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Kolumne von Pirmin Meier

28.10.2013

«Ecopop-Initiative», «Familien-Initiative», «1:12»: Zweifel sind erlaubt und nötig

Diese Ausführungen sind in keiner Weise als Abstimmungsparole gedacht. Während indessen früher fast alle Volksinitiativen abgelehnt wurden, agieren Regierung und Parlament derzeit so wenig repräsentativ, dass die Chancen für Initiativen unverhältnismässig wachsen. Damit droht ein politischer Chaotismus. Selbst wenn man die grundsätzlichen Anliegen von Initiativen unterstützt, lohnt sich das Motto von Descartes: «Prüfe alles durch den Zweifel.»


Im Prinzip müssten bei der Einwanderungspolitik, der Familienpolitik, aber auch, wenn es um Finanzen und Steuern geht, Bundesrat und Parlament die ihnen zukommenden Führungsrollen übernehmen. Das Volk kann nicht direkt regieren, bloss «Winke mit dem Zaunpfahl» geben. Diese sollten aber in Bern wahrgenommen und nicht verwedelt werden.

Als Lehrer der Staatskunde wie auch als ehemaliger Verfassungsrat des Kantons Aargau war ich während mehr als vierzig Jahren ein leidenschaftlicher Verfechter der Volksrechte, besonders der direkten Demokratie. Ich bin es heute noch. Aus der Sicht des Historikers war zum Beispiel die sogenannte Abzocker-Initiative des Schaffhauser Kleinunternehmers und nachmaligen Ständerates Thomas Minder über alles gesehen ein Sieg der Vernunft über den Konformismus und mithin ein Beweis, dass das Volk eine herausragende Kompetenz hat in dem, was es nicht will.  

Nun aber stehen Volksbegehren vor uns mit zum Teil gravierenden Konsequenzen. Skeptisches Verständnis bringe ich für die Familieninitiative auf. Dass auf lange Sicht Vollzeit-Elternschaft und eine möglichst grosse Zahl intakter Familien ein durch nichts zu ersetzendes, belohnungsfähiges Potential für die Zukunft darstellen, leuchtet nicht nur der konservativen Wählerschaft ein. 

Trotzdem wäre es besser, im Sinne der jahrtausendealten Funktion der Nachkommenschaft, zum Beispiel eine hundertfünfzigprozentige AHV-Rente für jeden Elternteil zu entrichten, der eine festzulegende Anzahl Vollzeitjahre in die Erziehung von zwei Kindern und mehr gesteckt hat. Es gäbe wohl noch andere praktikable Vorschläge. Wie auch immer: die mit der SVP-Familieninitiative angegangenen Probleme wären besser vom Parlament gelöst worden. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind nämlich in diesem Bereich eher über die finanziellen Konsequenzen auf den umverteilenden Fiskus im Bilde. 

Auf Umverteilung geht auch die 1:12-Initiative aus. Nur wird in diesem Bereich die Wirkung für die Unterprivilegierten gleich Null sein. Die Genugtuung bei der Annahme würde ausschliesslich darin bestehen, dass man es «denen ganz oben» wieder mal gezeigt hat; davon aber wird mit Sicherheit niemand profitieren; im Gegenteil – die Steuerausfälle – ob mit oder ohne Umgehung der Initiativforderungen -  werden, wie schon bei der Familieninitiative, die sozial Schwächeren treffen und den Mittelstand zusätzlich belasten.

Zur Zeit der vor bald 45 Jahren lancierten Überfremdungsinitiative gab es in der aargauischen Gemeinde Wettingen (20 000 Einwohner) eine Ortsplanung mit einem projektierten «Endausbau» auf 80 000 Einwohner. Diesem Vervielfachungs-Wahnsinn versuchten viele mit einem Ja zur sogenannten Schwarzenbach-Initiative entgegenzuwirken. Ich ging als Student der politischen Philosophie von einem Befürworteranteil von maximal 35 Prozent aus. Sogar der persönlich in keiner Weise fremdenfeindliche Schwarzenbach (er hatte dafür andere politisch unangenehme Eigenschaften) ist über den Ja-Anteil von fast 48 Prozent beinahe erschrocken. Dass alle einstigen Sonderbundskantone, besonders Luzern, zustimmten, hätte niemand gedacht. Der Abstimmungstag wurde ein Schock für das Schweizer Establishment; ein Schock, der nur noch durch das EWR-Nein von 1992 übertroffen wurde. 

