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Kolumne von Priska Wismer-Felder

24.09.2019

«Wir sind schon seit Jahren ökologisch aufgestellt und unterwegs»

Priska Wismer-Felder ist vor vier Jahren fast CVP-Nationalrätin geworden. Jetzt versucht es die Jodlerin, Bäuerin, Lehrerin und Mutter von fünf Töchterm erneut. Mit einem starken Ausweis im Rücken: Die 49-jährige Rickenbacherin erreichte im März das höchste Resultat aller Kandidierenden im Wahlkreis Sursee.


Als vom 30. Mai bis 2. Juni 2019 in Luzern das Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival SKJF 19 in Luzern stattfand, war Priska Wismer-Felder Co-Präsidentin des Organisationskomitees.

Bild: Herbert Fischer

Zusammen mit Tochter Arlette im Januar 2018 in der volkstümlichen Sendung «Potzmusig». Links: Priska Wismers Tante Marie-Theres von Gunten (Beatenberg), am Akkordeon: Doris Erdin (Gansingen).

Bild: SRF

Labrador Sheriff ist ein treuer Begleiter, wenn die Bäuerin auf dem Hof Stierenberg zupackt und zum Rechten schaut.

Schwiegervater Karl Wismer (und Schwiegermutter Marlis Wismer-Kost) helfen auf dem Stierenberg tatkräftg mit. Im Hintergrund die zehnjährige Fotovoltaikanlage auf der Scheune.

Bilder: Herbert Fischer

Wie nehmen sie den bisherigen Wahlkampf wahr: wie kantonal und wie gesamtschweizerisch?

Priska Wismer-Felder: Bezüglich der Themen dominiert eindeutig das Klima. Ansonsten ist der Wahlkampf inhaltlich flach und flau, kaum kontrovers; dies auf kantonaler Ebene. National lief für die CVP eigentlich alles gut – bis nun die Kritik an dieser Internet-Kampagne der CVP Schweiz laut geworden ist.

Was sagen Sie zu dieser Kampagne?

Priska Wismer-Felder: Inhaltlich sehe ich kein Problem. Dass Positionen unterschiedlicher politischer Lager miteinander verglichen werden, ist nicht ungewöhnlich. Der Wettbewerb der Argumente ist Demokratie pur. Aber das gesamte Vorgehen ist unglücklich. Die Leute können das möglicherweise nicht mehr unterscheiden: Was ist Kritik an politischen Positionen anderer Parteien? Was ist Kritik an Personen, welche diese Parteien und ihre Positionen vertreten? Aber es lässt sich nicht wegdiskutieren: diese Kampagne ist schlecht umgesetzt. Erst recht im Kanton Luzern, das wird hier nicht goutiert und ist auch nicht der Stil unserer Partei und ihrer Mitglieder.

Ihrer Partei, der CVP, werden Verluste am 20. Oktober vorausgesagt. Was, denken sie, sind die Gründe?

Priska Wismer-Felder: Wenn wir das ganz genau wüssten, könnten wir daran arbeiten. Grundsätzlich, und das ist bekanntlich nicht neu, ist es schwieriger, in der Mitte zu politisieren als an den Polen. Politische Positionen, die plakativ und provokativ vertreten werden, kommen halt einfach besser und vor allem medienwirksamer rüber. Demgegenüber sind differenzierte Botschaften, die zudem nicht lautstark vertreten werden, kommunikativ wesentlich anspruchsvoller. Daran leidet die CVP eindeutig: sie wird einerseits durch die Akzentuierungen und Pointierungen in den Lagern links und rechts von ihr und andererseits durch die ganze Art, wie heute Politik gemacht – und vor allem medial transportiert wird – aufgerieben.

Ihre Partei tritt an mit dem Slogan: «Wir halten die Schweiz zusammen». Das tönt gut und ist gewiss nicht falsch. Können sie das dennoch genauer erklären? Und: Hält die CVP eigentlich auch den Kanton Luzern zusammen?

Priska Wismer-Felder: Ja, gewiss! Auch wenn wir zurückblicken, was im Kanton Luzern in den letzten Jahren gelungen ist – zum Beispiel das Energiegesetz –, haben wir als Partei eine wichtige Rolle gespielt, weil wir mit den anderen Parteien gut zusammengearbeitet und gute Kompromisse zustande gebracht haben. Handkehrum sieht man auf Bundesebene, wie jetzt in den Medien die Legislaturbilanz ausfällt und wie unisono festgestellt wird: Man hat so gut wie nichts zustande gebracht.

