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Kolumne von Yannick Gauch

08.09.2011

Luzerner Kulturpolitik - ein Drama in mehreren Akten

Mit Schrecken muss die Jugend Luzerns feststellen, dass sie immer mehr Opfer des Ausverkaufs der Stadt Luzern wird. Nachdem vor Jahren der «Wärchhof» und später das Kulturzentrum BOA Opfer des neoliberalen Standortwettbewerbs der Stadt Luzern geworden sind, müssen wir uns jetzt auch vom «Frigorex» und bald auch vom Industrieareal verabschieden.


Wenn man die aktuellen Geschehnisse betrachtet, wird einem klar, dass es so nicht weitergehen kann! Eine dramatische Stadtentwicklung spielt sich momentan in Luzern ab. Während die Stadt und die Grundeigentümer und andere finanzkräftige Interessengruppen ihre blanke Profitgier stillen, wird den Jugendlichen immer mehr Platz weggenommen und zerstört. 

Jugendliche brauchen Platz, um sich zu entwickeln

Die Jugend braucht Platz, um sich richtig entwickeln zu können. Hierbei spielt auch Kultur eine zentrale Rolle. Mit dem Abriss des «Wärchhofs», dem Ende der «Boa» und jetzt auch mit dem baldigen Abriss der «Frigorex» wird der Jugend ein Teil dieses Entwicklungsplatzes zerstört. Angesichts der Bedrohung, welche dem Jugend- und Kulturhaus Treibhaus, der «Schüür» und auch dem Theaterpavillon bevorsteht, ist es nun Zeit, dieser Stadtentwicklung entschlossen entgegenzuwirken.

Warum sind das Treibhaus und der Theaterpavillon bedroht?

Auf dem Areal der ehemaligen Butterzentrale im Tribschenquartier sollen in unmittelbarer Nähe zum Fussballplatz des FC Kickers, zum Theaterpavillon Luzern und zum Luzerner Jugendkulturhaus Treibhaus Wohnungen gebaut werden. Wer über seine Nase hinaus zu denken imstande ist, wird rasch erkennen, dass hier Konflikte wegen Lärmemissionen mit den zukünftigen Nachbarn, den BewohnerInnen der neuen Wohnungen also, praktisch unvermeidlicherweise vorprogrammiert sind. Genau diese Problematik hat schon zur Schliessung der «Boa» geführt. 

Die etwa 80 Wohnungen, welche auf dem Butterzentrale-Areal Richtung Seeseite geplant sind, werden keine Probleme verursachen. Doch je rund 20 Wohnungen, welche nur 40 Meter vom Theaterpavillon und 50 Meter vom Treibhaus entfernt entstehen, werden ein Problem darstellen. Eine Einschränkung des Kulturbetriebs ist also nur eine Frage der Zeit. Bereits im Jahr 2000 war klar, dass der alte Pavillon der Spielleute der aufkommenden Tribschenstadt wird weichen müssen. Darauf haben die Luzerner Spielleute und das Voralpentheater in jahrelanger Arbeit den neuen Theaterpavillon Luzern finanziert, gebaut und 2008 feierlich eröffnet. Nun gefährden die geplanten Neubauwohnungen auf dem Areal der Butterzentrale auch diesen neuen Pavillon der Spielleute.

Die «andere Kultur» darf nicht aus der Stadt verschwinden

Luzern droht zur Kulturwüste zu verkommen. Für das KKL, das Stadttheater und die - noch immer da und dort herumgeisternde - Idee einer Salle Modulable, welche sich alle eher an die ältere Generation richten, gibt die Stadt jährlich Millionenbeiträge aus. Dass aber um die 30 Prozent der schweizerischen Bevölkerung jünger als 30 Jahre ist, was sich bestimmt auch von Luzern sagen lässt, scheint die städtische Kulturpolitik nicht zu wissen; erst recht auch nicht, dass sich ein Student nicht ein hundertfränkiges Ticket fürs KKL leisten schlichtweg leisten kann oder will. Die Stadt ist auf dem besten Weg, auch kulturell eine Zweiklassen-Gesellschaft zu werden. Während die Reichen bevorzugt werden, wird dem ärmeren Teil, meist den Jungen, der ihnen zustehende Platz genommen. In der Stadt Luzern sollten aber neben der etablierten Kultur auch neue, alternative Formen der Kultur ihren Platz haben.

Zwischennutzung – wenigstens das!

Der Raum in der Stadt Luzern wird je länger je knapper. Trotzdem haben wir Räumlichkeiten, welche über Monate, teils über Jahre hinweg leer stehen. Dafür können verschiedene Gründe eine Rolle spielen. Gewisse Räume sind schlichtweg nicht gefragt, andere bedürfen zur lukrativen Vermietung einer Renovation, aber dem Besitzer fehlt das Geld und wiederum andere Gebäude dienen als Spekulationsobjekte; ungezügelte Gier also auch hier.

Viele und vor allem ganz verschiedene Gruppen klagen gleichzeitig über Platznot. Hierzu gehören KünstlerInnen, welche keine Ateliers finden, Bands, welche nirgends proben können oder auch junge Unternehmer, die sich bei ihrem Start noch keine eigenen Büros im teuren Luzerner Immobilienmarkt leisten können.

Wenn es - angeblich - schon nicht möglich ist, auf Dauer ein Gebäude für alternative Kulturformen zur Verfügung zu stellen, so sollte doch immerhin die Zwischennutzung leerstehender Gebäude oder von Gebäudeteilen nicht allein vom guten Willen des Besitzers abhängig sein. Der Boden in der Stadt Luzern ist ein zu rares Gut um ihn einfach den Spekulanten zu überlassen. Darum werden wir Juso Luzern dazu eine Initiative lancieren.

Yannick Gauch, Präsident JUSO Stadt Luzern


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Über Yannick Gauch:

Yannick Gauch (1994) war von 2011 bis 2014 Präsident der JungsozialistInnen (JUSO) der Stadt Luzern. 2015 hat er die vierjährige Ausbildung zum Grafiker abgeschlossen. Er arbeitet als politischer Sekretär bei der SP des Kantons Luzern und als selbständiger Grafiker.

Zudem wirkt er als Journalist und Moderator beim Luzerner Jugendradio 3FACH.

Seit anfangs November 2015 weilt er für einen Sprachaufenthalt in den USA. Spätestens Ende Februar 2016 ist er zurück, um am 1. Mai für die JungsozialistInnen als Stadtrat und Grossstadrat zu kandidieren.

Die Website von Yannick Gauch:
http://www.gauch.lu/