Selbst wenn man die allgemeine Zielrichtung der Ecopop-Initiative unterstützt, muss man heute sehen, dass ein Ja nicht mehr als Demonstration abgehakt werden könnte. Die Konsequenzen, einschliesslich der Kündigung der bilateralen Verträge, wären erheblich. Und im Gegensatz zur Zeit von Schwarzenbach rechnet niemand  mit nur 35 Prozent Ja. 

Der Ja-Anteil, wohl auch bei der Initiative der SVP gegen die Masseneinwanderung, wird in der deutschen Schweiz und im Tessin ins Gewicht fallen, ziemlich sicher über 50 Prozent; angesichts der neuesten Wahlen in Genf selbst in der Westschweiz wohl eher bei 40 als nur bei 30 Prozent. 

Die beiden Initiativen sind ein doppelter Matchball gegen Bundesrat, Parlament, Wirtschaft und meinungsmachende Mitte-Links-Eliten bis hin zu den Kirchen.

Mit anderen Worten: bei einer solchen Abstimmung wäre taktisches Verhalten, «ein Schuss vor den Bug», wie bei der hauptsächlich symbolisch bedeutsamen Minarett-Initiative praktiziert, unverantwortlich.

Besser als die Annahme der Initiativen zur Beschränkung der Einwanderung wäre es wohl, der Bundesrat würde die Personenfreizügigkeit von sich aus schrittweise aufkündigen. In einem solchen Fall erhielten auch die Gewerkschaften als Verhandlungspartner wieder mehr Gewicht. Auch würden die wenig flexiblen Initiativtexte bei einer Annahme bedeutende Knacknüsse abgeben.

Wünschbar wäre für mich ein Deal des Bundesrates mit dem Volk, welches einen Zuwanderungssaldo von 80 000 Personen jährlich nicht mehr verkraften kann und will. Dabei wäre zwar eine Bevölkerungszunahme für AHV und Renten, wie man hört, auf 13,7 Millionen Menschen angeblich optimal. Im Sinne der Mechanismen einer Brutalo-Marktwirtschaft kann man aber davon ausgehen, dass spätestens bei der Wiederverarmung der Schweiz die Bevölkerungszahl wieder «ganz von selbst» schrumpfen würde. So entspricht es dem Denken des berühmt-berüchtigten John Maynard Keynes: «In the long run we all are dead.»  Der grosse Ökonom, dessen Rezept zum grossen Schuldenmachen für die Wirtschaftskrise von 1929 gedacht war und von Hitler am konsequentesten befolgt wurde, hatte keine Kinder. Er war nämlich homosexuell. 

Eine Umkehr des Trends zu immer mehr Bevölkerungswachstum ergäbe sich auf konsequent marktwirtschaftlicher Basis erst dann, wenn in  der Schweiz eine massive Verarmung einsetzen würde. So, wie wir 1855 aufgrund unserer sozialen Situation und der damaligen Hungersnot ein Auswanderungsland wurden. Und so, wie in der Innerschweiz im 18. und frühen 19. Jahrhundert der Kanton Zug das Armenhaus der Region war. Von Natur aus ist die Schweiz, im Gegensatz etwa zu Norwegen, ein armes Land, und wir können jederzeit wieder dort ankommen. Die Frage ist, wie wir uns dieser Gegebenheit stellen. 

Genauso wie ein Ausstieg aus der Kernenergie nur mit Risiken und Opfern möglich wird, wäre auch die schrittweise Kündigung der Personenfreizügigkeit eine Massnahme zum Schutze von Land und Volk. Sogar für viele von der direkten Mitbestimmung ausgeschlossene Bürgerinnen und Bürger unserer Nachbarländer könnte es zu einem Zeichen der Ermutigung werden. Auch die Europäische Union wird irgendwann aus der Sackgasse einer unangepassten gemeinsamen Währung und aus einer unpraktikablen Grenzenlosigkeit herausfinden. 

Bei Initiativen, denen die Annahme droht, sollte man sich dieses Ja zweimal überlegen. Im Zweifelsfall ablehnen würde zunächst  bestätigen, dass die Kompetenz des Volkes grösser ist in dem, was es nicht will, als in dem, was es will. Ausser bei der Ausschaffungs- und Verwahrungsinitiative ist der Volkswille nämlich häufig unklar. 

