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Kolumne von Pirmin Meier

07.08.2013

Alfred Waldis – die Ehrung dieses grossen Mannes verdient einen breiten Konsens

Unter den Ansprachen zum Abschied von Verkehrshaus-Gründer Alfred Waldis waren die Worte von Altnationalrat und Verkehrshauspräsident Franz Steinegger substanziell: Alfred Waldis sei ein letzter Repräsentant einer Gründergeneration gewesen.


Er gehörte zu den wenigen, die man auf ihre Weise noch mit den Gründern des Bundesstaates, auch mit den Bahn-, Tourismus- und Bergbahnpionieren, ebenso mit unseren wichtigsten Kulturschaffenden der letzten hundert bis hundertfünfzig Jahre vergleichen kann. 

Mit seinem Eintreten für schweizerische Bescheidenheit in Verbindung mit Weltoffenheit repräsentierte Alfred Waldis eine Haltung, wie sie vor bald 100 Jahren Carl Spitteler mit seiner Rede «Unser Schweizer Standpunkt» eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht hat. 

Spitteler gehörte mit zu den Gründungspersönlichkeiten einer bei uns keineswegs selbstverständlichen pluralistischen Kultur, was er mit seinem Eintreten für die Feuerbestattung unterstrichen hat (Spitteler war dann 1924 der erste Kremierte in Luzern). Der Gedanke an Spitteler kam mir bei der Verabschiedung von Waldis auch deswegen, weil die Feier im Verkehrshaus einen betont weltlichen Charakter trug; statt der Bibel wurde Epikur zitiert; und die Reden sowie Musikdarbietungen wurden mit Applaus bedacht. Wie weit dies auch wirklich dem letzten Willen von Alfred Waldis entsprach, einem Mann des Volkes, ist mir nicht bekannt.

Einen Monat nach dem Ableben eines der bedeutendsten Kulturpioniere der Innerschweiz scheint klar, dass seine Lebensleistung mit denjenigen, die Millionengagen verdienten und verdienen, kaum vergleichbar ist. 

Und wenn hohe Kultur einerseits auf Nachhaltigkeit, andererseits auf Nähe zum Volk jenseits bloss von Populismus beruht, dann scheint mir Alfred Waldis unter den bisherigen Kulturpreisträgern der Innerschweiz ein schlicht überragender Rang zuzukommen. Was dieser Mann geleistet hat, wie er alles, wofür er eintrat, mit seiner ganzen Existenz ohne jegliche Angeberei tatkräftig bezeugt hat, scheint über die Grenzen von Parteien, Weltanschauungen und sonstigen Meinungsverschiedenheiten hinaus einzigartig. 

Dabei blieb dieser grosse Mann im freundlichen Umgang mit den Menschen im Herzen trotzdem der kleine Bähnler, als der er 1937 auf dem Bahnhof Beromünster als Vorstandsgehilfe angefangen hatte. 

Das Bildungsprofil von Alfred Waldis scheint weitverbreitet und ist doch einzigartig. Wie nur wenige Andere sonst bezeugt er, der in Sachen Weiterbildung nie rastete, die besten Seiten des für die Schweiz repräsentativen dualen Bildungssystems: nämlich dass jemand, der eine gute Berufslehre gemacht hat, es bis zur absoluten Spitze bringen kann. Im Falle von Alfred Waldis ist dies sogar der sonst in diesem Punkt heiklen «Neuen Zürcher Zeitung» aufgefallen. 

Unter den Spitzenpolitikern der Schweiz war der eher unpolitische Waldis auf seine Weise vielleicht noch am ehesten mit Bundesrat Willy Ritschard vergleichbar. Es lag das Profil einer Ausnahmepersönlichkeit vor: biografisch, leistungsmässig und auch, was den verdienten Anklang bei der Bevölkerung betrifft.

Mit Recht üben wir im Kanton Luzern und generell in der Schweiz in Sachen Personenkult Zurückhaltung. Pioniere des Bundesstaates wie Kasimir Pfyffer und Jakob Robert Steiger sind mit Strassen und Wegen geehrt worden, zuletzt noch der beliebte Stadtpräsident Matthias Luchsinger. 

