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Kolumne von Yannick Gauch

12.10.2011

Solche Angriffe sind nur noch peinlich

Es ist in diesem Land bekanntlich nicht verboten, die WählerInnen für dumm zu halten. Auch nicht, sie als etwas gar vergesslich zu betrachten. Und ebenso legal ist es, in der Politik gleich selber die Beweise dafür zu liefern, wie tolldreist Verdächtigungen, Unterstellungen und Verleumdungen sein können. JSVP und SVP machen allerdings momentan genau dies im Kanton Luzern vor.


10. September 2011: Anian Liebrand bepinselt mit flüssiger Kreide die Luzerner Seebrücke mit Verschwörungstheorien zu «9/11».

10. September 2011: Anian Liebrand bepinselt mit flüssiger Kreide die Luzerner Seebrücke mit Verschwörungstheorien zu «9/11».

Was ist geschehen? Wir JungsozialistInnen haben bekanntlich vor zweieinhalb Wochen nachts Plakate bürgerlicher Politikerinnen mit Post Its überklebt. Die Botschaft darauf lautete: «Gekaufter Politik einen Denkzettel verpasst»

Post Its sind bekanntlich eine geniale Erfindung, sind selbstklebende Blätter, die in jedem Büro und jedem Haushalt als Notizen dienen und problemlos jederzeit wieder entfernt werden können, ohne dass die zum Aufkleben benützte Oberfläche irgendwelchen Schaden nimmt. Prompt jaulten einzelne der so kritisierten bürgerlichen PolitikerInnen auf, schrien «Sachbeschädigung» und kündeten Schadenersatzforderungen gegen uns JungsozialistInnen an. Merke: Alle die millionenfachen täglichen Anwendungen von Post Its allein in der Schweiz wären in dieser Logik Sachbeschädigungen, so ein Schrott!

Da und dort war nach dieser JUSO-Aktion auch von «schlechtem politischen Stil» die Rede, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht wirklich streiten, weil die Geschmäcker nun halt mal verschieden sind und sich somit wohl kaum jemals ein endgültiges Mass dafür definieren lassen wird, was guter und was schlechter Geschmack ist.

So weit, so gut. Nun aber beklagen sich die SVP und die Junge SVP des Kantons Luzern, Plakate von ihnen seien zerstört worden und müssten nun teuer ersetzt werden (siehe «Links» unten auf dieser Seite). Die JSVP schrieb uns JUSO gar einen Brief und stellte uns Rechnung über 250 Franken. Die (sinngemässe) «Begründung»: Wir hätten mit unserer Post It-Aktion dazu ermuntert, SVP-Plakate zu beschädigen und zu zerstören. Man tue sich das an und lese den Brief dazu unten auf dieser Seite unter «Dateien»: «Was die JSVP den Luzerner JungsozialistInnen schrieb»).

Auch das wäre ja nun eigentlich hier auf lu-wahlen.ch noch keine Reaktion wert. Wenn nicht die JSVP und die SVP des Kantons Luzern die denkbar unglaubwürdigsten Absender der Botschaft wären, durch schlechten politischen Stil Andere dazu inspiriert zu haben, Plakate politischer Gegner zu beschädigen. Ganz abgesehen davon: Weit und breit ist noch völlig unklar, wer im Kanton Luzern SVP- und JSVP-Plakate beschädigt hat, von einem rechtskräftigen Urteil schon gar nicht zu reden. Und so ganz nebenbei bemerkt, kann man solche Aktionen auch selber inszenieren (und im richtigen Moment fotografieren), um nachher als Opfer dazustehen. Das gabs ja alles auch schon. 

Erinnern wir uns:

Die JSVP war es, die auf Ihrer HP im Juni 2005 einen Eintrag ihres damaligen Präsidenten Pirmin Müller aufschaltete, worin dieser die Privatadresse einer FDP-Oberrichterin bekannt gab, bei der man sich doch bitte sehr persönlich und privat über ein Gerichtsurteil beschweren könne, das Pirmin Müller nicht passte (siehe unten Datei: «Was Pirmin Müller auf der Homepage der JSVP schrieb» und «Pirmin Müller bestreitet auf facebook, was er auf der JSVP-Homepage geschrieben hatte»).

Die JSVP ist es, die mit ungeheuerlichen Flyern gegen andere Religionen Stimmung macht und so Neumitglieder wirbt (siehe Datei: «Wie die JSVP Mitglieder wirbt»).

JSVP-Präsident Anian Liebrand ist es, der auf seiner Internet-Plattform «info8.ch» («Was andere verschweigen») ein «Gedicht» aufgeschaltet hat, das gelinde gesagt unter jeder Sau ist (siehe unten: «„Scheisse-Gedicht“ auf „info8.ch“»). Auch das sagt etwas darüber aus, wie glaubwürdig seine Kritik am Stil Anderer ist.

