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Kolumne von Alois Hartmann

27.03.2011

Ein paar Voraussetzungen braucht es schon

Der Entscheid naht. Viele - hoffentlich immer mehr! - sind damit beschäftigt, ihre Wahlzettel auszufüllen, den einen für den Regierungsrat, den anderen für den Kantonsrat. Welches ist der wichtigere? Beide sind gleich wichtig! Das Parlament steht über der Regierung, aber ohne Regierung könnte es gar nicht arbeiten.


Doch welche Regierung, welche Frauen und Männer? Für viele keine leichte Aufgabe. Vielleicht war das Wählen noch nie so schwierig  -  weil klare Fronten verloren gegangen sind, weil wir uns heute freier fühlen, einen Wahlzettel auszufüllen, weil eine so grosse Auswahl besteht, weil jede und jeder Vor- und Nachteile besitzt, auch politisch.

Ich hatte in meinen politischen und journalistischen Jahren vielfach Gelegenheit, auf allen drei Ebenen «Regierende» zu beobachten. Ich sass oft sehr nah und lernte so ihre Arbeitsmethoden und ihr Verhalten besser kennen, hörte ihnen auf der Tribüne oder im Ratssaal zu und erlebte, wie sie sich vor dem Plenum äusserten, wie sie in der Öffentlichkeit ihre Anliegen vorbrachten, gelegentlich auch Angriffe abzuwehren hatten. Und ich lernte sie im persönlichen Umgang kennen.

Um all die Aufgaben erfüllen zu können, braucht es viele Gaben und Tugenden. Das Selbstverständliche nur stichwortartig: Leben in geordneten Verhältnissen (von der Familiensituation bis zu den Finanzen), Unabhängigkeit, breites Wissen, politische Erfahrung, gute Umgangsformen, Bereitschaft, hart zu arbeiten, sich auch in Details zu vertiefen.

Imprägniert gegen persönliche Angriffe

Es ist niemand vollkommen, aber es gibt Anforderungen, die einfach gegeben sein müssen, ohne die man nicht antreten darf. Doch kommen bei Exekutivmitgliedern ein paar zusätzliche Anforderungen hinzu.

So müssen Regierungsleute sehr viel aushalten können. Es wird oft unfair reagiert, ohne Prüfung des Sachverhalts, ohne Kenntnis der Hintergründe und Zusammenhänge. Die Anschuldigungen zielen nicht selten auf die Person  -  nicht auf die Funktion, sie liegen oft weit unter der Gürtellinie. Das muss ein Regierungsmitglied ertragen, aushalten können, denn es muss trotz allem weiter arbeiten und eine gute Politik gestalten.

Aushalten erfordert aber auch, lange Prozesse der Meinungs- und Willensbildung durchzustehen, in ermüdenden Sitzungen zuzuhören, aufmerksam zu bleiben. Um das zu können, braucht es starke Nerven, einen stabilen Charakter, es braucht Wertvorstellungen, Selbstvertrauen und ein gutes Umfeld  -  Freundinnen und Freunde, die mittragen. Und natürlich sind Hobbies sehr wichtig.

Regierende müssen kreativ sein. Wie oft habe ich Sitzungen erlebt, die ins Uferlose gerieten, weil niemand eine gute Idee hatte und keinen Lösungsvorschlag präsentieren konnte. Wer eine Kommission leitet, muss diese Gabe besitzen, vor allem aber Regierungsleute, die an unzähligen Sitzungen und Besprechungen teilzunehmen haben. Sie müssen in der Lage sein, aus der Diskussion heraus einen Weg aufzuzeigen, Lösungsansätze zu formulieren. Sonst wird das Regieren eine mühsame Sache.

Regierungsrat ist eine Kollegialbehörde

Schliesslich müssen Regierende in besonderem Masse teamfähig sein. Der Begriff ist schillernd, doch wir alle wissen, was es braucht: Verträglichkeit (nicht nachhacken!), vergessen können, Aufgaben und Probleme auch im Gremium ohne Angst offen auf den Tisch legen, andere Meinungen respektieren, nie den Dialog scheuen, sogar neugierig sein, wie andere denken  -  nicht selbstverliebt agieren.

Vergessen wir nicht: Wir wählen Leute in ein Gremium, das als Kollegialbehörde arbeiten soll. Da braucht es andere Voraussetzungen als bei der Wahl in den Kantonsrat. Natürlich pflegen oft auch Mitglieder eines Kollegiums unterschiedliche Meinungen  -  doch Kolleginnen und Kollegen sollten sie immer bleiben. Nur so macht Regieren Freude, nur so kommen gute Lösungen zustande!


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Über Alois Hartmann:

Alois Hartmann (Rothenburg) war unter anderem Mitarbeiter im Generalsekretariat der CVP Schweiz, später Sekretär der CVP Kanton Luzern und städtischer CVP-Präsident. Dazwischen arbeitete er als Bundeshausredaktor für das CVP-Zentralorgan Vaterland, das er später als Chefredaktor führte. Während fünf Jahren war er Informationschef der Caritas Schweiz.