Wenn der Bundesrat und die Koryphäen der Wirtschaft dabei bleiben, die Personenfreizügigkeit als heilige Kuh zu behandeln, wird es aber wohl schon nächstes Jahr ein böses Erwachen geben. Lieber als die Annahme von Initiativen, die mit Sicherheit keine ausgewogenen Lösungen darstellen, wäre mir ein Bundesrat, der von sich aus zu einer Kehrtwende bereit wäre und damit auch endlich wieder im offensiven Sinn handlungsfähig.

Die Schweiz ist kein Schlaraffenland. Dass Grenzen gesetzt werden, war nicht nur für Bruder Klaus ein legitimes Anliegen. Der direkten Demokratie müssen aus meiner Sicht nicht stärkere Grenzen gesetzt werden als sie jetzt schon bestehen. Es müsste aber wieder so regiert werden, dass die «Direktregierung» des Volkes durch angenommene Initiativen wieder zur seltenen Ausnahme wird. Staaten haben keine Freunde. Staaten haben Interessen. Das gilt auch für die Schweiz und diejenigen, die vom Volk beauftragt sind, das Land zu regieren. 

Pirmin Meier, Rickenbach 


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Pirmin Meier aus Rickenbach

Samstag, 02.11.2013, 23:30 · Mail

Nachtrag zum Begriff Chaotismus: der Begriff hat, wie schon geschrieben, eine Bedeutung, die mit Alchemie zu tun hat aus der Tradition von Paracelsus, van Helmont und dem Luzerner Troxler, der ihn im Buch «Elemente der Biosophie» von 1806 verwendet. Der Begriff wird aber auch in der Gegenwartsphilosophie verwendet, so vom Physiker und Philosophen Manfred Wetzel, einem Schüler von Carl Friedrich von Weizsäcker und Mitarbeiter im Archiv für Systematische Philosophie. Für Wetzel ist Chaotismus ein Gegenbegriff zu Determinismus, was übrigens unweit vom Verständnis von Troxler ist. Der Begriff Chaotismus wird, das lässt dann auch noch «googeln», heute auch umgangssprachlich verwendet, z.B. betreffend unpünktliche Schüler usw. Im Italienischen ist der Caotismo eine literarische Unterströmung zum Crepuscularismo, dessen wichtigster Vertreter der frühvollendete Guido Gozzano (1883 - 1916), ein linker Gegenspieler von Gabriele d'Annunzio, war. Chaotismus ist nicht nur ein philosophischer Begriff, kommt auch in der Pop-Musik vor sowie im Portugiesischen, Spanischen, Französischen. Selbstverständlich ist der Begriff in modernen Chaos-Theorien und bei Grödel Escher Bach usw. geläufig. Selber habe ich bei einer Führung durch die Stiftsbibliothek Beromünster erst am 26. Oktober den Chaosbegriff des holländischen Arzt-Alchemisten van Helmont, von dem dort ein Standardwerk vorhanden ist, erörtert.

Was die im Zusammenhang mit der Diskussion um «Chaotismus» genannte Schweizerische Orthographische Konferenz betrifft, deren Hauptregel lautet, bei orthographischen Varianten im Duden sich im Zweifelsfall für die ältere Schreibung zu entscheiden (was die Kontinuität mit den grossen Stilisten erleichtert und auch sonst praktisch ist), so gehört natürlich nicht der längst verstorbene Walter Muschg, sondern dessen jüngerer Halbbruder Adolf Muschg zu den Mitunterzeichnern eines Manifestes dieser Konferenz. U.a. möchte er nicht, dass seine Werke in Neuauflagen oder in Schulausgaben orthographisch verändert werden. Hingegen scheint er für gewisse soziale Veränderungen, etwa das «bedingungslose Grundeinkommen», aufgeschlossen. Sprachlich-formaler Konservativismus bedeutet in seinem Fall nicht unbedingt sozialpolitischen Konservativismus.

Pirmin Meier, Rickenbach

 

Pirmin Meier aus Rickenbach

Samstag, 02.11.2013, 14:56 · Mail

Ich anerkenne den Diskussionsbeitrag von Philipp Federer betreffend die Diskussion um die Rohstoffe usw. als kompetent und weiterführend. Meine Meinung über die 1 zu 12-Initiative habe ich gesagt, ich kenne ja die Verhältnisse hier in der Schweiz besser als der Dalai Lama, dessen gesinnungsethische Haltung ich nicht nur respektiere, sondern in vielem teile.