Im Kanton Luzern ist die CVP und damit die Mitte stärker als in anderen Kantonen. Das ist für mich so etwas wie ein Beweis, dass die Aussage, wir hielten die Schweiz zusammen, mehr als ein Slogan ist, sondern eine Tatsache.

Ihre Partei deckt – noch immer – ein breites Spektrum ab, jedenfalls, wenn man sie mit der SVP, der FDP oder der SP vergleicht. Sie selber positionieren sich klar als Christlichsoziale. Sind sie deswegen nicht oft in der Minderheit? Insgesamt ist die CVP des Kanton Luzern ja nicht wirklich eine «linke CVP», sondern eher eine «rechte CVP».

Priska Wismer-Felder: Der Wirtschaftsflügel mag in der Kantonsratsfraktion etwas stärker sein als wir Christlichsozialen. Ich habe aber das bestimmte Gefühl, dass in den Ortsparteien, also an der Basis, das christlichsoziale Gedankengut noch immer tief verwurzelt ist, auch wenn man dem nicht immer explizit so sagt. Ich mag es nicht, wenn man immer dieses Links-rechts-Schema verwendet, aber ich spüre immer wieder, dass Grundwerte wie soziale Gerechtigkeit, die Sorge um die Umwelt, erst recht natürlich um die Familien und damit auch um die Jugend fest verankert sind in unserer Partei.

Aber die ganze Geschichte mit den Prämienverbilligungen und deren Rückforderung: Mit Verlaub – das war nicht «sehr christlich».

Priska Wismer-Felder: Wir dürfen eines nicht vergessen: Wegen der Ablehnung der Steuererhöhung am 21. Mai 2017 hatten wir einen budgetlosen Zustand und konnte keine Zahlungen tätigen, die nicht gesetzlich verankert waren. Man hat das Geld dort geholt, wo es gesetzlich nicht «geschützt» war. Falls die Initative zur Prämienverbilligung oder der Gegenentwurf angenommen werden, ist nicht mehr möglich, was damals passiert ist und darüber bin ich sehr froh. Ich füge aber klar bei: Die CVP war für die Steuererhöhung, im Unterschied zur SVP, der wegen dieser leidigen Geschichte niemand einen Vorwurf macht. Das musste auch wieder mal gesagt sein.

Von neun KandidatInnen auf der Hauptliste der CVP sind deren fünf Vorstandsmitglieder der CVP-nahen AWG, der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft, also klare WirtschaftsvertreterInnen. Sind sie als Christlichsoziale so etwas wie «linke Dekoration», um nach aussen den «schönen christlichen Schein»» zu wahren?

Priska Wismer-Felder: Ich bin nicht die Einzige! Mit Karin Stadelmann aus der Stadt Luzern kandidiert sogar die Co-Präsidentin der Christlichsozialen Vereinigung. 

Wir wahren keinen «Schein» gegen aussen. Vielmehr zeigt die Vielfalt unserer Kandidaten mit ihren unterschiedlichen Hintergründen die ganze breite unserer Partei. Zudem unterscheiden uns vielmehr unterschiedliche Gewichtungen von Themen als unterschiedliche Positionen vom Wirtschaftsflügel.

Immerhin kann auch CVP-Bundesrätin Viola Amherd als Christlichsoziale bezeichnet werden. Sie ist brillant gestartet und könnte eine Position erreichen wie sie Doris Leuthard erreicht hat, nämlich zum Aushängeschild ihrer Partei werden. Wie gefällt ihnen Viola Amherd?

Priska Wismer-Felder: Sie gefällt mir – und weiss Gott nicht nur mir – sehr gut! Sie hat eine gute Ausstrahlung, ist authentisch, dossiersicher, ehrlich, hat Humor und grosse politische Erfahrung und sie hat sich unter anderem bereits als Stadtpräsidentin von Brig bewährt.

Sie sind Lehrerin, Bäuerin, Jodlerin, Mutter von fünf erwachsenen Töchtern und seit 2011 Kantonsrätin. Zudem planen sie und ihr Mann  Windenergieanlagen, welche sie als Bürgerprojekt verwirklichen wollen und voraussichtlich 20 Millionen Franken kosten werden. Ökologische Anliegen gehören offensichtlich zu ihren Kernthemen. Was sagen sie einem «Klima-Lügner»?

