das gesamte meinungsspektrum lu-wahlen.ch - Die Internet-Plattform für Wahlen und Abstimmungen im Kanton Luzern

Spenden für Verein lu-wahlen.ch

Diese Website gefällt mir! Um weitere Beiträge darauf zu ermöglichen, unterstütze ich lu-wahlen.ch gerne mit einem Betrag ab CHF 10.-

Kolumne von Olivier Dolder

01.03.2019

Warum für die Kultur kandidieren?

Im «Kulturmagazin» nimmt Olivier Dolder, Politikwissenschafter und Kolumnist bei lu-wahlen.ch, in einem Gastbeitrag Stellung zur Frage, warum es Sinn macht, dass Kulturschaffende für politische Ämter kandidieren. Der Beitrag ist auch hier zu lesen.


Warum denn nicht? Dies dachte ich zuerst, als ich eingeladen wurde, auf die Frage Warum für die Kultur kandidieren? zu replizieren. Politisches Engagement lohnt sich per se und im kulturellen Bereich sowieso.

Doch dann habe ich mich ertappt: Ich selbst kandidiere ja auch nicht. Und das obwohl ich politisch überdurchschnittlich interessiert bin und eigene Überzeugungen habe. Es muss also auch gute Gründe geben, nicht zu kandidieren – nicht für die Kultur und auch nicht für andere Anliegen. Im Parlament ist man nur einer von vielen Köpfen; im Luzerner Kantonsrat gäbe es noch 119 andere. Ein Parlamentsmandat ist oft schwierig mit dem Beruf und der Familie zu vereinbaren.

Und Parlamentsarbeit ist herausfordernd: poltern für die Medien, verhandeln für den Kompromiss, Kröten schlucken für den Fraktionsfrieden. Das ist verständlicherweise nicht jeder Persons Sache.

Zudem passiert Politik nicht nur im Rat. Gezieltes Lobbying kann effizienter sein. Kulturschaffen selbst kann politisch sein. Verbandsarbeit ist es auch. Weiter gibt es Abstimmungen, an denen man sich beteiligen kann. Und natürlich gibt es Wahlen, bei welchen man seinen bevorzugten Politikerinnen und Politikern die Stimme geben kann.

Nur haben alle diese Gründe einen Haken: Ohne kulturengagierte Parlamentarierinnen und Parlamentarier geht es auch nicht. Die Idee eines Parlaments ist es gerade, die Interessen der breiten Bevölkerung in den politischen Prozess einzubinden. Wenn die Kultur ausgerechnet dort nicht vertreten ist, fehlt sie in einem der wichtigsten Machtzentren. 

Liebe Kulturschaffende, kandieren Sie also für ein politisches Amt! Denn wir sind privilegiert. Sie können in der Schweiz nicht nur frei künstlerisch tätig sein – auch wenn Sie den Staat kritisieren, können Sie Fördergelder erhalten (ausser vielleicht Filmschaffende im grössten Zentralschweizer Kanton). Und: Sie können sich parlamentarisch engagieren, ohne dem Staat hofieren zu müssen.

Sind sie einmal gewählt, können Sie die Rahmenbedingungen für Ihren Beruf selbst mitbestimmen. Sie entscheiden mit, wie viel Geld in die Kultur fliesst, nach welchen Kriterien die Gelder verteilt werden oder welche Leistungen Kulturhäuser zu erbringen haben. Es muss nicht zwingend der Kantonsrat sein. Wären Sie im Stadtparlament, hätten Sie höhere Subventionen für das Kleintheater oder das Neubad unterstützen können. Und Sie könnten in Bälde über die Leistungsvereinbarung zwischen der Stadt Luzern und dem Südpol befinden.

Oder ist Ihnen das Wort Leistungsvereinbarung ein Graus? Als Parlamentsmitglied könnten Sie das Verhältnis von Staat und Kultur auch grundsätzlich beeinflussen. Vielleicht wäre es Ihr Vorstoss, der zu neuen Instrumenten in der Kulturförderung führt.

Mein Aufruf soll aber nicht als exklusive Aufforderung für Kulturschaffende verstanden werden. Ich motiviere all jene, denen die Kultur am Herzen liegt, zu kandidieren. So, wie ich alle Menschen motiviere, sich für konstruktive und demokratische Überzeugungen politisch einzusetzen. Wir in der Schweiz haben dieses Privileg. Nutzen wir es alle.

PS: Und falls Sie selbst nicht kandidieren, wählen Sie mindestens am 31. März den Kantons- und den Regierungsrat. Dann als Demokratin oder Demokrat zu streiken, geht gar nicht.

Olivier Dolder, Luzern 

(Dieser Beitrag ist zuerst in der März-Ausgabe des «Kulturmagazins» erschienen)


Teilen & empfehlen:
Share    
Kommentare:

Keine Einträge

Kommentar verfassen:

Ins Gästebuch eintragen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz  

Über Olivier Dolder:

Olivier Dolder (1985) aus Luzern ist Politik- und Verwaltungswissenschafter. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern. Dolder studierte Politikwissenschaften an der Universität Genf sowie Public Management und Politik mit Schwerpunkt Volkswirtschaft am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne und an der Universität Neuenburg. Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsbüro, das insbesondere Politikevaluationen durchführt.

http://www.interface-politikstudien.ch/de/