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Kolumne von Felicitas Zopfi

18.04.2015

Das heutige Arbeitsgesetz ist von den Gewerkschaften während Jahrzehnten hart erkämpft worden

An der GV der UNIA im Casino Luzern hat soeben SP-Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi an die historischen Leistungen der Gewerkschaften erinnert. Sie sagte unter anderem, in jahrzehntelangen Kämpfen hätten sie das «heutige, gute Arbeitsgesetz» erkämpft. Die UNIA vertritt als grösster Branchenverband in den Kantonen Luzern, Nid-, Obwalden und Zug rund 5000 Arbeitnehmende.


Starke Gewerkschaften wie die UNIA sind auch starke Sozialpartner. Wer sie am 10. Mai im Kanton Luzern aus der Regierungsbeteiligung ausschliesst, trägt zu ihrer Radikalisierung bei. Davor warnen mit Blick auf den zweiten Wahlgang zum Luzerner Regierungsrat die Kräfte des sozialen Ausgleichs - namentlich sozialliberale und christlichsoziale Kreise - jene Rechtsbürgerlichen, die dann eine «rein bürgerliche Regierung» installieren wollen.

Bild: Herbert Fischer

Liebe Kolleginnen und Kollegen 

Es freut mich sehr, euch in Luzern begrüssen zu dürfen.  

Luzern liegt im Herzen der Schweiz; für die UNIA also der richtige Tagungsort, denn sie vertritt mit Herz und Verstand die Anliegen sehr vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das Herz steht im Zentrum. Es ist das wichtigste Organ und pulsiert links der Mitte. Aber gilt «das im Zentrum stehen» auch für Stadt und Kanton Luzern? 

Kulturpolitisch vielleicht schon, wir haben mit dem Bau des KKL einen Coup gelandet und musikalisch dürfen wir uns sicher zum Zentrum der Schweiz zählen. Allerdings müssen wir darauf achten, dass auch die weitere Kulturszene ihre Freiräume nutzen kann. Beim Sport wird’s bereits ein wenig kritischer. Der FCL spielt vorne mit und hält sich tapfer, aber ist er wirklich das Zentrum und absolute Spitze? Die Ruderregatta hat ihren einstigen Glanz ein wenig verloren, gewinnt ihn aber Dank erneuerter Infrastruktur am Rotsee hoffentlich wieder zurück. Das internationale Leichtathletikmeeting ist auch «nur» das drittgrösste der Schweiz und der Lucerne Marathon zwar ein lokaler Top-Anlass, aber das Laufmekka befindet sich wohl anderswo. 

Verkehrspolitisch stehen wir ganz sicher nicht im Zentrum. Wir fühlen uns sogar ein bisschen vernachlässigt. Der Tiefbahnhof, von dem wir uns wieder eine bessere Anbindung an den Rest der Schweiz erhoffen, ist in einem Finanzierungstopf gelandet und muss noch einige Jahre auf die Realisierung warten.

Wir haben uns mit der Senkung der Unternehmenssteuern an die schweizweite Spitze gewagt. Aber trotz des Spitzenranges wird es kaum gelingen, das Zentrum für Unternehmen zu werden. Der  Kanton Luzern hat aber ein deutliches Zeichen gesetzt für die Unternehmen. Man will die Firmen hier behalten und man will noch viel mehr, dass sich neue Unternehmen hier ansiedeln. Es ist im Interesse des Kantons Luzern, dass auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieser Unternehmen sich hier ansiedeln und hier ihre Steuern bezahlen. 

Der Kanton Luzern tut gut daran, neben den Unternehmen auch den Gewerkschaften und den Arbeitnehmenden ein gutes Umfeld anzubieten. Dafür braucht es unter anderem ein gutes Angebot bei der Bildung, der Sicherheit, beim öffentlichen Verkehr und ein offenes Ohr der Behörden für die Anliegen der arbeitenden Bevölkerung. Ohne die Arbeitnehmenden geht nämlich gar nichts. 

Es ist lange her, seit ein grosser Teil die Arbeiterinnen und Arbeiter der Stoffdruckerei Trümpy in Glarus die Fabrik verliessen, um zu protestieren. Die Arbeitenden wehrten sich gegen eine Fabrikglocke, die den Beginn und das Ende der langen Arbeitstage einläutete, und sie wehrten sich gegen Lohnkürzungen. Der Besitzer der Fabrik wollte eine bessere Arbeitsdisziplin erreichen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter fühlten sich durch die Glocke überwacht und eingeengt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz streikte die Arbeitnehmerschaft, weil sie kein anderes Mittel mehr sah, um ihrer Forderung zum Durchbruch zu verhelfen. 

Der Streik war zwar kurzfristig erfolglos, die Fabrikglocke blieb hängen. Aber die Arbeiterinnen und Arbeiter haben den kollektiven Widerstand kennengelernt. Sie haben gemerkt, dass man gemeinsam mehr erreichen kann. Ich wage mal zu spekulieren und zu behaupten, dass, wenn alle es gewagt hätten, beim Streik mitzumachen, die Fabrikglocke abgehängt worden wäre. 

