das gesamte meinungsspektrum lu-wahlen.ch - Die Internet-Plattform für Wahlen und Abstimmungen im Kanton Luzern

Spenden für Verein lu-wahlen.ch

Diese Website gefällt mir! Um weitere Beiträge darauf zu ermöglichen, unterstütze ich lu-wahlen.ch gerne mit einem Betrag ab CHF 10.-

Kolumne von Nico van der Heiden

19.03.2012

Falls die beiden Bisherigen bereits am 6. Mai gewählt werden, sieht alles ganz anders aus

Politikwissenschafter Nico van der Heiden antwortet Politikwissenschafter Olivier Dolder auf dessen Beitrag zum Fremdstimmenanteil der StadtratskandidatInnen bei den letzten Parlamentswahlen, an denen sie sich beteiligt haben.


Olivier Dolder prognostiziert in seinem Artikel vom 16. März 2012 gute Chancen für einen grünliberalen Stadtratssitz. Die drei Szenarien (fünfter Sitz entweder an SP, GLP oder SVP - ansonsten konstante parteipolitische Zusammensetzung mit je einem Sitz für FDP, CVP, SP und Grüne) sind sehr plausibel. Ebenfalls einleuchtend ist die Argumentation, dass die Grünliberale Kandidatin Manuela Jost Chancen hat, gewählt zu werden, wenn sie von Wählerinnen und Wählern der Mitte-Parteien CVP und FDP fleissig panaschiert wird. 

Dass dem so sein wird, glaubt der Autor durch die Panaschierstatistik vergangener Legislativ-Wahlen erklären zu können. Er erwähnt dabei, dass «diese Angaben nicht direkt auf die Stadtratswahlen übertragen werden [können], da es sich um Resultate von Parlamentswahlen handelt». Meines Erachtens dürfen sie jedoch schlicht und einfach gar nicht übertragen werden.

Majorz- und Proporzwahlen folgen ganz unterschiedlichen Logiken. So ist es beispielsweise erwiesen, dass kleine Parteien (wie die GLP) fast immer mehr Panaschierstimmen erzielen als grosse Parteien. Dass Manuela Jost mehr Panaschierstimmen erzielt hat als ihre Konkurrenten, hat damit auch sehr viel mit ihrer Parteizugehörigkeit, und nicht nur mit ihrer Person zu tun. Ob dies bei Exekutivwahlen ebenfalls der Fall ist (wo es noch viel mehr um die Person und weniger um das Parteibuch geht), ist keineswegs erwiesen. 

Zudem werden auch noch Proporzwahlen von Kanton und Stadt und von verschiedenen Zeitpunkten (2004, 2007, 2009, 2011) in einen Topf geworfen. Hier ist die Vergleichbarkeit zwischen den Kandidierenden ganz sicher nicht gegeben. 

Auch basiert die Argumentation auf der Annahme, dass es nur um den fünften Sitz einen zweiten Wahlgang geben wird. Auch dies scheint mir alles andere als klar zu sein. Ein anderes Szenario, das bei der relativ hohen Hürde des absoluten Mehrs im Kanton Luzern durchaus auch denkbar wäre: Nur die beiden bisherigen Stadträte werden im ersten Wahlgang wiedergewählt. Dann sieht alles plötzlich ganz anders aus.

Fazit aus meiner Sicht: Zu viele Unsicherheiten für eine solide politikwissenschaftliche Prognose! 

Nico van der Heiden, Luzern


Teilen & empfehlen:
Share    
Kommentare:
Anzeige: 1 - 1 von 1.
 

Olivier Dolder aus Luzern

Montag, 19.03.2012, 19:01 · Mail

Lieber Nico

Ich gehe mit dir einig, dass es viele Unsicherheiten gibt. Ebenfalls einverstanden bin ich, dass es sich bei meinem Artikel nicht um eine wissenschaftlich fundierte Prognose handelt. Aber das muss es auch nicht. So verstehe ich meine Prognose auch als Diskussionsgrundlage und als Beitrag zur Präsentation der Kandidierenden.

Gerne hätte ich für meinen Artikel aktuelle Resultate von Befragungen oder Entwicklungen von Wahlbörsen verwendet. Doch leider gibt es weder Befragungen noch Wahlbörsen zur aktuellen Wahl. Gerne hätte ich auch die Resultate der Kandidierenden bei Exekutivwahlen verwendet. Doch leider gibt es diese Resultate nur von drei Kandidierenden. Und selbstverständlich hätte ich auch lieber die Resultate der Kandidierenden vom selben Jahr verwendet. Doch – und so ist nun mal die Realität – die idealen Quellen existieren nicht.

Trotzdem wollen die Leute Prognosen und trotzdem sind Prognosen spannend. Aus diesem Grund mein Artikel.

Richtig stellen muss ich, dass ich nirgends prognostiziert habe, dass nur der fünfte Sitz im zweiten Wahlgang vergeben wird. So bin ich der Auffassung, dass es sogar wahrscheinlich ist, dass mehrere Sitze im zweiten Wahlgang vergeben werden.

Viele Grüsse
Olivier

 
 
Kommentar verfassen:

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Letzte Beiträge von Nico van der Heiden:

13.04.2016 » Nico van der Heiden
29.02.2016 » Nico van der Heiden
21.09.2015 » Nico van der Heiden

Über Nico van der Heiden:

Nico van der Heiden (*1979) ist promovierter Politologe. Er arbeitet beim Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte als Leiter Politik und Kommunikation. Seit 2011 ist er SP-Grossstadtrat, am 6. Mai 2012 ist er wiedergewählt worden. 

Van der Heiden-Vorstösse im Grossen Stadtrat:

http://www.stadtluzern.ch/de/politik/ggr/polgeschaefte/?uz=NICO