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Gastbeitrag von Hans Widmer

Über den Autor:

Dr. phil. Hans Widmer
(1941) unterrichtete an der Kanti Alpenquai während 36 Jahren Spanisch, Religionswissenschaften und Philosophie. Er war während zweier Jahre Präsident der Philosophischen Gesellschaft der Schweiz. Von 1996 bis 2010 vertrat er die Gewerkschaften und die SP im Nationalrat. Zuvor war er auch Grossrat und Grossstadtrat.

26.10.2014

Ist der Luzerner Regierungsrat eigentlich von allen guten Geistern verlassen?

Ich weiss, diese Frage provoziert, denn hinter dem Sparpaket steckt viel Arbeit und der Regierungsrat hat mit emsigem Fleiss und beachtlicher Findigkeit einen Auftrag des Parlamentes umgesetzt. Hat er aber auch über die «Sparnase» hinaus gedacht? Sicher nicht, als er sich entschied, das Fach Religionskunde und Ethik an den Luzerner Obergymnasien wegzusparen. Diese Massnahme ist bildungspolitisch nicht zu verantworten.

Mit welcher Begründung soll man junge Menschen im Alter von 15 bis 17 Jahren im hochsensiblen Bereich der Auseinandersetzung mit Religion und Werten allein lassen? 

Ist man daran interessiert, dass sie bloss in Sprachen und Mathematik/Naturwissenschaften «drauskommen», aber in Fragestellungen, welche für eine gute Bewältigung des Lebens von existenzieller Bedeutung sind «in den Kinderschuhen» stecken bleiben oder zu potenziellen unreflektierten Opfern von Bekenntnisgemeinschaften werden? 

Um weiter beim Provozieren zu bleiben, behaupte ich, dass der Regierungsrat mit diesem Entscheid verrät, wes Geistes Kind er ist: Unreflektiert fährt er ganz vorne mit im Zug eines Zeitgeistes, der ganz und gar dem ökonomischen Paradigma verpflichtet ist. 

Ich kritisiere  nicht, dass er die Gesetze der Wirtschaft ernst nimmt. Schlimm finde ich lediglich, dass er dies distanzlos tut. Er hat offensichtlich übersehen, dass es bei «Religionskunde und Ethik» nicht um ein Indoktrinieren der angehenden Akademikerinnen und Akademiker geht, sondern um eine rationale Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Religiösen und der Werte. 

Für jene, die ausschliesslich dem innerweltlich-ökonomisch-materialistischen Denken verpflichtet sind, kann zum Schluss übrigens noch mitgegeben werden, dass Menschen mit einer Reflexionskultur – auch im Bereich von Religionskunde und Ethik – in der pluralistischen und globalisierten Welt bessere Geschäfte machen können, als solche, die entweder den Faktor Religion oder Ethik unterschätzen oder aber sektiererisch an ihre Mitarbeiter oder an ihre Kunden herantreten, weil ihnen der weite Horizont fehlt.

Altnationalrat Dr. phil. Hans Widmer, ehemaliger Lehrer für Philosophie und Spanisch am Gymnasium Alpenquai, Luzern


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Kommentare:
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Margrit Grünwald aus 6005 Luzern

Sonntag, 26.10.2014, 21:02 · Mail

Das Sparpaket ist katastrophal. weil es Leistungen, für die früher gekämpft wurde, abbaut. Von den Personallöhnen bis zu den Unterrichtsstunden: nichts ist mehr heilig!

Wollen wir so unsere Gesellschaft weiter destabilisieren und unsere Werte aushöhlen ?

Margrit Grünwald, Luzern

 
 
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