Gewerkschaften gab es damals noch keine, diese sind erst nach und nach entstanden. Umso mehr verdienen diese Arbeitnehmenden unsere Hochachtung: sie haben den Streik selber organisiert und durchgeführt. Sie haben ihren Arbeitsplatz riskiert, obwohl sie alle dringend darauf angewiesen waren.

Ihr Protest hat den Weg zum ersten Arbeitsgesetz in der Schweizer Geschichte gewiesen. 

Heute haben wir ein gutes Arbeitsgesetz. Zahlreiche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben sich über Jahre und Jahrzehnte dafür eingesetzt. Es hat lange gedauert, bis die Gewerkschaften ernst genommen wurden und massgeblich in die Gestaltung der Arbeitsbedingungen eingreifen konnten. Entscheidend war der Organisationsgrad.  

Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft hat, umso ernster wird sie als Verhandlungspartner genommen, umso schlagkräftiger ist sie. Die Gewerkschaften haben ihren Mitgliedern immer auch gesellschaftspolitisch einiges angeboten. Es ging in den Arbeitervereinen auch um Bildung, Kultur und Freizeitgestaltung.

Leider finden es heute viele Arbeitnehmende nicht mehr nötig, in einer Gewerkschaft zu sein. Es liegt im Trend und im Zeitgeist, sich nicht mehr zu engagieren. Die eigene, persönliche Freizeitgestaltung ist viel wichtiger. Dazu braucht es auch keine Gewerkschaft und meist auch keinen Verein, das IPhone reicht bestens aus.

Bedeutet dies, dass die meisten Leute mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind? Oder dass sie denken, die Gewerkschaften «werden es schon richten – meine Mitgliedschaft braucht es dazu nicht»? 

Gewerkschaften sind heute genauso wichtig, wie sie es vor rund 200 Jahren gewesen wären, als die Arbeitenden in Glarus die Fabrik verliessen. Die SP hat das schon lange erkannt und arbeitet seit über hundert Jahren eng mit den Gewerkschaften zusammen. Auch im Kanton Luzern. Als VPOD-Mitglied bin ich seit mehr zehn Jahren in der Verhandlungsdelegation der Personalverbände mit dem Stadtrat von Luzern. 

Natürlich geht es nicht mehr um die grossen Würfe, wie die 42-Stunden-Woche oder den geregelten Monatslohn. Wir verhandeln aber regelmässig über die Lohnentwicklung, die Ferienregelung oder kleinere Sachen wie Reka-Checks. Die Zahl unserer Mitglieder ist immer wieder ein Thema. 

Ein hoher Organisationsgrad gibt uns Kraft und Stärke in den Verhandlungen und wir können immer wieder kleine Erfolge feiern. Verhandlungen in der Privatwirtschaft sind zum Teil schwieriger. Damit die Ziele bei einer Verhandlung erreicht werden können, braucht es nicht nur Verhandlungsgeschick.

Es ist enorm wichtig, dass die Personen, welche die Verhandlungen führen, und zwar auf beiden Seiten, wissen, dass eine zahlenmässig starke Gewerkschaft mit am Tisch sitzt. 

Es geht nicht nur darum, Neues zu erreichen, sondern auch darum, das Erreichte zu erhalten. Gewerkschaften können es richten, wenn sie stark sind und sie sind dann stark, wenn sie viele Mitglieder haben. Ich hoffe sehr, dass sich der Trend wieder umkehren lässt und dass sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder vermehrt für unsere Bewegung engagieren. Die wachsende Mitgliederzahl der UNIA ist da ein positives Signal. 

Wir alle haben den Gewerkschaften sehr Vieles zu verdanken. Ich danke euch ganz herzlich für eure wertvolle Arbeit.

Ich hoffe, dass sich der Kanton Luzern auch als Vorreiter in der Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften zeigt. Die Unternehmen stehen für den Kanton Luzern im Zentrum der Politik. Sie sind wichtig, ohne Frage. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es aber genauso. Ohne sie wäre unser Wohlstand nicht möglich. Ohne sie würde nichts produziert und nichts verkauft.

Die Mitarbeitenden und mit ihnen die Gewerkschaften haben es mehr als verdient, ebenfalls im Zentrum der Politik zu stehen. Nur, wenn wir uns auch wirklich einbringen können, wenn uns von der Politik der Platz eingeräumt wird, der uns zusteht, wenn wir auch im Zentrum der Politik stehen, kann von einer echten Sozialpartnerschaft gesprochen werden. 

Wenn wir zusammenstehen, werden wir auch gehört. Wenn wir zusammenstehen, wird es uns gelingen, ins Zentrum der Politik rücken – egal ob in Zug, in Nidwalden oder in Luzern. 

Ich wünsche der UNIA viel Glück auf dem Weg ins Zentrum der Politik. 

Kantonsrätin Felicitas Zopfi-Gassner, Regierungsratskandidatin der SP Kanton Luzern, der JungsozialistInnen, der UNIA, des Luzerner Gewerkschaftsbundes (LGB) und der Grünen Kanton Luzern  


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Über Felicitas Zopfi:

Felicitas Zopfi (1958*/SP/Luzern) ist am 10. April 2011 als Kantonsrätin wiedergewählt worden. 

www.felicitas-zopfi.ch