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Kolumne von Beat Murer

24.03.2017

Ein paar Fragezeichen und Ergänzungen zur Diskussion um eine temporäre Öffnung des Quais für Zweiräder

Vorerst möchte ich dem Stadtrat für seine umsichtige Ablehnung des Postulates «Quai: Velos gestattet» danken, auf welches wir – die «Fussverkehr Region Luzern» – mit einer Petition reagiert haben, welche mit über 2300 Eintragungen unterstützt wurde.


Offenbar so stellen sich die Postulanten um den grünen Grossstadtrat Christian Hochstrasser das «Nebeneinander» von Velofahrern und Fussgängern am Quai vor. Zum Glück wehrt sich auch der Stadtrat dagegen, denn das würde nicht funktionieren und den Quai abwerten.

Beim Diskurs um eine allfällige Öffnung des Quais, wird auch die Möglichkeit eines Kompromisses in Form einer temporären Öffnung des Quais erwähnt (zum Beispiel im Kommentar von Redaktor Robert Knobel in der «LZ» vom Dienstag, 21. März 2017, Seite 23, siehe unter «Dateien»).

Dabei werden jedoch folgende Gefahren ausgeblendet:

. Segways sind gemäss Strassenverkehrsrecht den Velos gleichgestellt. Diese dürften ebenfalls auf dem Quai fahren.

. Seit dem 1. Januar 2017 brauchen Velos weder einen Sattel noch eine Klingel und dürfen eine Lenkstange von 1 Meter Breite haben.

. Auf dem Quai würde Velogegenverkehr mit all seinen Gefahren (auch für die Velofahrer) herrschen.

. Die Fussgänger müssten sich gemäss Postulat auf dem seeseitigen Mergelbelag bewegen. Zahlreiche Behinderte und im Sommer alle Schattensuchenden wären benachteiligt.

. Velofahrer würden auf dem Quai schnell fahren (Erfahrung bei der Langsamverkehrsache Allmend, wo im Nachhinein extra Schranken aufgestellt werden mussten).

Die Postulanten argumentieren, dass für die Pendler eine temporäre Öffnung des Quais eine enorme Verbesserung wäre. Dass Zweiradpendler, welche ja grundsätzlich geübte Velofahrer sind, zweimal die Strassenseite wechseln würden (beim Verkehrshaus und beim Luzernerhof) ist meines Erachtens nicht nachvollziehbar. Es würde sich dann geradezu ein Fehlverhalten einspielen, indem auf dem Quai entlang dem See via Schwanenplatz über die Seebrücke nach dem Bahnhofplatz weitergefahren würde.

Also ist auch ein Kompromissvorschlag aus all den erwähnten Gründen kein Thema.

Das Quai ist noch eine der letzten innerstädtischen Flächen, wo noch einigermassen flaniert werden kann. Unzählige Fussgängerinnen und Fussgänger erschrecken tagtäglich auf den Trottoirs der Stadt auch an sehr heiklen Stellen (zum Beispiel bei Bushaltestellen), wo rücksichtlos die Trottoirs mit grösster Selbstverständlichkeit durch Zweiradfahrende befahren werden.

Wir wollen nicht ausblenden, dass es auch beim motorisierten Verkehr viele Gefährdungen der Verkehrsteilnehmer gibt und auch Fehlverhalten von Fussgängern. Aber es kann nicht sein, dass sich die Schwächsten auf den Ihnen zur Verfügung stehenden Gehwege nicht mehr sicher fühlen.

Betreffend Verbesserung der Sicherheit an der Haldenstrasse schlagen wir folgende Massnahmen vor:

. Im Bereich des Fitnessparks National an der Haldenstrasse könnten die trostlosen Bäumchen mit der dazwischen für den Fussverkehr nicht nutzbaren Fläche ohne Einbussen zugunsten einer Strassenverbreiterung (zirka 40 cm) geopfert werden. Dies würde es vis-a-vis ermöglichen, die Abstell-Zone für die Anlieferung fürs Hotel National zu verbreitern.

. Hinter der Bushaltestelle «Palace» existiert eine praktisch unbenutzte Parkierfläche, die von Abstellgittern verstellt ist. Auf dieser Fläche könnte zwingend die Anlieferung für die beiden Betriebe Casino und Hotel Palace erfolgen. Ab sofort gäbe es keine auf dem Fahrradstreifen abgestellten Lieferfahrzeuge mehr. Voraussetzung ist die Verstärkung der Dachkonstruktion des Parkhauses.

. Mit dem Kanton ist erneut das Gespräch über eine Tempo 30-Zone auf der Haldenstrasse für den Abschnitt Luzernerhof-Halde (Bushaltestelle Dietschiberg) zu suchen.

Eine frühere Umfrage der «LZ» (nach Lancierung unserer Volkspetition) und eine aktuelle Umfrage der «LZ» ergaben, beziehungsweise ergeben eine klare Ablehnung aus der Bevölkerung für eine Öffnung des Quais für den Zweiradverkehr.

Dies zeigen uns auch die zahlreichen unterstützenden Rückmeldungen aus allen Kreisen der Bevölkerung.

Ich empfehle den interessierten Journalisten, einmal an einem schönen Nachmittag den Quai in Zürich oder von Locarno Richtung Tenero – vorzugsweise zu Fuss – zu besuchen, dann können sie die Auswirkung der Velozulassung hautnah beobachten.

Beat Murer, Vize-Präsident Fussverkehr Region Luzern und Altgrossstadtrat (SP), Luzern


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Über Beat Murer:

Beat Murer (*1949) ist in Luzern aufgewachsen, wo er nach dem Besuch der Zentralschweizerischen Verkehrsschule 23 Jahre bei den SBB diverse Funktionen - vom Betriebsdisponenten bis zum Liegenschaftsverwalter - ausübte. Als Weiterbildungen besuchte er den Verwaltungskurs für Luzernische Verwaltungsbeamte und den SVIT-Fachkurs für Immobilientreuhänder.

Bis zu seiner Pensionierung im Frühjahr 2011 leitete er 17 Jahre das Ressort  Wahlen und Abstimmungen der Stadt Luzern. Dies beinhaltete unter anderem die Organisation und Durchführung sämtlicher eidgenössischer, kantonaler und kommunaler Wahlen sowie diejenigen der katholischen und reformierten Kirchgemeinden. Zudem war er dort bis 2010 für die Prüfung von Initiativen/Referenden/Volksmotionen zuständig. 1990 bis 1992 vertrat er die SP im Grossen Stadtrat und von 1998-2006 war Beat Murer Mitglied des Grossen Kirchenrates der Katholischen Kirche Stadt Luzern.

Beat Murer kandidierte für die glp 2012 als Grossstadtrat.

Sein Motiv, bei lu-wahlen.ch als Kolumnist mitzuwirken: «Ich will so mithelfen, dass verantwortungsbewusste politische Diskurse möglich werden.»