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09.05.2015

Felicitas Zopfi-Gassner: «Wenn wir uns die Hand reichen, geht es vorwärts»

Die SP-Kandidatin für den Regierungsrat über ihre politischen Wurzeln, ihre Kernanliegen und weshalb eine ausgeglichene Regierung gut sein soll für den Kanton Luzern.


Zu den aktivsten UnterstützerInnen von Felicitas Zopfi gehört Nationalrätin Priska Birrer-Heimo.

Bild: Herbert Fischer

Gaby Schmidt: Seit 20 Jahren machen Sie Politik auf verschiedenen Ebenen. Jetzt kandidieren Sie für den Regierungsrat. Woher kommt diese Begeisterung? 
Zopfi: In der Schweiz findet ein grosser Teil der Politik bereits am Familientisch statt. Das war bei mir nicht anders. Mein Vater, Architekt Paul Gassner, war ein bekannter CVP-Grossrat vom christlichsozialen Flügel. Dies, und die Tatsache, dass wir sieben Kinder waren, haben mich nicht nur politisch geprägt. Ich musste lernen mich durchzusetzen, aber auch Rücksicht auf andere zu nehmen. 

Wofür stehen Sie, welches sind Ihre Kernanliegen?
Zopfi: Ich habe mich immer für ein breites Bildungsangebot und einen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr in allen Regionen des Kantons eingesetzt. Starke soziale Netze, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gewährleisten, sind mir sehr wichtig. Dafür werde ich auch in der Regierung argumentieren.

Sie haben ursprünglich Luftverkehrsangestellte gelernt?
Zopfi: Ja, aber diese Ausbildung habe ich nicht abgeschlossen, denn das war nicht das Richtige für mich. Ich trat ins Lehrerseminar ein. Seit mehr als 30 Jahren unterrichte ich in Kriens, zuerst im Amlehn-, danach im Feldmühle-Schulhaus. Diese beiden Schulhäuser haben hohe Anteile an Kindern mit Migrationshintergrund, zudem Kinder aus allen sozialen Schichten der Bevölkerung. Auch hier, also als Primarlehrerin, erlebe ich tagtäglich, wie unterschiedlich unsere Gesellschaft ist. Vor allem aber: wie wichtig ihr sozialer Zusammenhalt ist. Darum kann ich als Bildungs- und Sozialpolitikerin aus dem Vollen schöpfen, bin einerseits gut geerdet im realen Leben, zugleich aber auch offen und liberal – man könnte vielleicht auch sagen: visionär – genug, um zu erkennen, was falsch läuft und was anders gemacht werden könnte. 

Die Mehrheit des Kantonsrates ist bürgerlich. Passen Sie überhaupt in den Regierungsrat?
Zopfi: Wir haben im Luzerner Kantonsrat sechs Parteien. Alle haben ihre eigenen Nuancen und keine hat eine Mehrheit. Bei vielen Themen gibt es keine klare Einteilung in links und rechts, sondern sich abwechselnde Koalitionen. Denken Sie nur an den Finanzausgleich, ökologische Anliegen, Bildungsfragen, soziale Themen oder die öV-Erschliessung. Hier gilt es, über die Parteigrenzen hinweg Brücken zu schlagen und Mehrheiten zu finden. Damit dies gelingt, müssen die relevanten Kräfte in der Regierung sein. Und dazu gehört auch die SP. 

Ihre Gegner aus dem rechtsbürgerlichen Lager werfen Ihnen vor, Sie seien nicht kompromissfähig?
Zopfi: Ich frage mich ernsthaft, woher das kommt. Ich bin lange genug in der Politik, um zu wissen, dass die allermeisten politischen Entscheide die Resultate von Prozessen sind, an deren Ende nach mehrheitsfähigen Lösungen, Kompromissen eben, gesucht wird. Das ist auch eine der Kernaufgaben der Regierung. Ich freue mich darauf, zusammen mit meinen Kollegen in der Luzerner Regierung nach tragfähigen und möglichst breit abgestützten Kompromissen zu suchen. Ich weiss: Mir wird auch vorgeworfen, ich sei aggressiv. Bezeichnenderweise allerdings von Leuten, die mit mir noch nie ein Wort gewechselt haben. Dies stimmt schlicht und einfach nicht – das können all jene bezeugen, die mich kennen.

