das gesamte meinungsspektrum lu-wahlen.ch - Die Internet-Plattform für Wahlen und Abstimmungen im Kanton Luzern

Spenden für Verein lu-wahlen.ch

Diese Website gefällt mir! Um weitere Beiträge darauf zu ermöglichen, unterstütze ich lu-wahlen.ch gerne mit einem Betrag ab CHF 10.-

Kolumne von Priska Wismer-Felder

26.03.2019

«Die CVP ist in der Umweltpolitik sehr gut aufgestellt und unterwegs: Das Energiegesetz trägt unsere Handschrift»

Bäuerin, Lehrerin, Sozial- und Umweltpolitikerin, Mutter von fünf Töchtern, Jodlerin der Extraklasse: Was CVP-Kantonsrätin Priska Wismer-Felder (Rickenbach) sagt, hat «Händ ond Füess».


Priska Wismer (Rickenbach) kandidiert am 31. März im Wahlkreis Sursee für die CVP wieder für den Kantonsrat, dem sie seit 2011 angehört.

Bild: Herbert Fischer

Herbert Fischer: Was sagen sie zum Ausgang der Zürcher Wahlen vom Sonntag?

Priska Wismer-Felder: Man wollte in weiten bürgerlichen Kreisen lange Zeit offensichtlich nicht wahrnehmen und auch nicht wahrhaben, dass der Klimawandel uns Menschen direkt betrifft und auf dem Sorgenbarometer einen Spitzenplatz einnimmt. Gewiss spielte auch der Hitzesommer 2018 eine Rolle. Wir mussten zwar für unseren eigenen Bauernhof dank unserer Lage und einer sehr guten Quelle kein Wasser zuführen. Aber wir kennen sehr viele Bauern, die genau das mussten.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich das politisch manifestiert. Das war am Wochenende im Kanton Zürich der Fall – in einem Ausmass allerdings, das kaum jemand so erwartet hätte.   

Wie ist eigentlich die CVP umweltpolitisch aufgestellt?

Priska Wismer-Felder: Die CVP ist sehr gut aufgestellt. Das zeigen unsere Positionspapiere. Sorgfältiger, verantwortungsbewusster Umgang mit den Ressourcen, der Schutz der Lebensräume, die 2000 Watt-Gesellschaft, dezentrale Energieversorgung, die Förderung erneuerbarer Energien: Das alles ist in unseren Positionspapieren schon lange festgeschrieben.

Es ist überhaupt nicht so, wie vielfach der Anschein erweckt wird, dass Energiepolitik nur ein Thema linker und grüner Parteien ist. Als bürgerliche Partei unterstützt die CVP schon sehr lange eine nachhaltige Energiepolitik. Und die Umsetzung der Energiestrategie 2050 ist für uns ein verbindlicher Auftrag.

Einen ersten Schritt dahin haben wir mit dem neuen Energiegesetz gemacht, das deutlich die Handschrift der CVP trägt. Der Kanton Luzern ist neben den Kantonen Waadt und Basel Stadt der einzige, in dem das Energiegesetz – bisher – in Kraft gesetzt wurde.

Kantonsrätin Yvonne Hunkeler (Grosswangen) beeilte sich am Tag nach den Zürcher Wahlen vom letzten Sonntag (24. März) in einem Leserbrief festzustellen, eine «bürgerliche Klimapolitik» sei sehr wohl möglich. Sie erwähnte unter anderem den Atomausstieg, der unter CVP-Energieministerin Doris Leuthard erfolgt sei (siehe unter «In Verbindung stehende Artikel»). Sehen sie das gleich?

Priska Wismer-Felder: Das sehe ich genau gleich wie Yvonne Hunkeler. Der Atomausstieg hat sehr viele Konsequenzen, an deren Umsetzung wir nun arbeiten. Zum Beispiel den Umstieg auf erneuerbare Energien, die wir im Inland fördern müssen. Sonst müssten wir auf ausländischen Strom zurückgreifen, was ökologisch ein absoluter Blödsinn wäre. Es geht darum vermehrt aufzuzeigen, was wir erreicht haben und was noch erreicht werden muss.

