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Gastbeitrag von Mario Gavazzi

Über den Autor:

Mario Gavazzi
(*1958) ist gelernter Kaufmann. Er ist seit deren Gründung Mitglied der Dampferfreunde und des Landschaftsschutz Verbandes Vierwaldstättersee (LSSV). Mario Gavazzzi publiziert seit 30 Jahren Jahren über den Öffentlichen Verkehr und gilt als einer der besten Kenner der Dampfschiffahrt auf Schweizer Seen.

Bild: Herbert Fischer

08.01.2014

Wie privates Engagement seit 20 Jahren in Kriens eine ÖV-Lücke schliesst

Am 1. Januar 2014 sind genau zwei Jahrzehnte vergangen, seit der Verein Telebus Kriens erstmals auf Kurs ging. Gefeiert wurde am Abend des Neujahrstages.

Der Betriebsaufnahme des Telebus war der Entscheid der Gemeinde Kriens vorausgegangen, den Lokalbusverkehr aus Spargründen nach 22 Uhr einzustellen. Damit hätten viele Leute einen guten Anschluss an die Trolleybuslinie 1 der VBL verloren. Franz Baumann, damals im Einwohnerrat Vertreter der SP und später auch Präsident des Krienser Parlaments, sammelte in der Folge Gleichgesinnte und gründete einen Verein.

Innert kürzester Frist gelang es, genügend Mittel beizubringen und ein geeignetes Fahrzeug zu organisieren, das am Neujahrstag 1994 erstmals den Anschluss an die Linie 1 zwischen 22 Uhr und 1 Uhr in der Frühe sicherstellte. Und zwar in zwei Richtungen: Ab Ankunft des Busses aus der Stadt übernahm der Telebus an der Wendeschleife im Dorfzentrum die Gäste. Wer in die andere Richtung fahren wollte, rief einfach an.

Am Jubiläumsfestakt erinnerte sich Franz Baumann, selbst Telebus-Fahrer, an die ersten Benützerinnen und Benützer: «Der erste Gast, der telefonierte, um an der oberen Weinhalde abgeholt zu werden, war Max Dinkelmann. Die ersten Gäste, die in Kriens zustiegen, waren Nicole Kaufmann und ihre Mutter Edith, die bergwärts an die Zumhofstrasse fuhren.» Max Dinkelmann nahm am Jubiläumsabend teil und zeigte stolz sein Ticket. Es trägt die Nummer 1 und ist der Beweis für diese Pionierfahrt! Franz Baumann durfte es zu Handen des Telebus-Archivs entgegennehmen.  

Heute fahren Freiwillige

Im ersten Betriebsjahr fuhr die Balance Services AG von Telebus-Pionier Conrad Wagner mit eigenen Fahrzeugen. Ab Dezember 1995 änderte der Verein das System, indem Freiwillige gegen ein bescheidenes Entgelt diesen Dienst versehen. Inzwischen hat der weitere Rückgang der Bus-Fahrplanleistungen zu einer Ausdehnung der Fahrzeit bereits ab 20 Uhr geführt. Am Abend des 20. Jahrestages sass Franz Troxler am Steuer des Telebusses. 

An der Jubiläumsfeier war die Gemeinde Kriens durch Gemeinderat Cyrill Wiget und Einwohnerratspräsidentin Chris Kaufmann vertreten. Symbolisch durchschnitten sie ein Band und ebneten damit dem Telebus den Weg ins dritte Jahrzehnt. Franz Baumann stellte erfreut fest, dass der Telebus in den ersten 20 Jahren zwölf Mal um den Erdball gefahren ist. Noch erfreulicher wäre es, wenn die Gemeinde Kriens irgendwann wieder die Pflicht übernähme, den öffentlichen Verkehr am Abend wieder durch Linienbusse auszuführen: «Dann würde es uns zwar nicht mehr brauchen, wir würden dies aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegennehmen.» Die Mitglieder und Gäste liessen die Feier am Neujahrstag im Ristorante Uno e più ausklingen. Alle bisherigen und aktiven Telebus-Mitglieder blicken mit berechtigtem Stolz sowohl zurück wie auch in die Zukunft.

Ein Markstein in der Mobilitätsgeschichte 

Der Telebus darf als wichtiger Bestandteil in der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Kriens gewertet werden. Er ist geschichtlich gesehen so wichtig wie die Einführung der Kriens-Luzern-Bahn anno 1886, die als Güter- und Personenbahn während Jahrzehnten die Gemeinde als Ganzes aufgewertet hat. Auch die Einführung der elektrischen Strassenbahn 1899/1900 und die Umstellung der Linie 1 auf Trolleybus am 11./12. November 1961 sind bedeutende Punkte. Der Telebus hat vor zwei Jahrzehnten neue Akzente gesetzt, indem er den öffentlichen Abendverkehr in die Krienser Aussenquartiere vor dem Untergang gerettet hat!

Franz Baumann und mit ihm viele Engagierte -  nicht wenige davon aus dem Kreise der SP Kriens  -  haben sich bis heute grosse Verdienste erworben, für welche die Fahrgäste nicht genug dankbar sein können und müssen. Finanziell wird der Verein durch die Einnahmen, Mitgliederbeiträge und einen relativ bescheidenen Zustupf der Gemeinde Kriens getragen. Der Telebus erfüllt seine gemeinnützige Tätigkeit jeden Abend ab 20 Uhr bis zur Ankunft des letzten VBL-Busses aus Luzern um 1 Uhr. 

Mario Gavazzi


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