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Kolumne von Olivier Dolder

06.05.2019

Auch dank 3FACH hat das Medium Radio Zukunft

Das Luzerner Jugendradio 3FACH ist am Samstag (4.Mai) von der SRG Zentralschweiz mit ihrem Anerkennungspreis ausgezeichnet worden; dies neben Peter Schulz, der den Medienpreis erhielt (siehe unter «Links»). Olivier Dolder vom Vorstand der SRG Zentralschweiz hielt (schweizerdeutsch) die Laudatio auf 3FACH, die hier in ihrer schriftlichen (hochdeutschen) Fassung im Wortlaut zu lesen ist.


Olivier Dolder sagte am Samstag in Rotkreuz:

Der Leitende Ausschuss der SRG Zentralschweiz hat gemäss seinen reglementarischen Kompetenzen beschlossen, zusätzlich zum Medienpreis einen Förderpreis zu vergeben. Einen Förderpreis für den Nachwuchs – für das Luzerner Jugendradio 3FACH.

Das Jugendradio ist auch ein Ausbildungsradio. Es ist für viele junge Leute eine Startrampe in das Medienbusiness. Und gar nicht so wenige, die bei 3FACH starten, landen nachher bei SRF.

Radio 3FACH organisiert auch alle zwei Jahre das Gratis-Open-Air «Funk am See» auf der Lidowiese. Und auf dem Inseli in Luzern, vor dem SRF-Regionalstudio, betreibt es die Open-Air-Bar «Volière», die das Radiomachen quersubventioniert. Der Leitende Ausschuss der SRG Zentralschweiz zeichnet daher das Radio 3FACH, welches letztes Jahr sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert hat, mit 5000 Franken für sein kontinuierliches Schaffen aus.

Die Geschichte von Radio 3FACH zu beschreiben, ist schwierig. Aber irgendwie passt das zu diesem Radio. Zum 15-jährigen Bestehen ist ein Buch erschienen, das versucht, die Geschichte des Radios nachzuzeichnen. Ich sage bewusst: versucht. Im Buch steht nämlich:

«In Anbetracht der unzähligen unverschriftlichten Anekdoten, Geschichten und Mythen, welche die Geschichte des 3FACHs umgeben, sei aber darauf hingewiesen, dass eine umfassende Darstellung wohl nicht erreicht werden kann.»

Und weiter: «Radio 3FACH war ganz am Anfang eine Kopfgeburt, eine unausgegorene, spontane Idee eines sechzehnjährigen Kantischülers: Ein Radio, gemacht von jungen Leuten für junge Leute».
Ich empfehle übrigens allen hier im Saal, sich dieses Buches zu behändigen und darin zu stöbern. Die Bücher liegen kostenlos auf.

Ich muss euch aber warnen, ihr könntet nachher beeindruckt sein von diesem Radio; so wie ich es bin, nämlich
. beeindruckt vom Pioniergeist dieser jungen Leute;
. beeindruckt von den Visionen, welche diese Leute hatten und haben;
. von ihrem Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten;
. von ihrem Sinn für Teamgeist und ihrem Gemeinschaftssinn;
. von ihrer Motivation, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit.

Doch der Reihe nach: Um überhaupt senden zu dürfen, brauchte 3FACH im Jahr 1998 eine Konzession des Bundesamtes für Kommunikation. Und mit einer Konzession ist immer auch ein Leistungsauftrag verbunden. Darin steht – unter anderem:

«1. Der Konzessionär veranstaltet ein Programm, das sich thematisch, kulturell und musikalisch von den Programmen der kommerziellen Anbieter des gleichen Versorgungsgebiets unterscheidet.

2. Er richtet sein Programm auf ein jugendliches Zielpublikum aus. Dabei setzt er einen Schwerpunkt bei der Jugendkultur und bildet deren Vielfalt ab.»

Das macht Radio 3FACH seit mittlerweile 21 Jahren!

Im eben erwähnten Buch sagt Benji Gross, einer der 3FACH-Pioniere:

«Gemäss Konzession sollte 3FACH ein jugendkulturelles Kontrastprogramm sein. Wie wir das auslegten, interessierte aber niemanden wirklich. Es war auch damals schon so, dass wir wussten, dass die Musik, welche wir spielen, nicht alle Jugendlichen ansprechen würde.

Diese Gratwanderung zwischen Alternativ- und Jugendradio war schon zu Beginn ein Thema, welches uns ab und zu Sorgen bereitete. Die Idee war immer, dass die Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenplatz über die Sendung vom Morgen oder dem Tag zuvor sprechen würden. Davon waren wir anfangs meilenweit entfernt».

Urs Hangartner, Journalist und vermutlich einer der besten Kenner der Luzerner Kulturszene, sagt rückblickend auf das Gründungsjahr von Radio 3FACH:

«Die Luzerner Medienlandschaft war 1998 bereits massiv geschrumpft und bestand aus der ‹Neuen Luzerner Zeitung›, ‹Luzern heute›, ‹Radio Pilatus› und dem ‹Regionaljournal›. Aus meiner Wahrnehmung war es zuerst einfach ein Jugendradio. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich gemerkt habe, dass auch ich den Sender nutzen kann, obwohl ich überhaupt nicht dem Zielpublikum entsprochen habe. Man hat gesehen: ‹die mached öppis› und diese Aussenwirkung hat sich bis heute verstärkt.»

«Die mached öppis»! Tatsächlich!
. Reagieren, statt lamentieren,
. experimentieren, statt resignieren,  
. zusammenhalten, statt schmollen,
. hinfallen und wieder aufstehen.

