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Gastbeitrag von Urs W. Studer

Über den Autor:

Urs W. Studer
war neben seiner Funktion als Luzerner Stadtpräsident von 1996 bis 2012 (parteilos) auch Bildungsdirektor der Stadt Luzern. Er trat bei den städtischen Wahlen 2012 nicht mehr an. Studer engagiert sich seither in sozialen und kulturellen Projekten. Er ist seit jungen Jahren aktiver Fasnächtler.

Bild: Herbert Fischer

05.11.2015

Eine freundschaftliche Hommage an den vor zehn Jahren vestorbenen Künstler, Lehrer und Fasnächtler Werner Hofmann

In der «Kornschütte» des Luzerner Rathauses hat heute Donnerstagabend (5. November) soeben der frühere Stadtpräsident Urs W. Studer eine Rede zur Eröffnung einer Gedenkausstellung für Werner Hofmann gehalten. Er würdigte seinen Freund in Worten, die so vermutlich ziemlich alle Leute, die den Verstorbenen gekannt hatten, unterschreiben würden.

1981: «Fasnachtsimpression».

1978: «Porträtstudien aus der Lehrerkonferenz».

1979: «Physiognomie von Mensch und Tier».

1993: «Sankt Pilatusberg».

1977: «Château Gütsch».

Was Sie jetzt hören werden, ist keine traditionelle Vernissage-Rede, in der ein Experte für Kunst und Aesthetik wortgewaltig das Schaffen eines Künstlers analysiert und beschreibt. Etwas Derartiges wäre von mir aus zweierlei Gründen vermessen. Erstens bin ich kein Experte für Kunst; zweitens ist das Werk des vor zehn Jahren allzu früh verstorbenen Holzschneiders und Aquarellisten, Buchgestalters und Stadtluzerner Kunst-Anerkennungspreisträgers Werner Hoffmann an vielerlei Anlässen aus hierzu viel berufenerem Munde gelobt worden.

Sie hören mit andern Worten den Versuch eines alten Luzerner «Guugenmusig-Gefährten», die Persönlichkeit von Werner Hofmann etwas zu beschreiben im Wissen darum, dass das subjektiv und – um ein Bild zu gebrauchen – nur die Spitze eines zu mehr als 90 Prozent unter dem Wasser liegenden Eisbergs sein kann. 

Werner Hoffmann hatte während unserer gemeinsamen Fasnachtstage nicht nur seine Frau Brigitte, sondern auch seine Tochter Jasmin und (jedenfalls zeitweilig) seinen Sohn Samuel dabei. Was ihn aber immer begleitete, war sein Skizzenbuch, in welchem er vor allem Menschen, Gesichter, Masken, Berufsleute in verschiedensten Alltagssituationen zeichnete. Die sorgfältig nummerierten Skizzenbücher (420 an der Zahl) dienten ihm zeitlebens als Vorlagen für seine Holzschnitte wie auch für andere seiner Werke. Wenn die Mehrheit der «LUGUMU» während der närrischen fünf Tage und Nächte bisweilen (wegen übermässigem Alkohol- und Essenskonsums oder einfach wegen vieler Stunden auf den eigenen Beinen unterwegs) einige Momente pausierte und die Stimmung unter uns einzubrechen drohte, rief Werner H. in Abwandlung eines Volksmundzitats plötzlich: «Sälber stenke lobt!»; oder er und sein Bruder Toni begannen, heftig in die Hände zu klatschen. Damit riss er uns alle aus unserer Lethargie und verbreitete Stimmung, wo immer wir uns gerade aufhielten. 

Rückblickend scheint es mir, dass er mit seinen abgewandelten Worspielen «Slam-poetry» produzierte, bevor diese noch junge Literaturgattung ein grösseres Publikum zu erfreuen begann. Zweifellos aber ist seine Affinität zu Literatur und Lyrik auf seine Arbeiten zückzuführen, mit denen er Bücher von vielerlei Autoren gestaltete und damit künstlerisch kommentierte (zum Beispiel von Max Huwyler und Heinz Stalder, um lediglich zwei aus dem Raum Luzern zu nennen).

Werner H. – so, wie ich wahrnahm – war ein lebensbejahender, optimistischer Mensch voller Zuneigung gegenüber dem, was er sah und beobachtete. Am meisten faszinierten ihn auffällige, vielleicht auch skurrile Figuren und Gestalten, die auf zwei Beinen durchs Leben schritten und seine Wege kreuzten; zum zweiten vermutlich Landschaften und von Menschenhand gestaltete Lebensräume. 

Das bedeutet aber keineswegs, dass er gewisse gesellschaftliche Erscheinungen und Entwicklungen nicht mit Stirnrunzeln und Kritik bedachte: zum Beispiel das Baum- oder Beizensterben, überhaupt der wenig sensible Umgang mit ökologischen Fragestellungen oder gewisse architektonische-städtebauliche Entwicklungen, die mehr verschandelten als aufwerteten. Seinen diskreten diesbezüglichen Tadel können Sie einem Teil seiner hier ausgestellten Werke entnehmen: Beispielsweise bei der Holzschnittserie mit den Kitteln ist auf der Aussentasche der Brust statt eines Emblems das Skelett eines Fischs oder eine Baustelle mit Kranen zu entdecken. 

Werner Hoffmann, so wie ich ihn kannte und erlebte, war kein Existenzialist. Seine Freude an den Menschen war vielmehr Ausdruck eines von ihm gelebten Humanismus, seiner Freude am Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen. Gemäss Aristoteles heisst dies: «lieben sich zu freuen». 

Sein Humanismus zeigte sich beispielsweise in seiner Hilfsbereitschaft: Nie liess er einem Guuggenmusikkollegen/in im Stich, der/die beim Basteln des «Grends» oder beim Nähen seines Kostüms Hilfe von ihm erbat.

Werner H. war weltoffen, hilfsbereit und bisweilen auch sehr nachdenklich. Er war (für die damalige Zeit) nach abgeschlossener Ausbildung als Grafiker und der Kunstgewerbeschule viel ausserhalb unseres Landes unterwegs. Ich weiss nicht, ob Anlass dazu ein unstillbares Fernweh oder eher die Neugier auf andere Kulturen, Lebensweisen und Eindrücke war. Sicher bin ich mir indes, dass er seine Reisen in ganz Europa, im Nahen Osten und den USA nie als Statussymbol verstand. Jedenfalls erzählte er im lockeren Kreis der Guuggenmusik kaum je davon. Zweifellos schärften ihm seine Reisen – nebst aller interkulturellen Erfahrung –  den Blick dafür, was wir hier in der Schweiz anders (vielleicht auch besser) gemacht werden könnte oder müsste.  

Sie spüren es: Werner Hoffmann, dem diese Ausstellung zehn Jahre nach seinem Ableben gewidmet ist, fehlt mir, fehlt vielen von Ihnen und euch, ja er fehlt – jedenfalls als künstlerischer Farbtupfer –  der ganzen Region Luzern/Zentralschweiz.

Die tägliche Begegnung mit seinem Werk ist der beste Garant dafür, dass Sie sich stets seiner erinnern. Ich empfehle Ihnen und Euch deshalb: Machen Sie es wie wir bei uns zu Hause! Hängen sie eines oder mehrere seiner Werke bei sich zu Hause auf.

Urs W. Studer, Luzern

 

 

 

 

 

 


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