Ein weiterer Vorwurf: offenbar können sich nicht alle Leute vorstellen, wie Sie mit dem Kollegialitätsprinzip zurecht kommen wollen?
Zopfi: Auch das haben Leute gesagt, die mich nicht kennen. Ich werde keine Mühe haben mit dem Kollegialitätsprinzip. Für mich ist völlig klar, dass gemeinsam getroffene Entscheide auch gemeinsam vertreten werden. 

Wie kann eine Regierung denn erfolgreich arbeiten?
Zopfi:  Die allermeisten politischen Entscheide sind die Resultate von Prozessen, an deren Ende nach mehrheitsfähigen Lösungen und Kompromissen gesucht wird. Das ist auch eine der Kernaufgaben der Regierung. Ich würde mich freuen, zusammen mit den Regierungsratskollegen nach tragfähigen und möglichst breit abgestützten Kompromissen zu suchen. Wichtig ist: Um gute Lösungen muss innerhalb der Regierung hart gerungen werden. Wenn ein Entscheid gefallen ist, muss er aber von allen gemeinsam getragen werden. Wenn wir uns die Hand reichen, geht es vorwärts.

Als Regierungsrätin wären Sie aber nicht nur Teil eines Fünfergremiums, sondern auch Vorsteherin eines Departementes. Wie würden Sie dieses führen?
Zopfi: Ob man ein KMU, eine Bank, eine Schule oder ein Departement zu führen hat: Führungsprinzipien gelten überall. Man braucht eine natürliche Autorität, muss Ziele definieren, diese klar kommunizieren und gemeinsam mit den Mitarbeitenden umsetzen. Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, muss man den Blick fürs Wesentliche haben, Ruhe bewahren und bereit sein, auch unpopuläre Entscheide zu fällen. Diese Qualifikationen habe ich in Führungsausbildungen erworben und auch erfolgreich umsetzen können. Zudem habe ich diverse Vereine präsidiert, war zehn Jahre Geschäftsleitungsmitglied eines überregionalen Sportverbandes und arbeite in diversen Vereins- und Verbandsvorständen aktiv mit. Ich habe also mehrfach bewiesen, dass ich über Führungsqualitäten verfüge. Als Präsidentin des städtischen Parlamentes, gelang mir dessen Leitung übrigens auch zur grossen Zufriedenheit der anderen Parteien.

Die SP ist eine breit aufgestellte Volkspartei. Wo stehen Sie innerhalb dieses Spektrums?
Zopfi: Ich stehe in der Mitte der SP. Es wäre mir sonst kaum gelungen, die Partei zu einen und auf Erfolgskurs zu bringen.

Was ist das genau: «die Mitte der SP»?
Zopfi: Ja, die SP ist tatsächlich eine Volkspartei. Unsere Mitglieder kommen aus allen sozialen Schichten und bringen so unterschiedliche Sichtweisen ein. Ich positioniere mich in dieser Beziehung über Sachfragen. Drei Beispiele:
Hooligangesetz: Ich war dafür. 
Vermummungsverbot: Ich war dafür, obschon es nicht wirklich umsetzbar ist.
Ich habe beim «Bypass», der nur kurzfristig eine Lösung ist, grosse Fragezeichen. 

