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Kolumne von Olivier Dolder

24.11.2015

Bundesratswahlen am 9. Dezember: Warum Aeschi zwischen Pfister und Leuthard stehen könnte

Die SVP-Bundesratskandidaten stehen fest. Es sind Thomas Aeschi, Guy Parmelin und Norman Gobbi. Ein Blick in die Zeitungen ergibt folgendes Bild: der Zuger Thomas Aeschi ist der Favorit, der Waadtländer Guy Parmelin hat Chancen, der Tessiner Norman Gobbi ist chancenlos. Die Favoritenrolle könnte Aeschi aber zum Verhängnis werden.


Denn Bundesratswahlen können immer auch eigene Dynamiken entwickeln. Ein dritter Welscher im Bundesrat könnte plötzlich möglich sein. Die «NZZ am Sonntag» fragte bereits: «Ein dritter Romand, pourquoi pas?». Und über den obligaten Sprengkandidaten liest man auch immer wieder. Doch genug dieser Spekulationen.

Was im Ganzen Getümmel um Thomas Aeschi und seine Kontrahenten unterging, sind des Zuger CVP-Nationalrats Gerhard Pfisters Aussagen zu Parmelins Wahlchancen.

Pfister lässt sich in der «NZZ am Sonntag» mit «ich spreche Parmelin gute Chancen zu» zitieren und führt aus, weshalb Parmelin und nicht Aeschi Bundesrat werden könnte. So sei Parmelin von den drei Kandidaten derjenige mit der grössten Distanz zu Christoph Blocher. Diese Aussagen, wenn auch als neutral getarnt, überraschen. Warum lässt sich Pfister nur zum möglichen Wahlerfolg von Parmelin, nicht aber zum möglichen Wahlerfolg von Aeschi zitieren? Politisch dürfte ihm Aeschi nämlich von allen drei Kandidaten am nächsten stehen. Die beiden Politiker sind sogar sehr ähnlich: Sie sind gut ausgebildet, haben eine konservative Grundhaltung in Kombination mit wirtschaftsliberalen Positionen und stammen beide aus dem Kanton Zug.

Sie stammen beide aus dem Kanton Zug – gerade das ist aber möglicherweise der Grund für Pfisters Aussagen. Gerhard Pfister hat vielleicht gar kein Interesse an Aeschis Wahl und lässt sich deshalb wie erwähnt nur zu Parmelins möglicher Wahl zitieren.

Denn sollte Aeschi Bundesrat werden, hätte Gerhard Pfister als Zuger keine Chance, dereinst Doris Leuthards Nachfolge anzutreten. Es stellt sich also die Frage: Hat Nationalrat Pfister Bundesratsambitionen?

Eine baldige Antwort auf diese Frage ist aber kaum zu erwarten. Denn eine Favoritenrolle könnte auch Pfister zum Verhängnis werden.

Olivier Dolder, Politikwissenschafter, Luzern


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Über Olivier Dolder:

Olivier Dolder (1985) aus Luzern ist Politik- und Verwaltungswissenschafter. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern. Dolder studierte Politikwissenschaften an der Universität Genf sowie Public Management und Politik mit Schwerpunkt Volkswirtschaft am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne und an der Universität Neuenburg. Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsbüro, das insbesondere Politikevaluationen durchführt.

http://www.interface-politikstudien.ch/de/