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10.10.2015

Warum Martin Schwegler ab und zu Bienenstiche braucht

Er ist Rechtsanwalt, Familienvater, engagiert sich für den sozialen Wohnungsbau und als CVP-Politiker. Und sein Hobby ist die Imkerei. Im dritten Interview auf lu-wahlen.ch spricht Nationalratskandidat Martin Schwegler über Bienen, ihr Gift und ihren Fleiss.


Martin Schwegler freut sich, wenn er anderen Leuten sein Wissen über die Imkerei vermittelt kann.

Wie hat das angefangen bei Dir mit der Imkerei?

Martin Schwegler: Durch meinen Vater. Als er 1973 mit der Landwirtschaft aufhörte und wir nach Geiss zogen, behielt er sein Bienenhaus im Kanzelberg, nähe Twerenegg. Er hat während mehr als sechzig Jahren «beielet». Weil der Weg ohne Auto beschwerlich wurde und weil er altersbedingt nicht mehr so gut sehen konnte, wollte er aufgeben.

Das Bienenhaus war der letzte Bezug zu einem Gebiet, wo unsere Vorfahren Jahrhunderte lebten. Deshalb war für mich klar, dass ich es mit der Imkerei versuchen wollte. Ab 2012 hatte ich dann auch wirklich die Zeit für das neue Hobby, weil ich das Kantonalpräsidium der CVP abgegeben gehabt hatte.

Einmal abgesehen vom Vater: was hat Dich denn «gepackt»? Das ist doch ein sehr spezielles Hobby.

Tatsächlich ist das ein sehr spezielles Hobby. Man muss wissen: die Bienen machen, was sie wollen. Bestenfalls kann man sie begleiten, ihnen aber sicher nicht diktieren, was sie zu tun haben. Das macht es erst recht spannend.

Wichtig ist, dass sie immer genügend Futter haben und dass die Varroa-Milbe nicht überhand nimmt. Es braucht sehr viel Erfahrung, um zu merken, was im Bienenvolk vorgeht: Ist eine Königin da? Will das Volk schwärmen? Hat es eine Brutkrankheit? Die Erfahrung kriegt man erst durch lange und intensive Beobachtungen. 

Zudem kann ich bei den Bienen sehr gut abschalten, Anderes völlig ausblenden, weil ich mich voll auf sie konzentriere. Das geht nicht nur mir so: man nimmt sich vor, vielleicht eine Stunde «nach den Bienen zu schauen» und ohne, dass man es merkt, werden daraus drei oder vier Stunden! Imkern ist hochinteressant, aber zugleich sehr entspannend.

Irgendwie auch kontemplativ?

Vielleicht, man wird dabei auch demütig. Denn das ist Natur pur. Ein ganz wichtiger Faktor ist zudem das Wetter. Man kann in der Imkerei nur parat stehen und machen, was sich ergibt, aber sicher nicht gegen die Natur arbeiten. Ob es nächstes Jahr Honig geben wird oder nicht, das bestimmt definitiv nie und nimmer der Imker. Da spielen auch viele Zufälle mit. Für Vieles gibt es in der Imkerei schlichtweg keine Erklärung. Warum es zum Beispiel eine grosse Population von Tannenläusen und Blattläusen und damit ein sehr gutes Honigjahr gibt – das weiss man nicht.  

Also die «Bienenforschung» ist noch nicht sehr weit gediehen?

Doch: die «Bienenforschung» insgesamt schon, aber über das genaue Funktionieren der Bienenvölker weiss man noch nicht viel, das ist derart hochkomplex.

Die Bienen scheinen in der Natur eine enorm wichtige Rolle zu spielen. Was würde fehlen, wenn es keine Bienen mehr gäbe?

Ihre Bestäubungsleistung ist sehr wichtig. Es lässt sich nachweisen, dass die Ernten üppiger ausfallen, wenn es in der Umgebung Bienenvölker hat, als wenn keine da sind. Oder: Äpfel und Birnen werden zwar durch den Wind bestäubt, ihre Qualität aber ist eine klar bessere, wenn sie durch Bienen vollbestäubt worden sind.

Dann müsste man also das grösste Interesse daran haben, dass es möglichst viele Bienenvölker gibt?

Jein! Das Problem in der Schweiz ist: Seit dem Film von Markus Imhof («More than Honey»), welcher das weltweite Bienensterben thematisiert, meinen immer mehr Leute, sie müssten selber ebenfalls Bienen halten. Das ist aber eigentlich eine falsche Folgerung. Wir haben nämlich in der Schweiz eine zu hohe Bienendichte im Verhältnis zum Nahrungsangebot. Es nützt nichts, mehr Bienen zu haben, wenn diese keine Nahrung, also Pollen und Nektar finden. Wer etwas für die Bienen machen will, der soll im Garten dafür sorgen, dass er für Bienen attraktive Pflanzen hat. Ebenso müssen die Landwirte die Hochstämmer und gewisse Sträucher stehen lassen, Grünstreifen vorsehen, undsoweiter. Erst wenn die Bienen das ganze Jahr über genügend Nahrung finden, dann sind sie weniger auf Krankheiten anfällig und auch weniger auf den Imker angewiesen. 