Die SVP des Kantons Luzern war es, die am 22. Juli 2011 in der «NLZ» ein Inserat veröffentlicht hat, in dem sie unter anderem behauptete, illegale Einwanderer erhielten in der Schweiz eine Kreditkarte und die mittels solcher Erfindungen Hass und Zwietracht verbreitet (siehe Datei: «SVP-Inserat vom 22. Juli 2011»). Das Inserat erschien neckischerweise ausgerechnet am Tag des Massakers von Norwegen, in dessen Folge die SVP von mehreren Seiten wegen ihres politischen Stil kritisiert wurde. 

Pirmin Müller, inzwischen Präsident der SVP Sadt Luzern, empörte sich in der «NLZ» vom 29. Juli 2011 darüber, seiner Partei werde Mitverantwortung für die Herstellung politischer Stimmungen zugeschoben, welche solche Katastrophen wie jene von Norwegen erst ermöglichten (siehe dazu unten: «Der Leserbrief von Pirmin Müller in der „NLZ“ vom 29. Juli 2011»).

Die SVP von Weggis ist es, die in einer «Karikatur», über deren Qualität sich hier ebenfalls nicht streiten lässt, auf ihrer Website schreibt: «Luzern hat Karies und Mundgeruch» und so die CVP aufs primitivste attackiert (siehe Datei unten: «Mundgeruch-Karikatur der SVP Weggis»). Präsident der SVP Weggis ist übrigens ein gewisser Emil Grabherr, genau: das ist der Mann, der vor den Kantonsratswahlen vom 10. April 2011 Homosexuelle in drei Kategorien eingeteilt hat (siehe dazu weiter unten auf dieser Seite unter «In Verbindung stehende Artikel»: «Sonne für die Jodler, Hagel bei den Schwulen» sowie «Paare, Huren, Bubenschänder»). 

Ebensowenig vergessen sind all die Plakate und weiteren Inserate, in denen politische Gegner auf Übelste verleumdet werden und auf denen zum Beispiel Sozialdemokraten auch schon als rote Ratten gezeigt worden waren.

Vollends lächerlich wird Anian Liebrands Behauptung, die Post It-Aktion der Juso vom 25. September habe dazu animiert, im Kanton Luzern SVP- und JSVP-Plakate zu beschädigen, wenn wir in Erinnerung rufen, was Anian Liebrand am 10. September auf der Seebrücke in Luzern höchstselbst geboten hat: Er verschmierte mittels Kreide die Seebrücke mit Parolen, welche die offizielle Version der 9/11-Hintergründe hinterfragen. Liebrand ist dabei nicht nur erkannt, sondern auch fotografiert worden (siehe dazu unten: «In Verbindung stehende Beiträge: Was “Al Kreida” und “info8.ch” verschweigen»). In Liebrands «Logik» liesse sich also gar schlussfolgern, mit seinem klassischen Akt von Vandalismus auf der Seebrücke habe er die JUSO zur Post It-Aktion animiert. Auch daran zeigt sich, wie unverfroren er Behauptungen in die Welt setzt, die ihn schlicht und ergreifend zur Lachnummer machen. (*)

Allein diese Beispiele zeigen, wie heuchlerisch und unglaubwürdig die Junge SVP, ihr lautstarker Präsident und die SVP des Kantons Luzern überhaupt sind, wenn sie öffentlich solche Empörungen verbreiten wie jetzt gerade jene über die Beschädigungen ihrer Plakate. 

Wer so tolldreist mit dem Zeigefinger auf Andere zeigt vergisst offensichtlich, dass dabei die vier anderen Finger immer auf ihn selber zurück zeigen. Oder andersrum: Wer selber so im Glashaus sitzt, sollte definitiv nicht mit Steinen um sich werfen.

Yannick Gauch, Präsident JungsozialistInnen Stadt Luzern

*: Dieser eine Abschnitt und das Bild, das Liebrand (rechts oben) auf der Seebrücke beim Vandalismus zeigt, sind diesem am 12. Oktober erstmals aufgeschalteten Gastbeitrag am 13. Oktober beigefügt worden.


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Kommentare:
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christoph schmitt aus luzern

Mittwoch, 12.10.2011, 20:15 · Mail

... statt die gelegenheit zu ergreifen, ernsthaften einfluss auf die politik der schweiz zu nehmen, schleifen sich die kontrahenten im sandkasten gegenseitig die burgen. schade.

 
 
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Über Yannick Gauch:

Yannick Gauch (1994) war von 2011 bis 2014 Präsident der JungsozialistInnen (JUSO) der Stadt Luzern. 2015 hat er die vierjährige Ausbildung zum Grafiker abgeschlossen. Er arbeitet als politischer Sekretär bei der SP des Kantons Luzern und als selbständiger Grafiker.

2016 ist er auf der JUSO-Liste in den Grossen Stadtrat gewählt worden.

Die Website von Yannick Gauch:
http://www.gauch.lu/

Die Website der Firma, deren Mitbesitzer Yanick Gauch ist:
http://www.buerozwoi.ch/