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Kolumne von Claudio Soldati

06.12.2011

Häusliche Gewalt geht uns alle an

Vom 25. November bis 10. Dezember 2011 läuft die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Organisiert wird diese wichtige Aktion vom Christlichen Friedensdienst (cfd), legt das Augenmerk auf Wege aus der Gewalt und zeigt auf, dass das Thema nicht nur individuelles sondern ebenso sehr ein kol­lektives Problem einer Gesellschaft ist.


PolizeibeamtInnen rücken täglich aus um in Fällen von häuslicher Gewalt zu intervenieren. Trotz­dem sterben in der Schweiz jährlich rund 20 Frauen aufgrund von Verletzungen, welche ihnen der Lebenspartner zugefügt hat (der Anteil der getöteten Männer ist signifikant kleiner). 20% aller Frau­en in der Schweiz werden im Verlauf ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt. Fakten die scho­ckieren und sprachlos machen. Doch wo liegen die Ursachen dafür und wie hat unsere Gesellschaft darauf zu reagieren?

Fehlende Forschungsergebnisse, nur Ansätze

Differenzierte empirische Daten zu Gewalt in der Partnerschaft fehlen leider weitgehend, weil die Finanzierung auf politischer Ebene von den bürgerlichen Parteien blockiert wird. Wir müssen uns also zu diesem Zeitpunkt noch mit Ansätzen begnügen.

Der cfd macht vorderhand die ge­sellschaftliche Rollenverteilung und das damit verbundene Machtgefälle zwischen Mann und Frau dafür verantwortlich. Entsprechend würden bei SchweizerInnen die weiblichen Attribute Genüg­samkeit, Folgsamkeit und Unterwürfigkeit und die männlichen Leistung, Stärke und Macht  vor­herrschen. Dass diese Rollenbilder von einem Teil der Bevölkerung geteilt werden und dies ein Fak­tor für Gewalt in der Partnerschaft darstellt, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Wenn die Gesellschaft Rahmenbedingen schafft, welche Gewalt begünstigen, sind wir alle angesprochen aktiv zu werden, wir sind gar auch verantwortlich dafür. Wir müssen endlich von der Vorstellung Abschied nehmen, dass häusliche Gewalt ledig­lich ein individuelles Problem (resp. ein Partnerschaftsproblem) darstellt und entsprechend nicht al­leine und isoliert angegangen werden kann.  

Der Psychologe Andreas Jost der Berner Fachstelle „Stopp Männer Gewalt“ sagt in einem Beitrag vom Echo der Zeit, dass Gewalt ein Zeichen von Ohnmacht sei. Er führt weiter aus, dass Männer ihren Frauen oft verbal unterlegen seien und sie sich durch Gewalt die männliche Machtposition wieder aufbauen könnten. Diese fachmännische Kurzanalyse lässt uns zwei wichtige Aspekte erkennen. 1. Gefühlen wird also mit Fäusten anstatt mit Gesprächen Ausdruck verschafft. 2. Individuelles Handeln und Gesellschaft korrelieren. Die von der Gesellschaft zugeordneten Rollen (hier Machtpostion des Mannes) spielt bei der Gewalt massgeblich eine Rolle. 

Alle gesellschaftlichen AkeurInnen sind einzubinden

Kollektive Problematiken müssen seitens der Politik, der Wirtschaft und alles weiteren AkteurInnen angegangen werden. In der Wirtschaft müssen diskriminierende Praktiken wie die Lohnungleichheit von durchschnittlich 20% eliminiert werden. Damit wird erreicht, dass Männer und Frauen über dieselbe ökonomische Leistungskraft verfügen. Die Kampagne des cfd fordert, dass genügend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit der Ausbau von Beratungsstellen für Täter und Opfer gewährleistet werden kann. Weiter wird gefordert, dass die Diskriminierungen gegenüber von Migrantinnen gestoppt wird. Es gehe nicht an, dass Frauen aus nicht EU- oder EFTA-Staaten ihr Aufenthaltsrecht verlieren, nur weil sie sich aus einer gewalttätigen Ehe lösen. 

Diesen Forderungen ist meiner Ansicht noch anzufügen, dass alle öffentlichen Schulen dazu verpflichtet werden sollen spezifische Workshops zu den Themen Gender, Rollenbilder und Sexismus durchzuführen, damit Kinder und Jugendliche frühstmöglich damit sensibilisiert werden können. Weiter müssen Gelder für die Forschung gesprochen werden, damit umfassende Daten über Ursachen von Gewalt in der Partnerschaft erhoben werden, womit in einem zweiten Schritt eingehende Massnahmenpakete erarbeitet werden können.

Alle Aufgaben zur Überwindung von Gewalt sind jedoch nicht zu delegieren, wir alle sind mit unseren Möglichkeiten entsprechend dafür verant­wortlich, dass eine Gesellschaft entsteht, in welcher soziale Geschlechterdifferenzen über­wunden sind, Gleichheit und Gerechtigkeit obsiegen.


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Über Claudio Soldati:

Claudio Soldati (*1984) ist im Kanton Obwalden aufgewachsen und lebt seit fünf Jahren in der Stadt Luzern. Nach der Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten hat er das Studium an der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit absolviert und abgeschlossen. Heute arbeitet er als Sozialarbeiter FH in einem Sozialdienst im Kanton Zug.

Er ist Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Stadt Luzern, Mitglied der JungsozialistInnen, der Gewerkschaft vpod, des Berufsverbandes AvenirSocial, von Greenpeace und Erklärung von Bern (EvB).