Es ist ja keineswegs so, dass «nichts geschieht», wie da und dort behauptet wird. Unsere Leistungsbilanz darf sich gewiss sehen lassen und wir werden auch in Zukunft auf diese Ziele hinarbeiten.

Sie führen selber in Rickenbach einen Bauernhof. Welche Rolle spielt da die Ökologie?

Priska Wismer-Felder: Als Bauern sind wir wie kaum ein anderer Beruf auf die Natur angewiesen, dessen sind wir uns sehr wohl bewusst. Allein schon deswegen haben wir ein ureigenes Interesse an einer intakten Umwelt. Wir leben mit und von der Natur. Wir sind kein Bio-Betrieb, aber wir haben ökologische Ausgleichsflächen, die grösser sind, als vom Gesetzgeber verlangt. Wir führen unseren Betrieb nach den Richtlinien der integrierten Produktion. Wir haben mit der Pflanzung von Hecken und dem Errichten von Kleinstrukturen Lebensraum für einheimische Vögel und Kleinlebenwesen geschaffen, die Biodiversität wird bei uns gross geschrieben.

Als Bauern haben wir einen politischen Auftrag, nämlich die Versorgungssicherheit unseres Landes sicherzustellen und Produkte herzustellen, die hohen ökologischen und qualitativen Anforderungen genügen. Beidem leben wir nach. Durch unsere einheimischen Produkte können wir unnötige Importe verhindern.

Eines aber wollen wir nicht: Uns wie das Freilichtmuseum Ballenberg als kitschiges Idyll präsentieren.

Vielleicht gerade, weil sie dies nicht tun, gelten Bauern gelegentlich als «Lieblingsfeinde» vieler Ökofundis? Fühlen sie sich mitunter als «Angeklagte»?

Priska Wismer-Felder: Bis vor – sagen wir einmal – etwa 50 Jahren hatten in diesem Land alle Menschen einen mehr oder weniger direkten persönlichen Bezug zur Landwirtschaft. Das ist heute so nicht mehr der Fall. Der breiten Bevölkerung ist vieles schlichtweg nicht bewusst, womit wir uns in unserem Berufsalltag auseinandersetzen. In der Landwirtschaft müssen wir vermehrt lernen, den Menschen unsere Arbeit und unsere Aufgabe zu erklären und näherzubringen. Das Gespräch mit der urbanen Bevölkerung hilft dabei, Verständnis zu schaffen und Fragen zu klären.

Zurück zur Frage: Ja, ich komme mir oft als «Angeklagte» vor, ich scheue aber die entsprechenden Diskussionen überhaupt nicht.

Nehmen wir das Beispiel Ammoniak, das ist momentan ein Thema in der Landwirtschaft, welches viele Tierhalter enorm beschäftigt. Dass die Rinder, beziehungsweise ihre Ausscheidungen, heute mehr Ammoniak produzieren, hängt mit der tierfreundlicheren Haltung zusammen. Und zwar, weil sie nicht mehr in Anbindeställen gehalten werden, sondern freien Auslauf haben. Je länger ihr Harn auf den Wiesen oder Auslaufflächen von der Sonne bestrahlt wird, umso mehr Ammoniak wird freigesetzt, was nachteilige Auswirkungen aufs Klima hat.

Wir haben also bezüglich der tierfreundlichen Haltung ein Problem gelöst, allerdings zugleich ein neues geschaffen.

Was tun?

Priska Wismer-Felder: Wir müssen der Bevölkerung die Zusammenhänge immer wieder erklären und Verständnis schaffen. Man kann einfach nicht alles haben.

Von ihrem Mann Roland Wismer und ihnen war auch schon zu lesen, dass sie ein Projekt mit Windrädern planen? Können sie bereits mehr sagen?

Priska Wismer-Felder: Wir haben schon lange vor «Fukushima», also vor 2011, auf den Dächern unserer Scheunen Fotovoltaikanlagen eingerichtet. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und wollen drei Windräder bauen. Das ist ein sehr langer und aufwändiger Prozess und wenn es gut läuft, kommt es im Sommer zur öffentlichen Auflage des Projekts. Wir sind optimistisch, weil viele Leute aus unserer Umgebung hinter uns stehen und zum Teil finanziell beteiligt sind. Mit 180 Metern Gesamthöhe werden die drei Windräder aber das Landschaftsbild prägen. Es hat allerdings noch nie ein solches Projekt gegeben, das keine Diskussionen und Widerstände ausgelöst hat.  

