Themen aktuell in der Diskussion:
» Bund: Abschaffung Wehrpflicht (22. September 2013)
» Bund: Volkswahl des Bundesrates (Abstimmung 9. Juni 2013)
» Bund: Revision des Asylgesetzes (Abstimmung 9. Juni 2013)
» Kanton: Ladenschluss (Abstimmung 9. Juni 2013)
» Bund: Raumplanungsgesetz (Abstimmung 3. März 2013)
Kolumne von Olivier Dolder08.03.2013 Zur Zukunft des Ständemehrs: Das sind AlternativenMit der Ablehnung des «Familienartikels» scheiterte am letzten Wochenende zum neunten Mal eine Vorlage am Ständemehr. Noch am Sonntag forderten erste Stimmen, über das Ständemehr müsse diskutiert werden. Doch warum ist diese Diskussion tatsächlich notwendig? Welche Reformansätze gibt es? Und wie wahrscheinlich ist eine Reform überhaupt?![]() Wie stark sollen bei Vorlagen, welche eine Verfassungsänderung wollen, die jeweiligen Abstimmungsergebnisse in den 26 Kantonen gegenüber der Summe der Stimmen aller Abstimmenden («Volksmehr») gewichtet werden? Darum geht es bei der Diskussion um die Zukunft des Ständemehrs. Im Bild: Kantonsfahnen auf der Luzerner Seebrücke. Die Diskussion über das Ständemehr ist erstens notwendig, weil am 3. März 2013 eine relativ klare Mehrheit der Bevölkerung durch die Kantone überstimmt wurde. Und sie ist zweitens notwendig, weil sich sowohl die politische Gesamtsituation als auch die Bevölkerungszahlen in den einzelnen Kantonen seit dem 19. Jahrhundert verändert haben.
Insbesondere auch, wenn man bedenkt, dass andere Minderheiten in der Schweiz, beispielsweise die französischen oder italienischen Sprachgruppen, durch das Ständemehr nicht geschützt werden (vergleiche dazu ebenfalls Sager und Vatter). Weiter zu berücksichtigen ist die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung. So ist die Bevölkerung in den urbanen Kantonen viel stärker gewachsen als in den ländlichen Kanton. Die Standesstimmen wurden aber nie angepasst. Das Ständemehr nun gänzlich abschaffen zu wollen, wäre nach meiner Meinung nicht nur illusorisch, sondern auch falsch. Illusorisch, weil die Abschaffung am Ständemehr scheitern würde, und falsch, weil es in einem föderalen System einen gewissen Einfluss der Gliedstaaten, also der Kantone braucht. Eine Anpassung der Ständemehr-Reglung ist aber aus meiner Sicht durchaus in Erwägung zu ziehen. Doch wie könnte das Ständemehr reformiert werden? Dazu wurden bereits verschiedenste Vorschläge erarbeitet. Eine Auswahl an Reformvorschlägen ist im Folgenden aufgeführt (Basis für die Auflistung bilden der «Wahlkampfblog» von Deana Gariup (siehe unter «Links») sowie Wolf Linders Standardwerk «Schweizerische Demokratie»): . Qualifiziertes Ständemehr: Das Volksmehr kann nur von mindestens zwei Drittel der Stände überstimmt werden (Robert 1993). Wie gross ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Reformvorschläge oder auch ein anderer Vorschlag umgesetzt wird? Kurzfristig, davon gehe ich aus, wird alles beim Alten bleiben. Denn auch kleine Reformen des Ständemehrs dürften an eben diesem Ständemehr scheitern. Mittelfristig stufe ich die Chance für Reformen grösser ein; unter der Bedingung, dass es vermehrt Kollisionen oder Beinahe-Kollisionen von Volks- und Ständemehr gibt. Denn so wird sich die Bevölkerung der Problematik, die das Ständemehr mit sich bringt, bewusst. Gibt es aber weiterhin nur selten Kollisionen, dann dürfte die jetzige Form des Ständemehrs wohl noch länger Stand halten. Allerdings müsste man dann auch einräumen, dass es sich beim «minorisierten Volksmehr» vor allem um ein theoretisches, nicht aber um ein praktisches Problem handelt. Letztlich gilt es zu erwähnen, dass eine Diskussion über das Ständemehr eigentlich auch zu einer Diskussion über die Zusammensetzung des Ständerates führen müsste.
Olivier Dolder, Luzern
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Über Olivier Dolder:Olivier Dolder (1985) aus Luzern ist Politik- und Verwaltungswissenschafter. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern. Dolder studierte Politikwissenschaften an der Universität Genf sowie Public Management und Politik mit Schwerpunkt Volkswirtschaft am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne und an der Universität Neuenburg. Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsbüro, das insbesondere Politikevaluationen durchführt. http://www.interface-politikstudien.ch/de/
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