Mit Alfred Waldis - das wurde nun absehbar - haben wir uns von einer der profiliertesten und verdienstvollsten Persönlichkeit der Innerschweiz seit Ende des Zweiten Weltkrieges verabschiedet; von einem Pionier nicht nur der Verkehrsgeschichte und des Tourismus. Nach meiner Überzeugung lebte Alfred Waldis die Werte, die wir parteiübergreifend, konfessionsübergreifend und kulturübergreifend als gute Schweizer Werte in einem schwieriger gewordenen Konsens ansehen dürfen. Ich kenne kaum ein Lebenswerk, das wie das seinige für breiteste Kreise als «zustimmungsfähig» anerkannt werden könnte.

In diesem Sinne habe ich ein Mitglied der Luzerner Stadtregierung brieflich gebeten, den von www.lu-wahlen.ch gemachten spontanen Vorschlag, die Lido-Wiese in Alfred-Waldis-Wiese umzubenennen, oder einfach in Waldis-Wiese, aufzugreifen. Selbstverständlich ist es dem Stadtrat unbenommen, allenfalls eigene Vorschläge zur Ehrung des Andenkens an einen unserer bedeutendsten Mitbürger zu machen. 

Es geht hier um die Werte mitbürgerlichen Kulturschaffens, wie sie Alfred Waldis über die Jahrzehnte seines Wirkens bis kurz vor seinem Tode beispielhaft verwirklicht hat.

Pirmin Meier, Rickenbach


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Über Pirmin Meier:

Dr. phil. Pirmin Meier (1947), aufgewachsen in Würenlingen AG und wohnhaft in Rickenbach LU, langjähriger Gymnasiallehrer in Beromünster, war zunächst als Journalist und Herausgeber von Büchern (unter anderem bei Suhrkamp-Insel) tätig, später mehrere Jahrzehnte als Gymnasiallehrer (Beromünster) und Lehrerfortbildner. 

Seine Biographien über Paracelsus (6. Auflage im Jahr 2013), Bruder Klaus (3. Auflage in Vorbereitung) sowie Heinrich Federer und Micheli du Crest gelten als epochal und wurden unter anderem mit dem Innerschweizer und dem Aargauer Literaturpreis ausgezeichnet. Zu den Themen, die mit der Innerschweiz zu tun haben, gehören bei Pirmin Meier das Buch «Landschaft der Pilger», unter anderem mit der Beschreibung der Schattigen Fasnacht in Erstfeld und einer ersten Studie über den heiligen Gotthard. Ausserdem setzte er sich mit der Biographie von Pater Alberich Zwyssig – von ihm stammt der Text des «Schweizerpsalms», der Schweizer Nationalhymne – auseinander, eingegangen in das Buch über Wettingen «Eduard Spörri, ein alter Meister aus dem Aargau».  

Stark beachtet, mit rund drei Dutzend öffentlicher Lesungen seit dem Erscheinen, etwa in Altdorf und im Bahnhofbuffet Göschenen, wurde die mit grossem Aufwand betriebene Neufassung des berühmten Jugendbuches «Der Schmied von Göschenen», welche Neubearbeitung erstmals die Bedeutung der Walser für die ältere Schweizer Geschichte unterstreicht.  

Pirmin Meier gehörte auch zu den geistigen Promotoren des Films «Arme Seelen» von Edwin Beeler, zu welchem Thema er sich im Sommer 2012 in einer ganzstündigen Sendung «Sternstunde Religion» auf SRF ausgelassen hat. Er lebt in Rickenbach bei Beromünster, arbeitet derzeit an einem Grossprojekt über Schweizer Mystik und schrieb auch den Text für das Oratorium Vesper von Heiligkreuz mit Musik von Carl Rütti, welches Werk am Wallfahrtsort Heiligkreuz vom 3. bis 5. Mai dieses Jahres seine Uraufführung erfahren hat.

Am 7. September 2013 hielt Dr. Pirmin Meier auf der Rigi die Jubiläumsansprache zum Jubiläum 70 Jahre Innerschweizer Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverein ISSV. Für sein Buch «St. Gotthard und der Schmied von Göschenen» machte er bedeutende, für die Geschichte der alten Wege einmalige Recherchen über die alten Wege vor 1231, auch zusammen mit dem Historiker Dr. Hans Stadler-Planzer. In beratender Funktion ist Pirmin Meier tätig für das Filmprojekt «Winkelried» des in Ebikon wirkenden Filmunternehmers Marcel Wolfisberg. 

Mehr über Pirmin Meier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pirmin_Meier

Pirmin Meier erhält Innerschweizer Kulturpreis 2008:
https://kultur.lu.ch/-/media/Kultur/Dokumente/preise_auszeichnungen/meier2008.pdf