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Leserbrief von einem anonymen Autor

30.03.2011

Neonazi-Auftritt im Luzerner «Rütli»

Ein Vorfall der unglaublichen Art spielte sich am Abend des 19. März im Luzerner Restaurant Rütli ab. Junge Leute skandierten Nazi-Parolen. Die Wirtin war machtlos. Das «Rütli» in Luzern ist nicht als Treffpunkt rechtsextremer Kreise bekannt. Ein Augenzeuge berichtet.


Das Verwenden von Nazi-Symbolen wie auch das Skandieren einschlägiger Parolen sind strafbar. Die Polizei muss sogar von Amtes wegen gegen den Auftritt im «Rütli» ermitteln, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt.<br><br>Bild: Luzerner Polizei

Das Verwenden von Nazi-Symbolen wie auch das Skandieren einschlägiger Parolen sind strafbar. Die Polizei muss sogar von Amtes wegen gegen den Auftritt im «Rütli» ermitteln, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt.

Bild: Luzerner Polizei

Am Samstag, 19. März betraten ein Freund und ich das Restaurant Rütli in Luzern gegen 21:00 Uhr, um zu essen.  Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 15 weitere Gäste anwesend. Eine Gruppe junger Leute sass vom Eingang aus gesehen im rechten Speisebereich. Wir nahmen links des Eingangs in einer Ecke Platz, von der aus man einen guten Blick in den Eingang samt dem gegenüberliegenden Speisebereich hatte. 

Zunächst bestellten wir unsere Getränke bei der Chefin, die ich seit etlichen Jahren persönlich kenne. In der Folge nahm Frau Martha Waser, die Geschäftsführerin des Restaurant Rütli, auch die Bestellung der Speisen auf. Kurze Zeit später, es dürfte nun wohl 21.30 Uhr gewesen sein, wechselte eine Gruppe junger Männer im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren vom rechten Restaurantteil – der wohlbemerkt bis dato sehr ruhig war – nach vorne an die Bar. An der Theke verweilend, schien die Gruppe anfänglich nur ihren Spass haben zu wollen, bis die Stimmung umschlug. 

Zunächst grölten die jungen Leute ein paar Fastnachts-Lieder, was bei einem erhöhten Alkoholpegel noch nicht als soo schlimm zu betrachten ist. Die Lautstärke stieg recht rasant und enorm an.

Mit Sprechchören à la «Neger hemm mir keini, Neger hemm mir keini, scha-la-la-la» schlug die Stimmung im ganzen Restaurant um. Kopfschüttelnd und mit Unverständnis quittierten es die Gäste, intervenierten aber nicht. Pikant an der ganzen Situation ist, dass man nun schlecht seine Bestellung der Speisen rückgängig machen konnte, da Frau Waser bereits mit dem Essen im Anmarsch zu unserem Tisch war. Andernfalls hätten wir, das heisst mein Freund und ich, das Restaurant umgehend verlassen, da die Lautstärke nicht mehr erträglich war. Die Gäste neben unserem Tisch sahen der Situation ebenfalls kopfschüttelnd entgegen, lachten ab und an, vermutlich, weil das ganze einfach nicht greifbar war – einfach unwirklich. 

Als die Speisen an unserem Tisch aufgetragen wurden, erkundigte ich mich mit einem geringen Rest an Geduld – aber mit Zurückhaltung – bei Frau Waser, ob die Junge SVP ihre Delegiertenversammlung gerade abhalten würde, was die Geschäftsführerin bejahte, indem Sie mich zudem fragte, ob ich auch dazu gehören würde. 

Es steigerte sich die Laune der Jungen SVP dahingehend, dass die eingangs erwähnte Hass-Strophe geschätzte 60 bis 70 Mal während unseres Abendessens geschrien wurde. Noch unbegreiflicher war, dass jemand sogar wiederholt ein lautes «Sieg Heil» brüllte. Wie kann so etwas in der heutigen Zeit von jungen Menschen in der Öffentlichkeit aufgeführt werden. Nicht genug, dass sie selbst von dieser schrecklichen Zeit nicht annähernd einen blassen Schlimmer zu haben schienen. Diese unerträgliche Aufführung boten zudem Aktivisten der Jugendorganisation einer Bundesratspartei, die sich zum Ziel gesetzt haben, selber Politiker zu werden. Es war grauenhaft, dies mit anhören, ansehen, miterleben zu müssen!

Die Spitze war, als eine dunkelhäutige Mitbürgerin in Begleitung zweier Schweizer Bürger das Restaurant betrate, um etwas zu trinken. Das war etwa gegen 22 Uhr. Nicht mal in dieser Situation hatten die JSVP-Delegierten den Anstand, ihre Schlacht-Rufe über «Neger» endlich einzustellen.

