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Kolumne von Laura Kopp

02.04.2013

Und täglich grüsst der Strassenstrich

In den letzten Wochen stand im Stadtparlament der Strassenstrich wieder einmal im Zentrum des Interesses. Dies aufgrund zweier von der FDP eingereichten Vorstösse. Gefordert wird eine Regelmentsanpassung, um die Situation im Ibach für die Gewerbetreibenden zu verbessern.


Mit «Gewerbetreibenden» sind dabei aber nicht die Sexarbeitenden gemeint. Trotzdem zeigt sich die Motionäre davon überzeugt ist, dass von den vorgeschlagenen Massnahmen alle profitieren werden: die Gewerbetreibenden, die Sexarbeitenden, die Freier und deren Familien. 

An der Sitzung des Grossen Stadtrates am Donnerstag vor Ostern (28. März) wurde über die einzelnen Vorschläge diskutiert. Die Debatte drehte sich also einmal mehr um Fragen wie Strichpläne, Verschmutzung, Schaden für Gewerbetreibende oder Gebühren. Ein wichtiger Bestandteil fehlte, namentlich eine Grundsatzdiskussion zur käuflichen Sexualität im Allgemeinen und zur Situation auf dem Strassenstrich im Speziellen. 

So war nie die Rede von der Selbstbestimmung der Frauen oder gar von der Verantwortung, welche die Freier übernehmen müssen. Denn eines ist sicher: So lange es eine Nachfrage nach käuflichem Sex gibt, so lange wird es auch die Prostitution geben. 

Eigentlich müssten wir uns deshalb einmal fragen, weshalb die Politik Männern, die auf der Strasse schnellen, billigen und teilweise sogar noch ungeschützten Sex suchen, eine Infrastruktur, wie zum Beispiel ein Strichplatz oder Verrichtungsboxen zur Verfügung stellen soll. Müssten nicht die Freier selber dafür besorgt sein, einen solchen Platz einzurichten, um sich und ihre Familie zu schützen, so wie es in der Motion gefordert wird?

Oder wie wär's mit einer Umkehrung der Verbotsdiskussion? Warum nicht einmal Massnahmen überlegen, mit denen der Kauf der sexuellen Dienstleistung ab Strasse verboten werden könnte? Das wäre wohl, so zeigt das Beispiel Schweden, die effektivste Massnahme zur Verdrängung des Strassenstrichs. 

Nicht erstaunlich ist auch die Reaktion von REAL. Wer will denn schon einen Strichplatz vor der Haustüre? Diese Ausgangslage macht eines sicher: Wir werden uns auch in Zukunft mit dem Thema beschäftigen, ohne eine wirkliche Lösung zu finden.

Laura Kopp, glp-Grossstadträtin, Luzern 


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Gerardo Raffa aus Luzern

Donnerstag, 04.04.2013, 21:41 · Mail

Dank an Laura Kopp für dieses wichtige Statement! Dass die Lösungen nicht fixfertig auf dem Tisch liegen ist klar. Aber gut, dass endlich jemand «die Sache» auch beim Namen nennt.

Ich staune immer wieder darüber, für wie normal und harmlos heute käuflicher Sex angesehen wird. Und zwar von Männern ebenso wie von Frauen. Es ist ausserdem in der Tat fragwürdig, warum «Konsumenten» von käuflichem Sex nicht auch für ihre Kosten aufkommen sollten.

Ein anderer Weg wäre der, für den sich, wie Laura Kopp zurecht schreibt, Schweden und auch Frankreich entschieden haben: Dort gilt Prostitution als unerwünschtes Gewerbe, Freier (Konsumenten) werden bestraft. In der Tat: Warum nicht einmal Massnahmen überlegen, mit denen der Kauf der sexuellen Dienstleistung ab Strasse verboten werden könnte?

Gerardo Raffa, Luzern

 
 
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Über Laura Kopp:

Laura Kopp (* 1973) ist Politikwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Fachspezialistin Planung/Koordination beim Bundesamt für Energie, Abteilung Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Am 10. April 2011 hatte sie in Luzern für die Grünliberalen als Kantonsrätin kandidiert und den vierten Ersatzplatz erreicht. Bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober landete sie auf dem ersten Ersatzplatz. Am 6. Mai 2012 ist sie in den Grossen Stadtrat gewählt worden. 

Seit 29. Oktober 2012 ist sie Kantonalpräsidentin der glp.

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