Das zumindest mein Versuch, den Geist von Radio 3FACH zu beschreiben.
Jenen Geist, der das Radio seit seiner Geburt umweht und beflügelt.
Jenen Geist, der das Jugendradio so populär und glaubwürdig gemacht hat und macht.
Jenen Geist – und davon bin ich überzeugt – der das Radio auch zukunftsfähig macht.

Jedenfalls kommt zu diesem Schluss auch, wer Leute fragt, die ihre Medien- oder Kulturkarriere bei 3FACH begonnen haben. Denn das Jugend-Radio ist auch ein Ausbildungs-Radio.

Tobias Gmür – ich betitle ihn jetzt einfach mal als Sänger – hat mir über seine Zeit bei Radio 3FACH geschrieben:
«Ich durfte die Musikredaktion übernehmen und die Sendung ‹Gaffa› moderieren. Zudem machte ich die Redaktion und Moderation der Sendungen ‹3wach› und ‹Stosszyt›. Es war eine abenteuerliche und lehrreiche Zeit. Wir durften ausprobieren, erfinden, Erfolg haben, scheitern. Alles lag drin. Gelernt habe ich Teamwork, unter Zeitdruck arbeiten, recherchieren, das Ego zurückstellen, schnell Lösungen finden, ganze Sendungen alleine betreuen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekam.»

Auch Anic Lautenschlager erinnert sich. Sie ist heute Moderatorin bei Radio SRF3; eine von vielen 3FACH-Leuten beim SRF. Über ihren Weg zum 3FACH und ihre Zeit dort hat sie mir geschrieben:

«Damals suchte das Büro für Gleichstellung junge Frauen, weil 3FACH damals ziemlich männerlastig war. Ich war an einem Workshop und dort sagte die eine Moderatorin zu mir, ich solle mich doch mal bewerben. Da ich eh kurz vor der Matura und meinem Zwischenjahr stand, habe ich das gemacht. Hat geklappt. Also: eigentlich Zufall. Aber ein guter. Ich begann mit der Morgensendung ‹3wach›, habe dann aber auch die ‹Stooszyt› moderiert. Diese Zeit war sehr, sehr toll: Da wirst du als 18-Jährige in ein Team von jungen, kreativen Leuten geschmissen, lernst ein tolles Handwerk mit viel Narrenfreiheit. Noch heute habe ich viele sehr gute Freunde aus dieser Zeit, unter anderem meinen Ehemann. Ich habe bei 3FACH meine Liebe zum Radio entdeckt, viel Handwerkliches, aber auch Zwischenmenschliches gelernt – auch Teamgeist und was es heisst, aus Herzblut und Leidenschaft viel zu geben, auch wenn nicht jede Minute bezahlt ist.»

Sie sehen, geschätzte Anwesende, das Jugend-Radio bewährt sich auch als Ausbildungs-Radio. Damit das so bleibt, hat 3FACH auch Pläne, wie mir Alice Reinhard, Vorsitzende der Geschäftsleitung, verraten hat:
. 3FACH will künftig vermehrt mit Videos arbeiten. Videos für Web und Social Media, Videos, um das Radio zu stärken.
. 3FACH will die Priorität aber auch wieder mehr auf das Radiomachen legen, nachdem es im letzten Jahr aufgrund des 20-Jahr-Jubiliüums viele andere Prioritäten setzte.

Was bleiben wird: 3FACH meint es ernst mit seiner Rolle als Jugendradio. Moderatorinnen und Moderatoren dürfen maximal 25-jährig sein. In der Geschäftsleitung darf man bis zu einem Alter von 30 Jahren bleiben. Dadurch bleibt das Radio jung. Alice, die Geschäftsführerin von 3FACH, bringt es auf den Punkt: «Wir machen nicht auf jung – wir sind jung.»

Und ich sage, sie sind Idealistinnen und Idealisten. Der Stundenlohn bei Radio 3FACH beträgt gerade einmal 17 Franken. Für eine Sendungsvorbereitung werden eine oder zwei Stunden bezahlt.

Liebe SRG-Delegierte, liebe Gäste, sie sehen, das Medium Radio hat Zukunft. Dies darf uns als SRG umso mehr erfreuen, als das Radio auch unserer Geschichte und unserem Erfolg zugrunde liegt.

Das Radio hat Zukunft, weil junge Leute wie die Mitglieder von 3FACH seine Qualitäten und Möglichkeiten erkennen und nutzen. Und so andere Jugendliche für das Medium Radio begeistern können.

Freuen wir uns über die Zukunft des Mediums Radio. Eine Zukunft und ein Medium, das bei Radio 3FACH in guten Händen ist.

Freuen wir uns über eine Gesellschaft, zu der auch solch tolle Menschen wie die 3FACH-Macherinnen und -Macher gehören.

Im Namen der SRG Zentralschweiz – und ich darf wohl auch sagen, im Namen aller hier im Saal – gratuliere ich Radio 3FACH und stellvertretend euch, liebe Alice und Delegation, herzlich zu dem mit 5000 Franken dotierten Förderpreis der SRG Zentralschweiz. Herzlichen Glückwunsch!

Olivier Dolder, Vorstandsmitglied SRG Zentralschweiz, Luzern


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Über Olivier Dolder:

Olivier Dolder (1985) aus Luzern ist Politik- und Verwaltungswissenschafter. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern. Dolder studierte Politikwissenschaften an der Universität Genf sowie Public Management und Politik mit Schwerpunkt Volkswirtschaft am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne und an der Universität Neuenburg. Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsbüro, das insbesondere Politikevaluationen durchführt.

http://www.interface-politikstudien.ch/de/