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Kolumne von Sepp Riedener

28.03.2013

Was Sepp Riedener soeben im Gefängnis Grosshof in Kriens über Ostern und Auferstehung sagte

Wie immer über die Ostertage bin ich auch 2013 eingeladen, im Gefängnis Grosshof einen Gottesdienst zu feiern. Ich war regelmässig in der Osternacht dort und wir haben miteinander die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Wir haben die Osterkerze angezündet und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihre persönliche Kerze an dieser Osterkerze entzündet und das Licht weitergeschickt zu einem Menschen, der ihnen wichtig ist in ihrem Leben.


Im «Grosshof» in Kriens sprach Sepp Riedener heute Abend zu den Häftlingen.

Bild: Herbert Fischer

Zum ersten Mal findet dieser Gottesdienst heuer am Hohen Donnerstag statt. Es ist nicht sinnvoll, an diesem Abend bereits die Auferstehung zu feiern. Schliesslich geht es an diesem Fest um die Einsetzung des Abendmahles, um das gemeinsame Essen und Trinken als Ritual tiefer Freundschaft. 

Vor mir werden drei Dutzend Männer und einige Frauen Platz nehmen, die kürzere und längere Haftstrafen abzusitzen haben. Einige sind Muslime; viele sind der deutschen Sprache nicht mächtig; viele haben keinen Bezug mehr zu ihren Konfessionen oder Religionen; einige sind tief religiös und sind glücklich, im Gottesdienst mit dabei sein zu dürfen… 

Eine kleine Schicksalsgemeinschaft!

Und das ist das Manuskript meiner heutigen Rede, das ich www.lu-wahlen.ch zur Verfügung stelle:

Hoher Donnerstag oder «eine rote Rose ist wie Brot und Wein»

Vielleicht haben sie es schon erleben dürfen, dass sie, als Zeichen der Zuneigung und der Liebe eine rote Rose geschenkt bekommen haben. Es ist ein überwältigendes Gefühl. Sie schauen sie an, sie küssen sie, sie streicheln die Rose, sie nehmen sie nach Hause. Und zu Hause stellen sie diese Rose ein, liebevoll, als wäre die Rose die Freundin oder der Freund selber. Und wehe, wenn jemand ein abgefallenes Blatt wegnehmen und sogar wegwerfen würde, wehe, wenn jemand anders dieser Rose neues Wasser geben würde. Wehe! Denn diese Rose ist ihre Rose und sie gehört ihnen alleine. Und wenn sie schlafen gehen, dann bekommt die Rose einen Gutnachtkuss.

Die Rose ist nicht mehr eine Rose unter ferner liefen sondern eine ganz besondere Rose. Sie steht da für Ihren Freund oder Ihre Freundin. Es ist, als ob diese Person lebendig da wäre…

Etwas Ähnliches geschah vor 2000 Jahren am Hohen Donnerstag. Jesus sass mit seinen Freunden zusammen. Er spürte, dass sich die Schlinge um seinen Hals zusammenzieht und er nicht mehr lange zu leben hatte.

Über drei Jahre haben sie zusammengelebt. Sie haben eine frohe und befreiende Botschaft verkündet, sie haben die Kranken geheilt, die Lahmen aufgerichtet und ihnen das Gehen beigebracht, den Blinden das Augenlicht zurückgegeben, die Ausgegrenzten der damaligen Zeit in die Mitte gestellt und sie zurückgeholt in die Gesellschaft. Gerade sie hat Jesus vor allem geliebt und sie gesellschaftsfähig, arbeitsfähig, beziehungsfähig, ja, synagogenfähig, respekive kirchenfähig gemacht. 

Diese gemeinsame Zeit hat sie zu einer verschworenen Gruppe werden lassen, zu einem Freundeskreis – obwohl sie ihn einige Tage später verrieten und abgehauen sind aus lauter Angst, sie würden auch noch drankommen.

Für Jesus aber war es wichtig, am Schluss ihres gemeinsamen Weges zusammenzusitzen und miteinander zu essen und zu trinken. Und während dieses Mahles wollte er ihnen ein Zeichen hinterlassen. Er wollte bei ihnen bleiben. Er wollte, dass seine Freundinnen und Freunde auch nach seinem Tod sich an ihn erinnern und seine wunderbare befreiende Botschaft weitertragen in alle Welt hinaus.

Und so hat er Brot in seine Hände genommen und gesagt: das bin ich! Jedes Mal, wenn ihr zusammenkommt und miteinander esst und trinkt, dann denkt an mich! Ich bin bei euch! Und genauso hat er es mit dem Becher Wein gemacht!

Das Brot, das Jesus so in die Hände nahm, ist dann nicht mehr einfach Brot, das nährt und den Hunger stillt. Es ist wie mit der Rose. Das Brot wird zu seiner Gegenwart. Er ist da in diesem Stück Brot. Einfach noch viel mehr als bei der Rose! Und der Wein ist nicht nur Wein, der die Lebensfreude weckt. Er selber ist es, der sich uns schenkt im Zeichen von Wein.

Das ist damals geschehen. Und heute Abend erinnern wir uns an das, was damals geschah. Es geschieht genau das Gleiche! Wir werden seine Geistkraft anrufen, uns an ihn erinnern, damit er gegenwärtig wird in diesem Brot und in diesem Wein. Wir werden das Brot teilen und es miteinander essen. Wir werden den Wein trinken und an ihn denken – voller Zuneigung!

Er möge bei uns sein und bleiben mit seiner guten Botschaft, mit seiner Liebe. Er möge uns allen Kraft schenken, das Leben zu gestalten, so, wie es ihm gefällt!

Das Brot und der Wein ist wie die Rose – einfach noch viel mehr!

Sepp Riedener, Luzern


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Über Sepp Riedener:

Sepp Riedener ist Theologe und Sozialarbeiter. Seit 37 Jahren ist er in der Katholischen Kirchgemeinde Luzern tätig: zehn Jahre Aufbau der kirchlichen Jugendarbeit in der Stadt Luzern, seit 1985 beim Aufbau des Ökumenischen Vereins Kirchliche Gassenarbeit («Gassenküche», medizinisches Ambulatorium, aufsuchende Gassenarbeit, «Paradiesgässli», Seelsorge bei Randgruppen). 

Pensionierung im Jahr 2008. Seither noch Seelsorger auf der Gasse in einem Teilzeitpensum. Freiwilliges Engagement im Verein Hôtel Dieu (Treffpunkt Stutzegg) und bei den Sans Papiers.

Der 71jährige Sepp Riedener gilt als Pionier in der Gassenarbeit. Für sein jahrzehntelanges und erfolgreiches Wirken ist er unter anderem mit der Ehrennadel der Stadt Luzern und durch die renommierte Herbert Haag-Stiftung ausgezeichnet worden.

Mehr über Wirken und Werke des schweizweit bekannten und anerkannten Sepp Riedener: siehe auf dieser Seite weiter oben unter «Dateien» und unter «Links».