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Kolumne von Raffael Fischer

14.02.2011

Leider ein Nein, aber «deutlich» wäre anders

Die Initiative «Schutz vor Waffengewalt» hat leider keine Mehrheit gefunden.


Ich habe geahnt, dass es – ähnlich wie bei der Steuergerechtigkeitsinitiative vor zwei Monaten – trotz anfänglich guter Umfrageergebnisse am Schluss für die Waffenschutz-Initiative nicht reichen würde. Wie klar, das blieb bis zuletzt offen, aber punkto Ständemehr standen die Zeichen ganz schlecht. Nun wissen wir das Endergebnis: 56,3% Nein-Stimmen. Den Entscheid kann ich akzeptieren, auch wenn ich anderer Meinung war.

Initiativen wurden schon viel deutlicher versenkt

Ich finde aber, dass das Wort «deutlich» in letzter Zeit zu häufig benutzt wird bei der Kommentierung von Abstimmungsergebnissen. Fast jedes Ergebnis über 52% wird inzwischen als «deutlich» bezeichnet. Sicher: 56% sind nicht gerade ein Zitterergebnis wie 50,3% oder 49,8%, aber deutlich wäre anders. Initiativen wurden schon viel deutlicher versenkt, beispielsweise mit 75-80% Nein. Das wäre sehr deutlich. Könnten wir uns bitte künftig darauf einigen: Das Prädikat «deutlich» gibt es erst ab mindestens 60% und wenn die Schweizerkarte in allen Kantonen die gleiche Farbe anzeigt? Einverstanden?

Das Resultat der gestrigen eidgenössischen Abstimmung war längst nicht so deutlich wie es der Fernsehpolitologe mit der Fliege bald verkündete – und wie alle sofort nachbeteten. Immerhin wurde die Vorlage in Zürich und Basel-Stadt sowie fast der gesamten Westschweiz angenommen. Schaut man genauer hin, zeigt sich ein vertrautes Bild: Die grösseren Städte nahmen die Initiative alle an, während sie in den ländlichen Regionen klar verworfen wurde. Die meisten Agglomerationsgemeinden und Kleinstädte auf der Landschaft haben mehr oder weniger knapp abgelehnt, das gab den Ausschlag.

Stadt Luzern stimmte mit 58.8% zu

Es gibt eine gewisse Regelmässigkeit in den Ergebnissen: Je «ländlicher» eine Region, desto deutlicher wurde das Nein. Im Kanton Luzern zeigt sich dies in einer schönen Abstufung nach Wahlkreisen: Die Stadt nahm die Vorlage mit 58,8% Ja-Stimmen an, in Luzern-Land erreichte sie 43,8% Ja, in den Ämtern Hochdorf und Sursee noch 36,9 resp. 37%, in Willisau nur noch 25,8% und im Entlebuch schliesslich bescheidene 18,3%. Auf dem Land ist die Armee höher im Kurs und Schützenvereine sind noch wichtige Institutionen. Doch auch dort wird sich der gesellschaftliche Wandel fortsetzen, da die Urbanisierung schnell voranschreitet. In 10 bis 20 Jahren würde die Vorlage wohl durchkommen. Es braucht manchmal halt einfach mehrere Anläufe um eine überkommene Tradition zu ändern, siehe Frauenstimmrecht.


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Über Raffael Fischer:

Der Historiker Raffael Fischer kandidierte für die Grünen im Wahlkreis Luzern für den Kantonsrat, wurde aber nicht gewählt. 

www.raffael-fischer.ch