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Kolumne von Simon Roth

09.03.2015

Die Arbeitsbedingungen in den Kitas sind unbefriedigend und erfordern einen Gesamtarbeitsvertrag

Seit einigen Jahren wird in der Stadt Luzern die familienergänzende Betreuung von Kindern im Vorschulalter in Kindertagesstätten und bei Tageseltern mit Betreuungsgutscheinen mitfinanziert. Seither hat das Betreuungsangebot erfreulicherweise deutlich zugenommen. Kein Wunder, herrscht bei der städtischen Verwaltung und insbesondere dem verantwortlichen Sozialdirektor eitler Sonnenschein.


Doch so einfach ist es nicht, die Stadt hat die Bereitstellung von Betreuungsplätzen an private Unternehmen delegiert und sich mit der indirekten Finanzierung teilweise aus der Verantwortung gestohlen. Besonders deutlich wird dies an der Situation der Praktikantinnen. 

Um finanziell über die Runden zu kommen, sind die Kitas auf billige Arbeitskräfte angewiesen und finden diese unter anderem in Form von Praktikatinnen bei Jugendlichen, die gerne eine Lehre als Fachmann/Fachfrau Betreuung (FaBe) Kind machen möchten. Diese Praktika dauern meist ein bis zwei Jahre und beinhalten keine oder kaum schulische Weiterbildung.

Es ist aber klar, dass mit der Einführung der FaBe-Ausbildung im Rahmen der beruflichen Grundbildung im Jahre 2005 ein Praktikum nicht mehr Teil der Ausbildung ist. Die Ausbildung zur FaBe ist eine dreijährige Lehre, die durch die Praktika lediglich künstlich verlängert  wird. Die Berufseignung lässt sich in kürzeren Praktika (zwei bis vier Wochen) problemlos feststellen, wie Fachleute bestätigen. Selbst ein Praktikum garantiert aber keineswegs eine Anschlusslösung. Im Jahr 2011 gab es auf 64 Praktikaplätze gerade mal 54 Lehrstellen. Da die Lehre drei Jahre dauert, bedeutet dies, dass jährlich nur gerade 18 Personen mit einer Lehre starten konnten. Die Mehrheit der Jugendlichen erhielt also keinen Ausbildungsplatz. Für viele von ihnen bedeutet ein solches Praktikum also nur eine unnötige und demotivierende Zwischenschlaufe. 

Dass die hohe Zahl an Praktika-Plätzen primär in finanziellen Umständen begründet liegt, wird von verschiedener Seite bestätigt. In der «Neuen Luzerner Zeitung» lässt sich die Geschäftsführende einer Kita wie folgt zitieren: «Ohne Lehrlinge und Praktikanten könnten wir einpacken.» In der Antwort auf eine Interpellation aus dem Grossen Stadtrat zu dieser Situation meint die städtische Verwaltung: «Weiter stellt die Entwicklung weniger Praktikant/innen, mehr Lernende und Ausgebildete die Kindertagesstätten in der Praxis vor grosse finanzielle Herausforderungen, will man nicht massive Preiserhöhungen für die Eltern oder eine Reduktion der familienergänzenden Angebote in Kauf nehmen.» Genau hier liegt aber das Problem: Die unzureichende finanzielle Unterstützung der Kitas durch die Stadt muss schlussendlich von Jugendlichen ausgebadet werden.  

Angesichts der Verantwortung, die Kinderbetreuerinnen übernehmen, wird der Beruf der Kinderbetreuung vielfach unterbewertet. Ihre Arbeit ist aber beispielsweise für die intellektuelle und soziale Entwicklung der Kinder von grosser Bedeutung. Entsprechend wichtig sind gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte. Dazu müssen zum einen genügend Personen ausgebildet werden, zum anderen muss es für diese aber auch attraktiv sein, längerfristig in diesem Berufsfeld zu arbeiten. Leider bestehen aber auch hier noch grosse Defizite. Die Löhne sind oftmals äusserst niedrig, für eine Fachperson Betreuung EFZ beträgt der von der Kibesuisse empfohlene Mindestlohn gerade mal 4000 Franken. Da es aber keinen Gesamtarbeitsvertrag gibt, bleibt es den Kitas überlassen, ob sie nicht sogar noch weniger bezahlen. 

Um eine qualitativ hochstehende Kinderbetreuung zu gewährleisten, muss die öffentliche Hand ihre Verantwortung wahrnehmen. Konkret bedeutet dies eine Förderung der beruflichen Ausbildung und ein attraktiveres Arbeitsfeld. Dies bedingt eine bessere Finanzierung der Kitas und einen Gesamtarbeitsvertrag für das Personal. Hier kommt insbesondere der Stadt Luzern eine besondere Bedeutung zu, befinden sich doch hier 31 von 56 Kindertagesstätten im Kanton Luzern. 

SP-Grossstadtrat Simon Roth, Kantonsratskandidat, Luzern


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Über Simon Roth:

Simon Roth (1984) lebt seit Geburt in Luzern. Nach einer Lehre als Informations- und Dokumentationsas-sistent absolvierte er die Technische Berufsmatura und die «Passerelle». Seither studiert er an der Univer-sität Bern Geschichte und Volkswirtschaft. Daneben arbeitet er im Staatsarchiv Luzern und als Aushilfs-lehrer an der Berufsschule. Seit 1999 ist er Mitglied der Gewerkschaft VPOD. Während mehreren Jahren wirkte er im Vorstand der JungsozialistInnen der Stadt Luzern mit.  
 
Bei den Wahlen im Frühling 2012 kandidierte er auf der Liste der SP für den Grossen Stadtrat, in den er im September 2013 anstelle des zurückgetretenen Dominik Durrer nachrückte. Seine politischen Schwerpunkte sind Stadtentwicklung, Wirtschaft, Verkehr und Sicherheit. Seit 2012 ist Simon Roth Vizepräsident der SP der Stadt Luzern.