Herr Federer muss aber wissen, dass der Duden für professionelle Philologen keine grosse Bedeutung mehr hat und nur einen Teil des Wortschatzes enthält; in Sachen Orthographie ist er bekanntlich nicht mehr auf der Höhe, er richtet mit über 10 000 Varianten ein Chaos an, die Dudenredakteure leiden an Chaotismus, einen Ausdruck, den man auch beim Luzerner Philosphen Ignaz Paul Vital Troxler findet. Der Begriff Chaos wurde im Deutschen von Theophrastus Paracelsus als einem der ersten gebraucht, später von Johann Baptist van Helmont zum Begriff «Gas» weiterentwickelt. Es gibt eine sechsstellige Zahl von Wörtern, die im Duden nicht verzeichnet sind.

Von dem mal abgesehen, stelle ich fest, dass Herr Federer und ich bei der Einschätzung gewisser Probleme verschiedene Perspektiven haben. Wenn ich den geringsten Nutzen der 1 zu 12 Initiative für die Bekämpfung der Armut sähe, würde ich selbstverständlich zustimmen. Da ich diesen aber nicht sehe, stimme ich nicht zu. Sogar bei einer Initiative, bei der die Gründe für ein Ja wie für ein Nein ungefähr gleich liegen wie etwa bei der Familieninitiative, stimme ich im Zweifelsfall Nein, aus den Prinzipien, wie ich sie im Artikel über das Initiativwesen dargelegt habe.

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu Geld und Kredit interessiert mich schon seit 40 Jahren, im Zusammenhang mit Papst Martin V., gewählt in Konstanz am 11. Nov. 1417, von dem bekanntlich die ersten wesentlichen Lockerungen des Zinsverbotes stammen. Es ging auch darum, den italienischen Finanz- und Handelshäusern, den Medici und Strozzi und wie sie hiessen, gleich lange Spiesse wie etwa den Juden zu ermöglichen, im Endeffekt natürlich längere Spiesse. Franz von Assisi, Antonius von Padua und in der Schweiz auch Bruder Klaus hatten riesige Gewissensprobleme mit der aufkommenden Geldwirtschaft und dem sog. Frühkapitalismus. Aufgrund eines dualistischen Weltbildes und auch aus mangelnden ökonomischen Kenntnissen sahen die Franziskaner diese rein negativ und trugen damit nach Max Weber zur Fortschrittsverzögerung der katholischen Länder bei.

Vermutlich hätten Franz und Antonius Philipp Federer wenigstens grundsätzlich recht gegeben. Bei Bruder Klaus bin ich mir weniger sicher, weil er von Politik mehr verstand. Er hat übrigens zu seiner Zeit den Eidgenossen kein einziges Mal eine direkte politische Parole gegeben, auch nicht gesagt, man müsse Freiburg und Solothurn in den Bund aufnehmen, bzw. Konstanz nicht aufnehmen, welches auch gerne eidgenössisch geworden wäre. Typisch war, dass alle Besucher von Bruder Klaus der Meinung waren, er würde sie unterstützen, was dann immerhin 1481 zu einem Friedensschluss unter den zerstrittenen Eidgenossen geführt hat. Das Stanser Verkommnis war aber, wie Troxler vermerkte, ein in vielem ungerechter Friede auf Kosten z.B. der bäurischen Untertanen Berns und Luzerns, weswegen man diesen Frieden Bruder Klaus nicht in die Schuhe schieben dürfe. Er war ohnehin Eremit und trug keine Schuhe.

Als die grösste Sünde der Schweizer brandmarkte er den Eigennutz und die schnöde Käuflichkeit. In diesem Punkt könnten sich Bruder Klaus, Philipp Federer, Heinrich Federer und ich noch treffen. Für mich war indessen auf dieser gesinnungsethischen Grundlage die Minderinitiative eher ein Schritt in die richtige Richtung als 1 zu 12. Letztlich ist es, um es mit Kant zu sagen, eine Frage der praktischen Vernunft, wie wir stimmen. Ob man richtig oder falsch gestimmt habe, sieht man oft erst einige Jahre später. Auch aus diesem Grunde finde ich die kontroversen Diskussionen bei www.lu-wahlen.ch äusserst sinnvoll und diese Einrichtung verdienstlich.