Wenn Sie nicht gewählt werden, ist Luzern neben dem Tessin der einzige Schweizer Kanton ohne eine Frau in seiner Regierung. Was wäre denn daran so schlimm?
Zopfi: Wir Frauen haben andere Biografien als Männer. Wir bringen andere Aspekte und Blickwinkel in die Diskussionen ein und ermöglichen dadurch eine ganzheitlichere Betrachtung von Problemen und deren Lösungen. Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus. In einer starken Regierung braucht es Frauen und Männer. Ich hätte es sehr begrüsst, wenn auch andere Luzerner Parteien Frauen als Kandidatinnen für den Regierungsrat aufgestellt hätten. Dass dies nicht so war, und die einzige Frauenvertretung allein von meiner Wahl abhängt, ist aber nun weiss Gott nicht die Schuld der SP.  

Wenn Sie nicht gewählt werden, fehlt auch eine Vertretung aus der Stadt!
Zopfi: Falls ich tatsächlich nicht gewählt werden würde, kämen zwei Regierungsräte aus Kriens und je einer aus Rothenburg, Pfaffnau und Willisau. Die Stadt bliebe aussen vor. Die Stadt ist die grösste Gemeinde und der Wirtschaftsmotor des Kantons, zudem ihr kulturelles und gesellschaftliches Zentrum. Es ist sicher von Vorteil, wenn die Stadt und ihre Anliegen in der Regierung vertreten sind.

Was würde dies bedeuten für den vielzitierten «Graben zwischen Stadt und Land»?
Zopfi: Auch in der alten Zusammensetzung war die Stadt in der Regierung nicht vertreten. Die Folge: der Stadt-Land Graben ist eher grösser geworden. Wie gesagt: ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, dass sowohl die Stadt als auch das Land starke Vertretungen haben. Dank meiner Grossmutter väterlicherseits, sie kam aus Hergiswil am Napf, fliesst zudem auch Landblut in meinen Adern.

Was werden Sie tun, damit die Stadt und das Land wieder näher zusammenrücken?
Zopfi: Wir leben in einem Kanton mit klar städtischen und klar ländlichen Gebieten. Es ist wichtig, dass wir miteinander vorwärts gehen, dass wir Verständnis für die Probleme der jeweils anderen Region haben. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Anliegen der Landschaft genauso gehört werden wie die Anliegen der Stadt. 

Was würde eigentlich fehlen, wenn die SP – erstmals seit 1959 – nicht mehr in der Regierung vertreten wäre?
Zopfi: Viele Menschen sind nicht in einer Partei, weil sie sich nicht mit Parteiprogrammen identifizieren können. Sie teilen einmal die Meinung der CVP, ein anderes Mal die Meinung der FDP, der GLP oder der SVP. Sie teilen auch oft die Haltung der SP oder der Grünen. In einer starken Regierung sind alle Meinungen vertreten. Eine Regierung ist dann stark, wenn die Bevölkerung möglichst breit vertreten ist. Ohne die SP wäre dies nicht mehr der Fall. 

Sind sie gesund?
Zopfi: Ich hatte einen angeborenen Herzfehler, von dem ich und auch sonst niemand etwas gewusst hatten. Wahrscheinlich liegt deshalb meine Halbmarathon-Bestzeit nicht deutlich unter zwei Stunden. Es war ein Loch in der Herzscheidewand, das mit einer kleinen, ambulanten Operation geschlossen worden ist. Dieser Eingriff, vor vier Jahren übrigens, erfolgt relativ häufig und ich habe mich vollständig erholt, bin gesund und treibe mehrmals wöchentlich Sport. 

Zum Schluss: Wahlkampf ist eine harte Zeit, woher nehmen Sie die Energie dafür?
Zopfi (lacht): Helmut Hubacher hat mal gesagt: «Unsere Energie nehmen wir aus der Strömung, gegen die wir schwimmen.» Aber ganz im Ernst: Wahlkampf bedeutet, dass man sich exponiert, dass man manchmal angeschossen wird. Die motivierenden Erlebnisse überwiegen aber bei Weitem. Zudem lernt man während einer Kampagne die Menschen unseres Kantons in ganz neuen, erfrischenden Facetten kennen. Alleine diese Begegnungen und Gespräche waren das Engagement schon wert. Und dafür möchte ich mich auch bedanken. 

Interview: Gaby Schmidt 


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