Nun hat der Mensch in der Natur bekanntlich Vieles kaputt gemacht, leiden darunter auch die Bienen?

Ja. In der Imkerei redet man beispielsweise von der «grünen Wüste»: Das sind Monokulturen, die für die Bienen nichts wert sind. Oder wenn alle Bauern gleichzeitig Heu ernten, dann finden die Bienen kaum mehr was zu fressen. Allerdings hat der Bund hier eingegriffen, indem er Beiträge ausrichtet, wenn gewisse Anforderungen an die Biodiversität erbracht sind. In der Schweiz haben es die Bienen immer noch relativ gut und jedes Jahr eher etwas besser.

Der Imker ist genau genommen ein Dieb.  

Wenn man so will, ja. Das Bienenjahr endet mit der Honigernte. Dann wird den Bienen ihr Wintervorrat weggenommen und sie müssen mit Zuckerwasser als Ersatz versorgt werden.  

Das ist aber nicht wirklich ein edles Motiv: den Bienen ihren Wintervorrat wegnehmen!

Nein, nicht wirklich. Aber die Bienenvölker brauchen in der Regel nicht so viel Honig, wie sie produzieren und im Winter für sich brauchen. 

Der Imker nimmt aber nicht nur den Bienen einen Teil ihres Wintervorrats weg. Er bekämpft zum Beispiel die Varoa-Milben, welche die Bienen schwächen und ganze Bienenvölker zerstören können. Dazu werden im Sommer zwei Ameisensäurebehandlungen und im Winter eine Oxalsäurebehandlung vorgenommen. So ab Ende September bis Mitte Februar hat der Imker ansonsten mit den Bienen nichts mehr zu tun. 

Wenn ab Februar und März die Blüte beginnt, muss der Imker aber wieder dafür sorgen, dass seine Bienen genügend Platz haben, dass genügend Waben bereit sind. Denn das Bienenvolk wächst extrem schnell und wenn Tracht herrscht, braucht es Platz für den eingetragenen Nektar, der zu Honig umgearbeitet wird. 

Wieviel Honig produzieren Deine Bienen pro Jahr? 

Ich habe heuer insgesamt 200 Kilo Honig geerntet.

Was machst Du damit?

Verschenken, verkaufen, und selber essen. Allerdings bin ich der Einzige in unserer Familie, der viel Honig isst. Insbesondere am Sonntag ist das für mich ein Ritual – Zopf vom Bäcker holen, ausgiebig Honig auf den Zopf streichen, daneben Zeitung lesen und Kaffee trinken. 

Wie oft bis Du schon gestochen worden?

Sicher schon mehrere hundert Mal.

Und nie ans Aufhören gedacht?

Nie! Mir tut Bienengift gut. Mütterlicherseits hatten und haben mehrere Verwandten Rheuma-Probleme. Man weiss, dass das Gift, das Bienen beim Stechen absondern, gegen Rheuma wirkt. Es ist also so gesehen, sogar gut, wenn mich die Bienen stechen.   

Die Imkerei scheint eine hochkomplexe Sache zu sein. Wie lernt man sie?

Eine Ausbildung braucht es zwar nicht zwingend, aber es ist üblich, dass man in einem Imkerverein den Grundkurs macht. Das dauert zwei Jahre und umfasst etwa 20 Halbtage oder Abende. Neuerdings gibt es auch eine Ausbildung zum eidg. dipl. Imker und die absolviere ich gegenwärtig. Es hatten sich für den Pilotkurs 160 Leute interessiert und ich habe das Glück gehabt, einer von 24 Ausgelosten zu sein. Wenn ich es bis zum Schluss schaffe und bestehe, habe ich endlich einen anständigen Titel!

Die Biene ist ein Synonym für Fleiss («bienenfleissig»). Gibt es weitere? 

Ja: wehrhaft und arbeitsteilig. Und Bienenvölker sind wahrscheinlich etwas vom kommunistischsten, was es gibt. Eine einzelne Biene opfert sich bedingungslos für das Ganze.

Was kann der Mensch von den Bienen lernen?

Dass es auf die Gemeinschaft ankommt und der Einzelne allein nichts fertig bringt. 

Aber zuoberst steht die Königin, was nicht eben kommunistisch ist...

... das täuscht. Sobald die Königin ihre Leistung nicht mehr erbringt, wird sie abgemurkst. Das Volk zieht eine neue Königin nach. Man kann das auch als Herrschaft des Volkes sehen. 

Interview: Pascal Vogel 


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