Oft sind es auch weniger gesinnungsethische als biographische Gründe, die uns veranlassen, bei dieser oder jener Frage anders zu stimmen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Innerschweiz in überdurchschnittlichem Ausmass «falsch stimmt». Selbst wenn ich anders stimme als die Mehrheit, fällt es mir fast immer sehr leicht zu erklären, warum die Mehrheit so gestimmt hat und ich kann damit in der Regel gut leben.

PS. A propos Duden: Ich bin wie Gisela Widmer, Walter Muschg, Peter von Matt und mein verstorbener Kollege Jürg Amann Mitglied der Schweizerischen Orthographischen Konferenz, an deren Empfehlungen sich unterdessen nebst der NZZ auch der Reclam-Verlag hält sowie weitere Spitzenverlage, während die Schulen und Lehrmittelverlage immer noch hinterherhinken. Es ist übrigens ein Unterschied, ob man sagt «hinterherhinken» oder «hinterher hinken».

Pirmin Meier, Rickenbach

 

Philipp Federer aus Luzern

Mittwoch, 30.10.2013, 21:55 · Mail  Website

Der Duden kennt kein Chaotismus. Entweder ist damit Chaos oder Chaotentum gemeint.

Zur Ausbeutungsthese u.a. durch die Rohstoffhändler empfehle ich Primin Meier das Buch «Rohstoffe» von der Erklärung von Bern, deren Mitglied ich seit 30 Jahren bin.

Ich habe zwar kein Buch zu Marc Rich geschrieben, wie mir Meier empfiehlt. Geschrieben habe ich zwei Artikel in «Säuhäfeli-Säudeckeli», die von ihm und seinen Marc Rich Boys handeln. Ebenso reichte ich im Grossen Stadtrat von Luzern zum Giftmüllskandal in Abidjan einen Vorstoss ein, der durch die Marc Rich Boys verursacht wurde.

Aergerlich empfinde ich die arrogante Art, sich über die Probleme der verschuldeten Staaten, auch der USA, auszulassen. Die Nationalstaaten sind verschuldet, auch wegen den Rohstoffhandelsfirmen!

Meine Anmerkungen zur 1:12-Initiative hat Herr Meier nicht beantwortet und die Argumente wurden nicht widerlegt. Wer sich nur auf Innerschweizer Mehrheiten beruft, argumentiert banal. Für die Innerschweiz ist dies eher ein Armutszeugnis, wie sie im blinden Antikommunismus gewisse Problem verdrängt. Immerhin ist diesbezüglich der neue Papst Franziskus zu Armutsfragen aufgeschlossener, ebenso der Dalai Lama, als er zur 1:12-Initiative befragt worden ist, sich äusserte: «Wenn ich abstimmen dürfte, würde ich wohl ja stimmen.» (Interview in Schweiz am Sonntag vom 14.4.2013)

Philipp Federer, Luzern

 

Pirmin Meier aus Rickenbach

Dienstag, 29.10.2013, 22:46 · Mail

Präzisierung zur Kompetenz: In meiner Antwort auf Philipp Federer ist zuerst davon die Rede, er sei wohl nicht kompetent, über den Zusammenhang der Ausbeutungsthese mit den heutigen Problemen Afrikas zu schreiben; einige Zeilen weiter unten wird ihm empfohlen, eine Alternative zur Marc-Rich-Biographie auszuarbeiten. Also wird die Inkompetenz-These mindestens zum Teil wieder zurückgenommen. Ist das nicht «Chaotismus»? Auf jeden Fall würde es eher was bringen, sich ganz konkret mit dem Leben von Marc Rich auseinanderzusetzen als sich nur allgemein über die Gründe der Armut vieler afrikanischer Länder auseinanderzusetzen.

Es ist wohl richtig, dass jeder Mensch seine Kompetenzen hat und dass das «Argument», der andere sei sowieso nicht kompetent, unsachlich ist. Ich möchte mich hier also in aller Form korrigieren.

Kompetenz bedeutet nach meiner Meinung, dass man sich in ein Thema so gut einarbeitet, dass man so gut und glaubwürdig schreiben kann wie Philipp Feder über die Umfahrung von Wolhusen. Das ist beim Thema 1 zu 12-Initiative zwar für uns alle schwieriger, noch schwieriger ist es beim Thema Afrika. Da wäre zum Beispiel mal eine kontroverse öffentliche Diskussion zwischen Al Imfeld und Rich-Biograph Daniel Ammann echt interessant, sicher noch interessanter, als was mir Philipp Federer in dieser Sache vorwirft und was ich ihm dann wieder geantwortet habe.