Sie sind selber auch Lehrerin: Was empfinden sie, wenn sie Stimmen hören, die sich darüber empören, dass Jugendliche die Schule schwänzen, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren?  

Priska Wismer-Felder: Ich muss schmunzeln. Wer nur die Schule schwänzen will, kann das auch ohne eine solche Demo. Wer die Diskussion über diese Jugendlichen aufs Schule schwänzen reduziert, nimmt sie und ihre Anliegen nicht ernst.

Sie positionieren sich klar als Christlichsoziale und machen mit bei der Christlichsozialen Vereinigung (CSV), die letztes Jahr gegründet worden ist. Warum?

Priska Wismer-Felder: Wir wollen erreichen, dass innerhalb der CVP bestimmte Themen wieder mehr Gewicht erhalten. Das sind vor allem die Ökologie und Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Ich erhoffe mir auch, dass wir Menschen wieder eine politische Heimat geben können, die bürgerlich denken, aber nachhaltige Lösungen in den eben genannten Themen vermissen.

Sie engagieren sich im überparteilichen Komitee, das die SP wieder in der Luzerner Regierung haben will. Warum?

Priska Wismer-Felder: Ich bin überzeugt, dass die Konkordanz die richtige Lösung ist. Dies bedeutet, dass die stärksten politischen Kräfte in die Regierung eingebunden werden müssen. Dazu gehört die Linke eindeutig. Das hat sich auch im Kanton Luzern so bewährt und zwar von 1959 bis 2015, als die SP in der Luzerner Regierung vertreten war. In meinen ersten vier Jahren als Kantonsrätin (2011 bis 2015) habe ich erlebt, dass die SVP nicht vertreten war, seit 2015 ist es die SP nicht mehr. Beides war und ist nicht gut.

Die Regierung trifft besser abgestützte und somit vor dem Parlament auch erfolgreichere Entscheide und Vorlagen, wenn die Konkordanz funktioniert. Bei den kommenden Wahlen haben wir die Gelegenheit, die fehlende Konkordanz wieder herzustellen.

Was denken sie: Hat Jörg Meyer eine Chance, gewählt zu werden?

Priska Wismer-Felder: Jörg Meyer ist ein konsensfähiger und über die Parteigrenzen hinweg anerkannter Politiker. Er hat alle Eigenschaften, die es für dieses Amt braucht. Von daher sind seine Chancen intakt. Es ist offensichtlich und das sehen und wissen ja alle: Marcel Schwerzmann versperrt ihm und der SP den Weg in die Regierung. Ich will die Arbeit von Marcel Schwerzmann keineswegs ignorieren oder kleinreden, er hat seine Verdienste. Aber es ist nun einmal so: Ein Parteiloser verhindert die Einbettung aller relevanter politischer Kräfte in die Regierung und passt somit nicht in unser politisches System. Ich bin klar dafür, dass die SP in die Regierung zurückkehrt, aktuell vertreten durch Jürg Meyer.

Sie sind Co-OK-Präsidentin des Schweizer Kinder- und Jugendchorfestivals SKJF 19, welches vom 30. Mai bis 2. Juni in Luzern stattfindet. Was darf Luzern von diesem Festival erwarten?

Priska Wismer-Felder: Das Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival ist das grösste Festival dieser Art in der Schweiz. Es findet alle zwei Jahre statt. Es ist uns gelungen, die Austragung in diesem Jahr nach Luzern zu locken. Es werden während drei Tagen verschiedene Konzerte in der ganzen Stadt stattfinden: im Luzerner Saal des KKL, auf dem Gelände der Messe Luzern, auf verschiedenen Plätzen, in Kirchen und auf Schiffen. Während dieser Zeit wird das Stadtleben mit gesangsfreudigen Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Schweiz bereichert.

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern


Teilen & empfehlen:
Share    
Kommentare:

Keine Einträge

Kommentar verfassen:

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Letzte Beiträge von Priska Wismer-Felder:

Keine Artikel in dieser Ansicht.