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Kolumne von Hermann Suter

13.04.2011

Noch liegt Nebel über dem Schlachtfeld…

Der Wahlsonntag hat verschiedene Überraschungen gebracht. Während bei den Verlierern Ratlosigkeit und Konsternation herrscht, frohlocken die Sieger mehr oder weniger verhalten. So recht wird man mit den Ergebnissen kaum glücklich und was sie für die Zukunft unseres Kantons Luzern bedeuten, bleibt ungewiss.


Seine Partei verlor im Kantonsrat sechs von 29 Sitzen, jetzt soll er für die FDP den einzigen Sitz in der Regierung holen: Willisaus Stadtpräsident Robert Küng.<br><br>Bilder: Herbert Fischer

Seine Partei verlor im Kantonsrat sechs von 29 Sitzen, jetzt soll er für die FDP den einzigen Sitz in der Regierung holen: Willisaus Stadtpräsident Robert Küng.

Bilder: Herbert Fischer

Seine Partei verlor im Kantonsrat sieben von 45 Sitzen, jetzt soll er für die CVP den zweiten Sitz in der Regierung holen: Rothenburgs Gemeindepräsident Reto Wyss.

Seine Partei verlor im Kantonsrat sieben von 45 Sitzen, jetzt soll er für die CVP den zweiten Sitz in der Regierung holen: Rothenburgs Gemeindepräsident Reto Wyss.

Nach all den Geschehnissen der jüngeren und jüngsten Vergangenheit (Stichworte wie Swissairgrounding, Bankenskandal, Abzockerdiskussion, Zwietracht im Bundesrat, Polarisierung usw. bis hin zu den globalen Katastrophen, welche besonders Japan heimgesucht und von hier aus die ganz grosse Angst vor den Folgen der Kernenergie geschürt haben) war es zu erwarten, dass sich die politische Landschaft selbst im «sonst so soliden Kanton Luzern» verändern würde und müsste. 

Die CVP ist nicht nur mit drei Persönlichkeiten in die Regierungsratswahl gestiegen (obwohl ihr gemäss Wähleranteil von 37% gerade einmal zwei Sitze zustehen), sondern auch mit dem Anspruch, eben diesen Wähleranteil auf 40% zu steigern. Das Resultat ist katastrophal: Wähleranteil knapp 32% (minus 8%) und Verlust von 7 Sitzen im Kantonsrat.

Massive Sitzverluste für CVP und FDP

Nicht besser sieht es für die FDP.Die Liberalen aus. Zwar hat ihr Kandidat für den Regierungsrat, Robert Küng, auf Anhieb ein sehr gutes Resultat erreicht und offensichtlich auch weit über die eigene Partei hinaus, Sympathien mobilisieren können. Andererseits sieht das Resultat für die FDP im Kantonsrat fast noch bitterer aus, als jenes, wie es die CVP eingefahren hat.  Die FDP.Liberalen sind mit noch gut 18% von der SVP auf den dritten Platz (punkto Fraktionsstärke im Kantonsrat) zurückgedrängt worden und haben 6 verlorene Sitze zu beklagen. Besonders schmerzlich muss es für beide «Mitte-Parteien» sein, dass bewährte bisherige Ratsmitglieder abgewählt worden sind. Niederlagen sind immer auch Chancen. Jetzt kommt es darauf an, die Phase des «Wundeleckens und Trübsalblasens» so rasch wie möglich hinter sich zu lassen. Nun ist zeitverzugslos seriöse und nachhaltige «Manöverkritik» gefragt und neues Leben wird aus den Ruinen erstehen.

Relativer Erfolg für SVP

Die SVP kann sich zwar über den – in dieser Höhe unerwarteten – Gewinn von vier Sitzen im Kantonsrat freuen und ihr Parteipräsident kann natürlich von einem «Auftrag des Volkes» sprechen, der dieser Partei von der Wählerschaft erteilt worden sei. Aber der SVP-Regierungsratskandidat wird wohl auch in einem zweiten Wahlgang kaum eine Chance haben und das Proporzprinzip, für welches sich einzig und allein das Komitee 2-1-1-1 eingesetzt hat und sich hiefür weiter einsetzen wird, sieht diese Bemühungen (für die es durchaus gute Argumente gibt!) regelrecht pulverisiert.