Pirmin Meier, Rickenbach

 

Pirmin Meier aus Rickenbach

Dienstag, 29.10.2013, 21:58 · Mail

Der sprachbegabteste Schriftsteller mit dem Namen Federer hat über 300 Wortschöpfungen geleistet, selbstverständlich gibt es das Wort Chaotismus, wahrscheinlich weiss Herr Philipp Federer von Wortbildungsregeln etwa gleich viel wie von den Lohntabellen in den ehemaligen und zum Teil noch existierenden sozialistischen Ländern. Tatsächlich waren die Verhältnisse in der DDR durchaus eher unter 1 zu 12, nur nützte den DDR-Bürgern ihr Geld vielfach nichts mangels Waren, wenn z.B. in einer Kleinstadt auf Ostern weniger als 20 Kaninchen für 5 Mark zu kaufen waren, so kriegte man es eben nicht, und auf den Trabi usw. musste man halt auch warten.

Dies nur als Beispiel. Selbstverständlich wäre 1 zu 12 oder 1 zu 20 oder 1 zu 30, letzteres wurde von St. Galler Ethikern gefordert, über die Minder-Initiative via Beschluss des Aktionariates realisierbar. Für viele Aktionariate und bei diversen Firmen wäre eine Abstufung, wiewohl kaum 1 zu 12, durchaus im Sinne der Lohntransparenz vertretbar. Aber sicher nicht durch staatlichen Zwang und nicht als Einheitsgesetz.

Minder erklärte übrigens dieser Tage, dass die Grundideen, abgesehen von der dilettantischen Ausarbeitung, der 1 zu 12-Initianten ihm zwar sympathisch seien, aber eben anders umgesetzt werden müssten, auf jeden Fall nicht durch eine starre staatliche Regelung. Das wäre nun halt eben sozialistisch, was in diesem Fall den Wohlstand der Schweiz sicher nicht heben würde.

Die Wirkungslosigkeit der Umverteilung, das habe ich deutlich gesagt, betrifft nur die absolute Wirkungslosigkeit auf die Unterprivilegierten. Im Zusammenhang mit der Umgehung dieser sozialistischen Vorschriften, würden sie angenommen, wäre mit einem erheblichen Schaden zu rechnen, mindestens ist der Schaden wohl hundertfach wahrscheinlicher als der Nutzen.

Ihre Ausbeutungsthese, Herr Federer, hat mit den heutigen Problemen von Afrika nur noch ganz wenig zu tun. Schreiben Sie doch darüber ein Buch. Ehrlich gesagt, sind Sie dafür doch nicht kompetent.

Über Marc Rich habe ich bei www.portal-der-erinnerung.de einen relativ kritischen Nachruf geschrieben, aber auch darauf hingewiesen, dass Rich, wie Ellen Ringier noch stärker betonte, wohl heute so etwas wie einen Feindbild-Juden wie aus dem antisemitischen Bilderbuch darstelle. Ich möchte jedoch betonen, dass Kritik an Rich nicht mit der Antisemitismus-Keule verhindert werden sollte. Sie ist möglich, aber was Innerschweizer Linke über ihn abgesondert haben, ist nicht kompetent genug. Da müsste man schon ein paar Jahre recherchieren. Über alles gesehen halte ich Rich für einen interessanten Mann, gerade weil er, unabhängig von Ideologien, Boykotte umgangen hat. Dass Südafrika kein Land des Elendes ist, verdankt es auch etwas der dort aufgebauten Wirtschaft und vielleicht sogar etwas Marc Rich. Die Apartheid ging nicht wegen Boykotten zu Ende, sondern wegen der neuen weltpolitischen Konstellation beim Ende des Kalten Krieges.

Falls Sie, Herr Federer, anderer Meinung sind, dann schreiben Sie doch ein Buch über Marc Rich; ich finde selber, dass die schon erschienene Biographie über ihn zu positiv ist.

Es gibt übrigens keine ehrlichen Länder, besonders nicht die USA.