Priska Wismer-Felder: Dass er offensichtlich die Fakten nicht studiert hat und die sind nun definitiv klar. Die Wissenschafter sind sich einig, dass der menschliche Einfluss auf die Erderwärmung nachgewiesen ist.

Mein Mann und ich beschäftigen uns tatsächlich schon lange mit ökologischen Themen und dem Ausbau von erneuerbaren Energien.

Wir heizen mit Holz, sind zu einem grossen Teil Selbstversorger, haben eine Wärmerückgewinnung bei der Milchkühlung, besitzen seit zehn Jahren eine Fotovoltaikanlage und fahren ein Elektroauto, das wir mit unserem eigenen Strom beladen. Und vor allem planen wir diesen Windpark, der zwar immer konkreter wird, aber auch enorm viel Geduld und «Schnuuf» erfordert (siehe unten: Das ist das Windkraftprojekt der Wismers).

Sie haben bei den Kantonsratswahlen am 31. März dieses Jahres im Wahlkreis Sursee mit 9968 Stimmen (vor Thomas Meier, FDP, mit 9427 Stimmen) das beste Ergebnis aller Kandidierenden erzielt. Ist diese Vielfältigkeit Ihrer Biografie mit ein Grund für ihre Popularität?

Priska Wismer-Felder: Ich habe verschiedene Lebenswelten, die sich in meinen politischen Themen spiegeln. Das sind die Sozial-, Bildungs- und Umweltpolitik und natürlich die Landwirtschaftspolitik, in der ich als Bäuerin und somit als Praktikerin mitreden kann.

Sie haben vor vier Jahren bei den Nationalratswahlen 30 445. Stimmen erreicht, das sind nur 138 Stimmen weniger als Andrea Gmür, die gewählt worden ist. Hat es sie am 18. Oktober 2015 «gefuxxt», dass sie so haarscharf nicht gewählt worden sind?

Priska Wismer-Felder: Zuerst schon, aber nicht lange. Ich hatte deswegen Zeit, an einer CD mitzuwirken, die unsere jüngste Tochter Arlette unmittelbar nach dieser Wahl mit eigenen Liedern einspielte. Das wurde eine sehr schöne CD und ein tolles Erlebnis für die ganze Familie, die ebenfalls mitmachte. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen und ich hätte sie aus zeitlichen Gründen nicht machen können, wenn ich gewählt worden wäre.

Die Chancen, am 20. Oktober als Nationalrätin gewählt zu werden, sind jetzt geringer als vor vier Jahren, weil der Kanton Luzern einen Sitz weniger hat (neu: neun Sitze) und weil der dritte CVP-Sitz wackelt. Und doch treten sie wieder an.

Priska Wismer-Felder: Ja, das ist so, dessen bin ich mir bewusst. Wichtig ist, dass wir alle in der CVP vollen Einsatz leisten, um unsere drei Sitze halten zu können und zwar bis zum Wahlsonntag. Wenn uns dies gelingt, so wird nebst den Bisherigen eine neue CVP-Person im Dezember vereidigt werden, da ich überzeugt bin, dass Andrea Gmür den Sprung in den Ständerat schaffen wird.

Aber wenn es für mich wieder nicht klappen sollte, so geht die Welt auch 2019 nicht unter.

Sie sind wie gesagt auch Jodlerin, eine exzellente sogar. Sie besingen also eine heile Welt, die es so nicht mehr gibt.

Priska Wismer-Felder: Das höre ich immer wieder. Man muss die Texte, die wir singen, aus der Zeit heraus verstehen, in der sie geschrieben worden sind. Dass sehr viele von ihnen noch heute so beliebt sind, spricht allerdings für sie. Und vor allem entstehen immer wieder neue Texte und auch neue Melodien, die zum Teil ohne Worte auskommen und die Menschen berühren können. Auch das sind Gründe, weshalb die Volksmusik eine neue Renaissance erlebt.

Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


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Priska Wismer-Felder (1970), Rickenbach, ist seit 2011 CVP-Kantonsrätin. Am 31. März 2019 ist sie mit dem besten aller Ergebnisse im Wahlkreis wiedergewählt worden.

Die Website von Priska Wismer Felder:
http://www.cvp-luzern.ch/menschen/priska-wismer-felder

Priska Wismer-Felder auf der Website des Kantonsrates:
http://www.lu.ch/kr/mitglieder_detail?Id=e96f9ecb8dbc4c24a46321293402a08c&Name=wismer-felder&Firstname=priska