinie, die Distanz zum Bahnhof ist für Fusswege zu gross. Eine S-Bahn-Haltestelle an der Zentralbahn, etwa 700 m vor dem Bahnhof ist aus Kapazitäts- / Fahrplanstabilitäts- und Kostengründen (etwa 20 Millionen Franken, kein Zugang zur Langensandbrücke) in absehbarer Zeit höchst unwahrscheinlich. Eine bisher nicht öffentlich gemachte Äusserung ist, dass das Hochhaus Steghof als Argument für die unterirdische Schnellstrasse «Südzubringer» dient.

Tourismus-/HotelzoneDie im Entwurf vorgeschlagene Tourismuszone (TO) sorgt dafür, dass in Luzern genügend Übernachtungsmöglichkeiten im Premium-Bereich gewährleistet werden. Auf Druck der Hoteliers ist diese Bestimmung stark verwässert worden. 20% dürfen sie für Appartements umnutzen, was ja noch angeht. Höchst problematisch aber ist, dass aufgrund eines «unabhängigen» Gutachtens, das aufzeigt, dass das Hotel nicht mehr existenzfähig ist resp. bis zu diesem Zustand herunter gewirtschaftet wurde, dieses bis auf das Erdgeschoss umgenutzt werden darf. Es wird beteuert, dass damit ein neuer Fall Tivoli verhindert werden soll, indem die erwähnten Bauten nicht zu luxuriösen Privatwohnungen umgenutzt werden. Von der Pflicht des Erhalts der Bausubstanz keine Rede. Das Hotel Europe steht unter spekulativem Druck. Aus der Vereinbarung mit den Hoteliers geht nicht hervor, dass ein Abbruch verboten ist. Der Komplex könnte abgebrochen werden und eine ähnlicher Koloss wie das Tivoli aufgestellt werden, einzig mit der Ausnahme, dass das Erdgeschoss zwingend «publikumsorientiert», etwa als Restaurant der Öffentlichkeit zugänglich sein müsste.

Hugo Fessler, alt SP-Grossrat, Präsident VCS Luzern

 


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