Mein Artikel hat übrigens in Sachen Familieninitiative nicht das Gegenteil von Frau Schmid-Federer gesagt. Die Hauptthese des Artikels geht in die Richtung, dass Bundesrat und Parlament das Heft wieder besser in die Hand bekommen sollten. Dies gilt besonders für die Einwanderungspolitik. Über den Dilettantismus der 1 zu 12-Initiative werde ich mich weiter nicht mehr äussern, darüber ist, nicht von mir, das Wesentliche längst gesagt, und ich bin im Gegensatz zu denjenigen, die vor ihr Angst haben, überzeugt, dass sie zum Beispiel in der Innerschweiz abgelehnt werden wird.

Es wäre also gut, sich konstruktiveren Anliegen zuzuwenden als eben Initiativen, denen eigentlich niemand im Ernst das Prädikat «sehr gut durchdacht≤« zubilligen wird. Mit anderen Worten: bei einer Initiative im Zweifelsfall Nein stimmen ist wohl eher besser als ein Ja im Zweifel, wenigstens dann, wenn der Initiative ein Ja droht. Dass die Gegenseite von 1 zu 12 oft schlecht argumentiert, habe ich schon in einem früheren Beitrag gesagt.

Pirmin Meier, Rickenbach

 
 
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Über Pirmin Meier:

Dr. phil. Pirmin Meier (1947), aufgewachsen in Würenlingen AG und wohnhaft in Rickenbach LU, langjähriger Gymnasiallehrer in Beromünster, war zunächst als Journalist und Herausgeber von Büchern (unter anderem bei Suhrkamp-Insel) tätig, später mehrere Jahrzehnte als Gymnasiallehrer (Beromünster) und Lehrerfortbildner. 

Seine Biographien über Paracelsus (6. Auflage im Jahr 2013), Bruder Klaus (3. Auflage in Vorbereitung) sowie Heinrich Federer und Micheli du Crest gelten als epochal und wurden unter anderem mit dem Innerschweizer und dem Aargauer Literaturpreis ausgezeichnet. Zu den Themen, die mit der Innerschweiz zu tun haben, gehören bei Pirmin Meier das Buch «Landschaft der Pilger», unter anderem mit der Beschreibung der Schattigen Fasnacht in Erstfeld und einer ersten Studie über den heiligen Gotthard. Ausserdem setzte er sich mit der Biographie von Pater Alberich Zwyssig – von ihm stammt der Text des «Schweizerpsalms», der Schweizer Nationalhymne – auseinander, eingegangen in das Buch über Wettingen «Eduard Spörri, ein alter Meister aus dem Aargau».  

Stark beachtet, mit rund drei Dutzend öffentlicher Lesungen seit dem Erscheinen, etwa in Altdorf und im Bahnhofbuffet Göschenen, wurde die mit grossem Aufwand betriebene Neufassung des berühmten Jugendbuches «Der Schmied von Göschenen», welche Neubearbeitung erstmals die Bedeutung der Walser für die ältere Schweizer Geschichte unterstreicht.  

Pirmin Meier gehörte auch zu den geistigen Promotoren des Films «Arme Seelen» von Edwin Beeler, zu welchem Thema er sich im Sommer 2012 in einer ganzstündigen Sendung «Sternstunde Religion» auf SRF ausgelassen hat. Er lebt in Rickenbach bei Beromünster, arbeitet derzeit an einem Grossprojekt über Schweizer Mystik und schrieb auch den Text für das Oratorium Vesper von Heiligkreuz mit Musik von Carl Rütti, welches Werk am Wallfahrtsort Heiligkreuz vom 3. bis 5. Mai dieses Jahres seine Uraufführung erfahren hat.

Am 7. September 2013 hielt Dr. Pirmin Meier auf der Rigi die Jubiläumsansprache zum Jubiläum 70 Jahre Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein ISSV. Für sein Buch «St. Gotthard und der Schmied von Göschenen» machte er bedeutende, für die Geschichte der alten Wege einmalige Recherchen über die alten Wege vor 1231, auch zusammen mit dem Historiker Dr. Hans Stadler-Planzer. In beratender Funktion ist Pirmin Meier tätig für das Filmprojekt «Winkelried» des in Ebikon wirkenden Filmunternehmers Marcel Wolfisberg. 

Mehr über Pirmin Meier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pirmin_Meier

Pirmin Meier erhält Innerschweizer Kulturpreis 2008:
https://kultur.lu.ch/-/media/Kultur/Dokumente/preise_auszeichnungen/meier2008.pdf