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Kolumne von Olivier Dolder

09.05.2012

Warum SVP-Hermetschweiler zu SP-Züslis Wahlhelfer werden könnte

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang ist geklärt. Für den letzten Stadtratssitz kandidieren Beat Züsli (SP), Manuela Jost (GLP) und Rolf Hermetschweiler (SVP). Beat Züslis Wahlchancen sind mit der Nomination von Rolf Hermetschweiler gestiegen.


Beat Züsli wird von den Grünen und der SP unterstützt. CVP und FDP unterstützen die GLP-Kandidatin Manuela Jost und die SVP zieht mit ihrem Kandidaten Rolf Hermetschweiler alleine in den zweiten Wahlgang.

Betrachtet man die Parteistärken, so hat Jost – trotz der SVP-Kandidatur – die beste Ausgangslage für den zweiten Wahlgang. Der gemeinsame Wähleranteil von CVP, FDP und GLP liegt zurzeit nämlich bei 45,9 Prozent. SP und Grüne (inklusive Jungparteien und assoziierte Gruppierungen) weisen dagegen nur einen Wähleranteil von 38,3 Prozent auf. Der Wähleranteil der SVP liegt bei 14,6 Prozent. Es handelt sich hierbei um die Wähleranteile bei den Grossstadtratswahlen von letztem Sonntag.

Es gilt allerdings festzuhalten, dass die oben errechnete Wählerbasis der drei Mitteparteien nur um acht Prozentpunkte grösser ist, als diejenige des links-grünen Lagers. Hätte auch die SVP Manuela Jost unterstützt, wäre die Differenz 14 Prozentpunkte grösser gewesen. Es stellt sich somit die Frage, ob diese kleine Reserve für die Wahl von Manuela Jost ausreicht. Die Frage stellt sich aus zwei Gründen:

Erstens ist unklar, ob die Anhängerinnen und Anhänger von CVP und FDP geschlossen für Manuela Jost stimmen werden. Die GLP ist eine direkte Konkurrentin von CVP und FDP. Folglich besteht die Möglichkeit, dass nicht alle CVP- und FDP-Sympathisanten der Konkurrentin GLP zu einem Wahlerfolg verhelfen möchten. 

Kommt dazu, dass sich mit Hermetschweiler zudem eine bürgerliche Alternative zu Jost anbietet. Weiter gilt zu beachten, dass Manuela Jost wenig Parlamentserfahrung hat und lokal noch wenig verankert ist. Auch dies könnte ihr Stimmen kosten. Zumal die Stadtratswahlen (auch) Personenwahlen sind. Im Gegenzug ist davon auszugehen, dass das links-grüne Lager geschlossen Beat Züsli wählt.

Zweitens ist unklar, wie gut CVP und FDP ihre Anhängerinnen und Anhänger mobilisieren können. Es ist vorstellbar, dass SP und Grüne erfolgreicher mobilisieren werden. Denn die Aussicht auf eine links-grüne Mehrheit dürfte das links-grüne Lager motivieren, wählen zu gehen. 

Hingegen haben CVP und FDP ihre Kandidaten – zumindest was den Stadtrat anbelangt – bereits im Trockenen (siehe dazu auch Artikel «Wem nützt die tiefe Wahlbeteiligung?» von Nico van der Heiden).

Die Wahl von Manuela Jost ist folglich alles andere als sicher. Durch die SVP-Kandidatur kann Jost nicht auf SVP-Stimmen zählen. Ob die CVP- und FDP-Wählerbasis alleine ausreicht, ist, wie oben aufgezeigt, nicht klar. Es ist also möglich, dass Beat Züsli am 17. Juni dank der Kandidatur von Rolf Hermetschweiler in den Stadtrat gewählt wird.

Olivier Dolder, Luzern

 


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Über Olivier Dolder:

Olivier Dolder (1985) aus Luzern ist Politik- und Verwaltungswissenschafter. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern. Dolder studierte Politikwissenschaften an der Universität Genf sowie Public Management und Politik mit Schwerpunkt Volkswirtschaft am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne und an der Universität Neuenburg. Interface ist ein privates Forschungs- und Beratungsbüro, das insbesondere Politikevaluationen durchführt.

http://www.interface-politikstudien.ch/de/