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Kolumne von Urs Dickerhof

11.03.2013

Was Präsident Urs Dickerhof heute im Kantonsrat zum Drama von Menznau sagte

Kantonsratspräsident Urs Dickerhof (SVP/Emmen) hielt heute zur Eröffnung der Parlamentssession eine eindrückliche Rede, um der Opfer von Menznau zu gedenken. Er fragte auch nach dem unvermeidlichen «Warum?». lu-wahlen.ch stellt hier das Manuskript der Rede des höchsten Luzerners online.


Geschätzte Kantonsrätinnen, geschätzte Kantonsräte, Herr Regierungspräsident, Frau Regierungsrätin, Herren Regierungsräte, meine Damen und Herren

Eine nicht leichte Aufgabe für den Kanton, den Kantonsrat und die Regierung:

Wir gedenken heute der Opfer des furchtbaren Verbrechens vom 27. Februar 2013 in Menznau. 

«Nichts ist mehr, wie es war.» 

Dieser verzweifelte Satz war in den letzten Tagen oft zu hören: in Menznau, in Buttisholz, in Schüpfheim, im ganzen Kanton und in vielen anderen Orten, in der ganzen Schweiz. Ein Mensch hat Mitmenschen getötet. Er hat gemordet und er hat viele an Leib und Seele verletzt. Er hat Familien in Trauer und Verzweiflung gestürzt – auch seine eigene. 

Wie kann ein Mensch so etwas tun?

Uns quälen immer wieder die gleichen Fragen: Wie konnte das geschehen? Wie kann ein Mensch so etwas tun? Gab es keine Alarmsignale, keine Zeichen, auf die man hätte reagieren können? Wir sind ratlos und wir spüren, dass schnelle Erklärungen so wenig helfen wie schnelle Forderungen. Es ist wahr: Amokläufe führen uns auf schmerzliche Weise vor Augen, wie verletzlich und zerbrechlich unser Leben ist, wie trügerisch unser Gefühl von Normalität und Sicherheit. Bis jetzt ist immer alles ein wenig weit weg gewesen. Dann passiert es bei uns, wie aus heiterem Himmel, wie ein Blitzschlag. Wir spüren, wie uns plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wir suchen Halt: bei Freunden und Angehörigen, bei Menschen, die das gleiche Schicksal erlitten haben; im Glauben an Gott.

Ja, wir haben Angst und sind ratlos.

Wir haben in den letzten Tagen auf schmerzliche Weise gespürt, was wirklich wichtig ist im Leben. Wirklich wichtig ist, dass wir spüren, wenn einer verletzt ist, nicht nur physisch, sondern auch psychisch, und Hilfe braucht. Dass wir uns unserer eigenen Verletzlichkeit und unserer eigenen Grenzen bewusst sind. Wir brauchen den Trost, das Schweigen, das Zuhören und das Einfach-nur-Dasein unserer Mitmenschen. Wirklich wichtig ist, dass wir uns umeinander kümmern, dass wir uns gegenseitig annehmen und dass wir füreinander da sind. Ich danke allen, die geholfen haben und dabei oft bis an ihre eigenen Grenzen gegangen sind, den freiwilligen Helfern, den Polizisten, Rettungskräften, Ärzten, Psychologen und Seelsorgern. Aber auch der Leitung der Firma Kronospan, die mit Umsicht und viel Feingefühl in dieser schweren Stunde ganz nahe bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist und mit ihnen trauert. Und ich danke allen, die in den vergangenen Tagen füreinander da gewesen sind. 

Unser Kanton steht in der Stunde der Trauer zusammen.

Wir gedenken heute den Verstorbenen und wünschen allen Angehörigen viel Kraft und dass sie aus der Verzweiflung und dem Nicht-verstehen-Können den Weg zurück finden.

Um ein Zeichen zu setzen, darf ich die Standesweibelin bitten, die Kerze zu entzünden, als kleines Zeichen in Gedenken an die Verstorbenen. Wir denken aber auch an die Verletzten und wünschen ihnen, dass sie bald gesund werden und in den geregelten Alltag zurückfinden.

Sie, meine Damen und Herren, darf ich bitten, im Gedenken an alle Opfer sich von den Sitzen zu erheben.


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Über Urs Dickerhof:

Urs Dickerhof (SVP/Emmen) ist im April 2011 als Kantonrat wiedergewählt worden, den er 2013 präsidiert. Im Gemeinderat Emmen führt er das Finanzressort.