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Kolumne von Beat Murer

07.08.2012

Unglaubliche Verharmlosung der Carproblematik am Schwanenplatz

Nicht lange ist es her, hat die «Neue Luzerner Zeitung» verschiedene Artikel zur Carproblematik am Schwanenplatz publiziert. Nachdem die Leserschaft durch eine nicht immer ausgewogene Berichterstattung umfassend beeinflusst wurde, dass der Zweck («Forcierung von hohen Tagesumsätzen») offenbar die Mittel (wie «negativen Folgen im Verkehr, bei der Sicherheit, der Umwelt und im städtebaulichen Bereich») heiligen würde, hat man dann noch eine Befragung durchgeführt.


Inzwischen ist leider eingetroffen, was schon lange befürchtet werden musste, nämlich ein tödlicher Verkehrsunfall. Dieser Vorfall löste in der Bevölkerung tiefe Betroffenheit aus, während die zuständigen Stellen der Stadt und die Wortführer der Uhren- und Schmuckgeschäfte weiterhin in Verharmlosung der Situation verharren. Die Abschiebung des Problems auf die Ebene der Parkwächter ist mehr als billig. Ich empfehle Herrn Koch vom Tiefbauamt und dem Souvenirhändler Casagrande vom Grendel, einmal selber vor Ort die Parkwächter bei ihrer schwierigen Arbeit zu unterstützen.

Tatsache ist doch, dass mit dem Betrieb dieses Personenumschlagplatzes für Cartouristen alle Beteiligten, insbesondere auch die Carchauffeure überfordert sind. Tagtäglich können gefährliche Situationen beobachtet werden und es ist ein Wunder, dass es bis zum aktuellen Fall nicht zu mehr gravierenden Verkehrsunfällen gekommen ist. 

Es gibt meines Wissens in keiner Schweizer Stadt solche Carparkplatzangebote an derart neuralgischen Punkten wie am Schwanenplatz und auch am Löwenplatz.

So führt beispielsweise jeder auf dem Schwanenplatz anhaltende Car vier Carfahrten auf der am meist befahrenen Verkehrsachse in der Stadt Luzern aus, indem er beispielsweise über den Bahnhofplatz nach dem Inseliparkplatz oder andern Carparkplätzen zum Zwischenparkieren fährt und zur Abholung wieder via Luzernerhof zurückkommt. So befährt unter anderem der «Grindelwald Bus» mit Touristen aus dem Berner Oberland, welcher von der Autobahneinfahrt Eichhof her kommt, viermal die Seebrücke! Wenn die gemäss Tagespresse am Schwanenplatz täglich 180 haltenden Cars hauptsächlich nachmittags/abends vorfahren, lösen sie ein Verkehrsvolumen aus, das einer Carkolonne von ungefähr acht Kilometern Länge entspricht, was der Strecke Ebikon-Kriens entsprechen würde. 

Dass somit der öffentliche wie auch der private Verkehr auch durch die Ab- und Einbiegemanöver der Cars massiv behindert werden, kann tagtäglich bestens an den einschlägigen Schauplätzen beobachtet werden. Dazu braucht es auch keine teuren externen Studien, wie sie unlängst im Zusammenhang mit den sicherheitstechnischen Fragen rund um die Fussgängerstreifen durch die Stadt lanciert wurden (der fehlende Beitrag von Fr. 20 000 an den Hirschpark lässt grüssen!).

Gefragt ist deshalb endlich ein ernsthafter Diskurs über die Problematik des Einkaufstourismus, welcher einigen wenigen Geschäften zugute kommt. Es gilt, den nachhaltigen Tourismus mit mehreren Übernachtungen zu fördern, wie er mit der Inbetriebnahme des KKL und diverser Hotelneu- und Umbauten verstärkt wurde. 

Der Tagestourismus, welcher letztendlich den Massentourismus zur Folge hat, wirkt sich negativ für den qualitativen Tourismus und nicht zuletzt auch für die Geschäfte ausserhalb des Uhren-, Schmuck- und Souvenirbereichs aus. 

So wird die Zugänglichkeit für deren Kundinnen und Kunden eingeschränkt. Die Grendel-Neugestaltung würde illusorisch, solange der Schwanenplatz als Tor zum See und zur Altstadt mit Cars überstellt ist. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Carparkplatzproblematik nun durch die städtischen Behörden zusammen mit den Tourismusverantwortlichen und den involvierten Geschäften ernsthaft nachhaltig angegangen wird und es nicht bei Lippenbekenntnissen bei den weitern Anstrengungen zur Behebung der Verkehrsprobleme in der Stadt Luzern  bleibt.

Beat Murer, Luzern


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Über Beat Murer:

Beat Murer (*1949) ist in Luzern aufgewachsen, wo er nach dem Besuch der Zentralschweizerischen Verkehrsschule 23 Jahre bei den SBB diverse Funktionen - vom Betriebsdisponenten bis zum Liegenschaftsverwalter - ausübte. Als Weiterbildungen besuchte er den Verwaltungskurs für Luzernische Verwaltungsbeamte und den SVIT-Fachkurs für Immobilientreuhänder.

Bis zu seiner Pensionierung im Frühjahr 2011 leitete er 17 Jahre das Ressort  Wahlen und Abstimmungen der Stadt Luzern. Dies beinhaltete unter anderem die Organisation und Durchführung sämtlicher eidgenössischer, kantonaler und kommunaler Wahlen sowie diejenigen der katholischen und reformierten Kirchgemeinden. Zudem war er dort bis 2010 für die Prüfung von Initiativen/Referenden/Volksmotionen zuständig. 1990 bis 1992 vertrat er die SP im Grossen Stadtrat und von 1998-2006 war Beat Murer Mitglied des Grossen Kirchenrates der Katholischen Kirche Stadt Luzern.

Beat Murer kandidierte für die glp 2012 als Grossstadtrat.

Sein Motiv, bei lu-wahlen.ch als Kolumnist mitzuwirken: «Ich will so mithelfen, dass verantwortungsbewusste politische Diskurse möglich werden.»