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Kolumne von Peter Schilliger

18.08.2019

Ja zur CO2-Kompensation, aber bitte zu gleichen Bedingungen für alle Verkehrsträger

Ferienzeit bedeutet für Viele Reisezeit. So auch für meine Frau und mich. Diesen Sommer zog es uns zur Loire und in die Bretagne. Die Reise unternahmen wir mit unserem fast 20 Jahre alten Cabriolet. Zurück bleiben schöne Erinnerungen an interessante Begegnungen, malerische Strecken und Orte, aber auch die Frage nach der Bedeutung unserer Autoreise bezüglich CO2 und einer fairen Klimapolitik.


Peter Schilliger (Udligenswil) ist seit 2012 FDP-Nationalrat. Er präsidiert zudem die TCS-Sektion Waldstätte.

Bild: Herbert Fischer

Auf unserer Reise legten wir rund 3400 Kilometer zurück. Der gesamte Benzinverbrauch lag bei 310 Litern. Das sind pro Person also 155 Liter. Das entspricht einem CO2-Ausstoss von 370 kg pro Person. Bei der geltenden Mineralölsteuer in der Schweiz bedeutet das für uns eine Abgabe von 113 CHF pro Person. Dazu kommen noch die Kompensationsabgaben, mit denen unser CO2-Ausstoss kompensiert wird: zurzeit maximal 5 Rappen pro Liter Benzin; das heisst, um die 7 Franken pro Person.

Die gleiche Reise hätten meine Frau und ich auch mit dem Flugzeug unternehmen können. Der Flug Zürich - Brest - Zürich schlägt mit 1900 Kilometern und einem CO2-Ausstoss von 444 kg zu Buche. Wer hier mit dem Flugzeug mit einem guten Gewissen unterwegs sein will, kann freiwillig über «myclimate» einen CO2-Zuschlag bezahlen. Kosten pro Person, wenn man Economy-Class fliegt: 13 CHF. 

Ob mit dem Auto oder mit dem Flugzeug – mit beiden Verkehrsmitteln leistet man eine CO2-Kompensation. Mit dem Flugzeug freiwillig, mit dem Auto per Zwangsabgabe. So weit so gut.

Was mich aber irritiert, ist der Umstand, dass Flugpassagiere, welche sich für eine CO2-Kompensation über «myclymate» entscheiden in der öffentlichen Wahrnehmung als Gutmenschen dastehen und mit der Abgabe reinen Gewissens fliegen können. Der Automobilist steht jedoch als Übeltäter da. Das, obschon er mit wesentlich mehr Reisedistanz weniger CO2 produziert. Woher kommt diese Fehleinschätzung?

Die Differenz liegt wohl darin, dass eine «myclimate- Kompensation» höher gewertet wird, als die in grossen Teilen zweckgebundenen Mineralölsteuern auf den Treibstoffen. Aus meiner Sicht völlig zu Unrecht. Denn ausgeblendet wird dabei, dass die Strassen nicht nur für private Zwecke da sind, sondern auch für eine florierende Wirtschaft von höchster Wichtigkeit sind.

Mit der Mineralölsteuer finanziert der Automobilist darüber hinaus Leistungen im Bereich der Agglomerationsmobilität, also für den Langsamverkehr und für die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs. Für mich ist unbestritten, dass die Fahrzeug-Effizienz und damit der Treibstoff-Verbrauch verbessert werden muss. Auch die Kompensationsmassnahmen sind heute bereits gesetzlich vorgeschrieben. Leider scheinen diese wichtigen, beschlossenen Ziele in der zur Zeit masslos überhitzten, politischen Debatte unterzugehen und nicht auszureichen. Nein, der Treibstoff soll zusätzlich mit Mengen-Lenkungsabgaben belastet werden. Ohne eine Entlastung bei der Mineralölsteuer schiesst dies jedoch weit übers Ziel hinaus. Es darf nicht sein, dass die Automobilisten gleich dreifach zur Kasse gebeten werden – denn mit jedem Liter Treibstoff finanziert er einerseits die Strassen, dann zweitens die Kompensationsmassnahmen zum CO2-Ausstoss und drittens zusätzlich eine neue Lenkungsabgabe. Der Autofahrer soll seinen Beitrag leisten, ja. Aber als Milchkuh soll er nicht missbraucht werden!

Peter Schilliger, Nationalrat (FDP), Präsident TCS-Sektion Waldstätte, Udligenswil


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Über Peter Schilliger:

Peter Schilliger (1959/FDP.Die Liberalen) ist in Udligenswil aufgewachsen, wo er auch lebt. Er ist Bürger von Udligenswil und Weggis, verheiratet und Vater von Raphael (25), Angela (23) und Manuel (21). Der gelernte Sanitärzeichner bildete sich zum  Sanitärtechniker TS und Heizungstechniker TS weiter und hat an der Hochschule für Wirtschaft in Luzern den Titel NDS/MAS Public Management erworben. Schilliger ist Mitinhaber und CEO der Herzog Haustechnik AG in Luzern mit hundert Mitarbeitenden, wovon ein Viertel Lernende sind.

Von 1991 bis 2011 war Peter Schilliger FDP-Gemeinderat in Udligenswil, ab 2000 auch Gemeindepräsident. Seit 2003 gehört er dem Kantonsrat an. Seit 2008 präsidiert er die FDP.Die Liberalen des Kantons Luzern. Seine Kernthemen sind: Energieumbau, Zuwanderung, Arbeitsplätze, Berufsbildung und Steuerwettbewerb. 2011 kandidierte als Nationalrat, «weil ich den Energieumbau vorantreiben und die Wirtschaft stärken will.»

2012 ist er für den völlig überraschend verstorbenen Otto Ineichen in den Nationalrat nachgerückt.

Auf lu-wahlen.ch schreibt er Kolumnen, «weil diese Plattform viele potentielle Wählerinnen und Wähler erreicht.»

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