Was soll man davon noch halten? Mit «Ausländer raus»-Rufen und einer nicht wirklich vehementen Intervention seitens der Gastwirtin ebbte nach einer bald einstündigen Tortur die Stimmung dieser braunen Brut ab. Mit Wut, Zorn und jeder Menge Unverständnis für andere Kulturen schienen sie sich aber schon bald immer wieder hochzuschaukeln. Es schien nicht das erste Mal zu sein, dass sie eine derartige «Show» veranstalteten. 

Die Wirtin war machtlos gegen das, was da vor sich gegangen ist. Wenn das die Elite ist, welche die SVP hervorbringen möchte, dann tut sie mir leid. Als Vertreter des Volkes sind sie definitiv unerträglich, da es ihnen am grundlegendsten mangelt: am Anstand und Respekt!

A. A. / Name der Redaktion bekannt 


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Kommentare:
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Andreas Gasser aus Emmenbrücke

Donnerstag, 31.03.2011, 21:25 · Mail

Ich habe soeben mit Frau Martha Waser die ich persöhnlich kenne gesprochen. Frau Waser konnte mir gegenüber bestätigen, das an diesem Abend keine J-SVP Delegiertenversammlung stattgefunden habe. Übrigens ich bin auch Mitglied der Jungen SVP Luzern, und hätte bestimmt das Mail bekommen. Jemand möchte der J-SVP schaden. Ich werde heute noch mit Anian Liebrand kontakt aufnehmen, und besprechen wie die Partei weiter vorgehen wird.

Andreas Gasser, Mitglied Junge SVP Kanton Luzern

 

anian liebrand aus beromünster

Donnerstag, 31.03.2011, 08:57 · Mail  Website

Gestern Mittwoch (30. März 2011) wurde auf der Plattform lu-wahlen.ch folgender Leserbrief veröffentlicht: http://www.lu-wahlen.ch/leserbriefe/anonymer-autor/news/2011/03/30/378-neonazi-auftritt-im-luzerner-[..] Darin wird behauptet, die Junge SVP hätte am 19. März eine Delegiertenversammlung im Rest. Rütli, Luzern, abgehalten. Die JSVP-Delegierten hätten darin Neonazi-Parolen von sich gegeben und andere Gäste belästigt.

Wir halten fest: Die Junge SVP Luzern führte am 19. März keine Versammlung durch. Unsere Jungpartei hatte im Rütli noch nie eine Versammlung abgehalten. Des Weiteren ist es eine unhaltbare und unbelegte Unterstellung, JSVP-Mitglieder würden sich rüpelhaft benehmen. Unsere Mitglieder sind durch und durch demokratisch gesinnt, an unseren Anlässen geht es immer gesittet und in fairem Umgang zu und her. Dass wir an unseren Anlässen selbst des Öfteren Mitglieder mit brauner Hautfarbe dabei haben, sei da mal nur am Rande erwähnt.

In der Zwischenzeit habe ich mit der im Beitrag zitierten Frau Waser vom Rest. Rütli telefoniert. Sie sagte, die im Artikel geschilderten Vorgänge betreffend der Jungen SVP seien ihr komplett fremd. Am besagten 19. März habe im Rütli gar keine Versammlung stattgefunden. Mit der SVP hätte es zudem nie irgendwelche Probleme gegeben.

Dieser sog. «anonyme» Leserbrief ist folglich eine ungeheure Verunglimpfung der Jungen SVP. Was damit betrieben wird, ist Rufmord. Ich bin sehr enttäuscht, dass eine Plattform, die für sich in Anspruch nimmt, das ganze Parteienspektrum zu vertreten, derartige unwahre, ungeprüfte und verleumderische Beiträge entgegen nimmt und nicht einmal den Verfasser dieses Beitrags veröffentlicht.


Anian Liebrand, Präsident Junge SVP Kanton Luzern

 

Marco Willener aus Emmen

Mittwoch, 30.03.2011, 16:00 · Mail

Komisch, dass man als Mitglied der JSVP nichts von dieser Veranstaltung wusste... aber das scheint so was ähnliches wie die Parteitagungen der SP jeweils am 1. Mai in den schweizer Strädten. Nur das dort noch mehr Hass und noch viel mehr Zerstörung angewandt wird.

 

Daniel Landwehr aus Winterthur

Mittwoch, 30.03.2011, 14:09 · Mail

Unerträglich ist das Verhalten der Gäste - auch des Berichterstatters - und der Wirtin. An ihr wäre es gelegen, die Nazi-Gäste aus dem Lokal zu weisen. Das ist ihr Recht und ihre Pflicht. Die anderen Gäste schliesslich hätten ja auch, statt zu schweigen, um Ruhe bitten, resp. die Wirtin zum Handeln auffordern müssen. Einfach wegschauen und nachher jammern: Nein! Wer wegschaut und schweigt, macht sich mitschuldig!

 
 
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