Stunde der Wahrheit kommen für Grünliberale schneller als man glaubt

Die «neue Kraft», die nun auf dem politischen Parkett erscheint – die Grünliberalen – ist (wie es der ehemalige Generalsekretär der CVP, Hilmar Gernet, spitz formuliert hat) derzeit noch eine «Wundertüte». Tatsächlich wird diese junge Gruppierung in den nächsten Jahren zeigen müssen, ob sie den selbstgewählten Spagat zwischen hier «grün» und dort «liberal» zu bestehen, beziehungsweise zu überleben vermag.

Vorsicht vor Deutungskunst der Polit-Astrologen

Kaum sind jeweils die Urnen geschlossen, wird das Wahlvolk  mit ersten Hochrechnungen gefüttert und über Stunden hinweg unter «Prognosen-Strom» gehalten. Zoom-Aufnahmen von lachenden, verbissenen, versteinerten, grinsenden und triumphierenden Gesichtern sollen die TV-Zuschauerschaft antörnen. Sieger und Besiegte werden zu den Mikrofonen gezerrt und einem «Zwang-zum-Stellungnahmen-abgeben» unterzogen, dass einem die Betroffenen leid tun könnten. Und dann folgt die «Elefanten-Runde», an welcher die Bärenführer zuerst der kantonalen und hinterher der nationalen Parteien die Ergebnisse kommentieren müssen. Schliesslich wird das Ganze durch allerhand (vermeintliche) Experten und vor allem durch Polit-Astrologen aller Schattierungen und unterschiedlichster Qualität analysiert, seziert und kommentiert.

Komplexe und schwer fassbare Gründe

Das alles greift zu kurz und es ist grösstes Misstrauen gegenüber all diesen «Spontan-Erklärungen» walten zu lassen. Bei Verlusten und Veränderungen in einem solchen Ausmass, wie wir das eben im «behäbigen Kanton Luzern» erlebt haben, reichen die Dinge unendlich viel tiefer und sind die Gründe für diese dramatischen Veränderungen unendlich viel  komplexer, schwer erkennbar und schwer (er)fassbar.  Unsere Welt – auch die vermeintlich noch heile Welt zwischen Napf und Rigi - hat sich gerade in der jüngeren und jüngsten Vergangen mit einer Dynamik verändert, welche einem beinahe den Atem raubt. 

Diese Veränderungen fangen beim Wegbrechen traditioneller Familienstrukturen an, erfassen Schulen, Berufe, Kirchen undsoweiter und hören bei den Lebensweisen, beim Tanz um goldene Kälber und beim Entstehen einer «totalen Informationsgesellschaft» nicht auf. Auch der Wahlsonntag vom 10. April 2011 hat sich auf diesem immer wilder drehenden Karussell  abgespielt. Es käme  einem unverzeihbaren Fehler gleich, wollten vor allem die Verlierer nun einfach zur Tagesordnung übergehen. Es käme einem ebenso schweren Fehler gleich, wenn nun die  Sieger hoch zu Ross davongaloppieren würden. Die geschichtliche Erfahrung genauso wie die harte Realität holen Sieger und Verlierer immer wieder ein – im Guten, wie auch im weniger Guten. Was überdauert, sind liberale Grundwerte, sind die zehn Gebote und ist der Glaube, dass das Gute im Menschen letztlich obsiegt. 

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Die ganze Übersicht zu allen lu-wahlen.ch-Beiträgen zum Wahlausgang sowie den Hinweisen, Dateien und Links finden sich im Gastbeitrag von Hanns Fuchs:

http://www.lu-wahlen.ch/gastbeitraege/hanns-fuchs/news/2011/04/10/419-erdrutsch-mit-ueberschaubarem-flurschaden/


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Über Hermann Suter:

Dr. phil. Hermann Suter (Greppen) ist Historiker, war Rektor des Lehrerseminars der Stadt Luzern, Zivilschutzchef des Kantons Luzern, städtischer FDP-Präsident und -Grossrat.

Er kommandierte eine Fallschirmgrenadierkompanie und war in seiner aktiven Dienstzeit zuletzt als Oberstleutnant Chef des Truppeninformationsdienstes der Felddivision 8. Hermann Suter präsidiert die «Widerstandsgruppe GIARDINO»: http://gruppe-giardino.ch